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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1903
3. über Nordeuropa, unter der Einwirkung eines neuen den hohen Norden am
3. und 4, ostwärts durchquerenden Minimums; dieses rief an der Ostsee-Küste
wieder auffrischende von SW nach NW drehende Winde hervor.
Einen Wetterumschlag zeigte der Morgen des 4. November in Vorbereitung:
Hoher Luftdruck hatte sich über Nacht von Kontinentaleuropa über das Nordsee-
Gebiet ausgebreitet, und es nahte eine Depression auf dem Ozean vor dem
Kanal, so dafs die Zufuhr ozeanischer Luft zur Küste abgeschnitten war. Die
Depression dehnte sich bis zum 7. vom Ozean über der Westhälfte Europas
aus, wobei das Hochdruckgebiet langsam ostwärts gedrängt wurde und ins-
besondere ein Kern höchsten Druckes von der Nordsee über den Bottnischen
and Finnischen Busen und Westruflsland nach Südrufsland gedrängt wurde; die
am 5. bereits an der Nordsee durchbrechenden SO-Winde herrschten am 6, und
/., von starkem Rückgange der Temperatur begleitet, an der ganzen Küste und
wehten an diesen Tagen ostwärts bis Rügen vielfach steif. Als sich am 8.
bis 10. die Depression über Skandinavien bis Finnland ausbreitete und gleich-
zeitig hoher Luftdruck von Osten her über Kontinentaleuropa vordrang,
wurde die Küste wieder von ozeanischer Luft bestrichen, so dafs zunächst
mildes Wetter eintrat. Nachdem die Depression am 10. durch das von Ost-
über Mitteleuropa vordringende Hochdruckgebiet nordostwärts zurückgedrängt
worden war, erschien eine neue Depression über dem Ozean, die am Il. bis 13.
die Britischen Inseln und teilweise auch die Nordsee und Skandinavien um-
faflste; sie gewann jedoch auf die Küste wenig Einflufs, so dafs bei leichten
vorwiegend südöstlichen Winden meist wieder Sinken der Temperatur erfolgte.
Als auch diese Depression in nördlicher Richtung abgezogen war, lag
die Küste vom 14. bis 22, anhaltend im Bereiche hohen Luftdruckes, der meist
ganz Europa bis auf das Mittelmeer-Gebiet bedeckte und zeitweise 7/85 mm über-
3ateigende, zum Teil umfangreiche Maxima aufwies. Nackdem am 3, bis 14.,
mit Ausnahme des 6. und 11., täglich etwas Niederschlag an der Nordsee und am
3. auch teilweise an der Ostsee gefallen war, brachte der 15, bis 22, für die
yanze Küste trockenes und am 17. bis 20, heiteres Wetter bis auf den 20. und
21., an dem eine Depression über Nordwestrufsland im Osten der Küste etwas
Niederschlag herbeiführte. Am 17. bis 19. führten südöstliche Winde sehr grofse
Kälte herbei, dann brachte die oben genannte Depression zusammen mit der
Lage des Maximums über der nördlichen Nordsee und Südnorwegen zu Beginn
jder dritten Dekade Erwärmung, besonders am 21. an der ostdeutschen Küste
durch nördliche Winde theilweise sehr starke Temperaturzunahme. Nur vor-
übergehend hob sich an diesem Tage die Morgentemperatur an der ostdeutschen
Küste über die Normale; die Morgen blieben andauernd relativ kalt an der ganzen
Küste, wie bereits seit dem 17. fast ausnahmslos, wenn auch, wie angegeben,
gröfsere Schwankungen, und besonders an der ostdeutschen Küste, mehrfach
auftraten.
Eine am 23. über dem Ozean im Nordwesten nordostwärts schreitende
Depression brachte nur der Nordsee-Küste am 23. Niederschläge; gröfseren
Kinflufßs gewann eine am 24, nachfolgende tiefe Depression, die ein am 24. bis
26. südlich von Irland her nach Frankreich dringendes Minimum zeigte und
sich über fast ganz Huropa und das Mittelmeer ausbreitete. Die Lage der
Hochdruckgebiete während dieser letzten Wochen, zunächst über Südosteuropa,
dann von Nordost- nach Südosteuropa hinziehend und an den letzten Tagen
wieder über Skandinavien südwärts vordringend, hatte an der Nordsee meist
südliche bis östliche Winde und ebensolche an der Ostsee, bis auf mehr ver-
änderliche Winde am 29. und 30., im Gefolge. Im Bereiche der Depression
hatten die ganze Küste am 24., 28. und 29. und Teile der ostdeutschen Küste
am 25. und 30. Niederschläge.
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