192 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903,
kein Material zur Verfügung, um dies näher zu prüfen. Was speziell die halb-
jährliche Tide Sa betrifft, so sind die charakteristischen Zahlen, H und k, in
den drei Jahren so verschieden herausgekommen, daß diese Tide als höchst
unsicher bezeichnet werden muß, weshalb auch von einer Mittelbildung ab-
gesehen wurde. N
Ob und eventuell welche Anderungen an dem Pegel vorgenommen worden
sind, ist aus dem vorliegenden Material nicht zu ersehen; der große Wert für
den mittleren Wasserstand (mo) im Jahre 1898 (mo = 1,49) läßt im Hinblick
auf die anderen Werte vermuten, daß zwischen 1898 und 1901 der Pegel geändert
worden ist. Der Unterschied zwischen 1901 und 1902 ist von einer Größen-
ordnung, wie sie auch an anderen tropischen Flußstationen beobachtet worden ist.
Noch ist zu erwähnen, daß die Beobachtungen nach Ortszeit angestellt
worden sind, die k der obigen Übersicht sich demnach auf diese beziehen.
Endlich mögen noch die gewöhnlich angegebenen Hauptdaten gegeben
werden:
Hafenzeit = 5h 36min,
Springzeit = 2,00 m.
Flutwechsel { in nk A
Die russischen hydrographischen Forschungen im Nördlichen Eis-
meere im Jahre 1902.
Nach dem Bericht des Kapt. A, Warnek.!)
Die Hauptaufgabe der russischen hydrographischen Expedition nach dem
Nördlichen Eismeer, die bereits seit fünf Jahren dort tätig ist, besteht in der
Vermessung der großen bisher nur unvollkommen bekannten oder teilweise noch
gar nicht erforschten Küstenstrecken, sowie der Auslotung und Vermessung des
bänkereichen Weißen und des Karischen Meeres. Die Expedition hat, wie im
folgenden ausgeführt werden soll, auch während des Sommers 1902 für die
Schiffahrt wichtige Ergebnisse geliefert und umfangreiches Material zur Ver-
besserung der vielfach sehr unzuverlässigen Karten dieser Gewässer gesammelt.
Neben den Vermessungsarbeiten, die wegen Eises oft unterbrochen werden
mußten, wurden noch meteorologische, magnetische, Gezeiten- und Strom-
beobachtungen angestellt, sowie Dredschzüge zur Sammlung von Plankton und
von Vertretern der Eismeer-Fauna und -Flora ausgerührt. Die Ergebnisse der
meteorologischen Beobachtungen sind in einem besonderen Band von der
hydrographischen Hauptverwaltung in St. Petersburg veröffentlicht.?)
. Die Expedition bestand aus den im Archangel stationierten Dampfern
„Pachtusow“ und „Leutnant Owtsyn“, von denen der letztere jedoch nur an
den Arbeiten im nördlichen Teile des Weißen Meeres teilnahm. Der Leiter
der Expedition, Kapt. Warnek, befand sich an Bord des „Pachtusow“. Wegen
des kalten Frühjahres und der Anhäufung des Eises im Weißen Meere konnten
die beiden Schiffe erst am 7./20. Juni aus Archangel auslaufen. Die erste Auf-
gabe der Expedition bestand in der Vermessung der Orlowschen Bänke im
nördlichen Teile des Weißen Meeres. Darauf sollten die Arbeiten mit dem
Zurücktreten des Eises nach Norden in der Petschora-Mündung, der Karischen
Straße und dem Karischen Meere in Angriff genommen werden.‘)
Vermessung der Orlowschen Bänke. Da das Wetter günstig und das
Meer bis etwas nördlich vom Kap Orlow eisfrei war, konnte sofort nach dem
Eintreffen beim Orlow-Leuchtturm mit den Vermessungsarbeiten begonnen
1) Kparkik 0vepk5 palorb rHAPOTPAdHTECKOÄ aKCHNEAHTIÄ CHBEPEATO ACAOBNTATO OKEAHA BB
1902 roxy, St. Petersburg 1903.
2) MereopoxormYeckia M THIPDOXOTHYECKIA HAÖNWACHIA, NPOK3ZBEACHHHA ABTOMB 1902 Tora
aKCNEXMMIEH CHBEPHAFO XCAOBHTATO OKECAHR NOX% HAYAXLCTEOMB KANHTAHA II-ro paHra Bapkers,
St. Petersburg 1903. 7
3% Vgl. „Ann. d. Hydr. ete.“ 1903, Heft X. S. 30.