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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Herrmann, E.: Die Staubfälle vom 19. bis 23. Februar 1903 ete. 483 
Staubfall niedergegangen sein... Auf jeden Fall hat ‚auch der in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar 
hier niedergegangene Regen ziemlich viel Staubkörperchen mit zur Erde geführt, denn am Morgen 
des genannten Tages waren die nach SW gelegenen Fensterscheiben außergewöhnlich schmutzig, und 
die Fichtenbäume benachbarter Waldstücke zeigten an der Weiterseite einen äaschfarbenen 
Niederschlag. 
Groß-Umstadt. In der Nacht vom 21. zum 22, Februar einige Regentropfen, die ‘an 
frisch gereinigten Fensterscheiben (nach S gelegen) Schmutz zurückließen, - In der Nacht vom 22, 
zum 23, die gleiche Erscheinung. Der Schmutz am 21. und 22. Februar hatte graue Färbung. 
Bemerkenswert sind auch die außergewöhnlich hohen Temperaturen und die außergewöhnlich 
niedrige relative Feuchtigkeit am 23, Februar. Nach den Beobachtungen der Stationen II. Ordnung 
waren an diesem Tage "Temperatur und relative Feuchtigkeit folgende: 
Temperatur: Relative Feuchtigkeit: 
7hV 22N Max. zhN 
Darmstadt . . . . 11,8° 16,2° 16,6° 31% 0 
Gießen . . . . . 99 14,0 "14,3 1 
Bad Nauheim . . . 10,5 15,7 15,7 50 
Mainz . . . 0. . 95 16,8 17,0 44 
Worms , . 2. . 134 18,38 18,3 28 
Zu Darmstadt betrug am 23. um Ih 2min N die relative Feuchtigkeit nur 26%. 
Unter Österreich, S. 437. Nach „Das Wetter“ 1903, S. 65 u. 66. 
Pilsen. Auf die vorübergehende Frostperiode vom 8. bis 18. Februar d. J. trat mit dem 
19. Februar bei schwachen SW-Winden und ziemlich klarem Himmel eine abnorme Temperatur- 
steigerung ein. Der Barometerstand war unausgesetzt hoch, 762—770 mm. Die Wärmezunahme 
erreichte den 23. Februar ihren Höhepunkt. Auffallend für diese Jahreszeit waren die warmen 
Nächte (+ 9°), obwohl der klare Himmel die Ausstrahlung des Erdbodens nicht hinderte.‘ Am 
22, Februar morgens zeigte der Himmel ein eigenartiges Aussehen. Bei SW 5 und 49° war das 
Firmament mit einer fahlen Dunstschichte bedeckt, welche für den ersten Moment den Eindruck von 
Deckenwolken hatte; jedoch fehlten die: bei allen Wolkenarten üblichen Konturen, Streifen oder 
sonstige, halbwegs abgegrenzte oder verschwommene Formen. Die Sonne wärmte merklich, ohne 
daß durch den vermeintlichen Dunstschleier ihr Licht recht durchdringen konnte. Auch fehlten die 
bei solchen Wolkenformen auftretenden Halos. Die unteren Luftschichten waren wie in einen 
zarten Nebel gehüllt, der eine gelb-graue Färbung hatte und bei der herrschenden bewegten Luft 
nur zu deutlich sich als äußerst feiner Staub erwies, dessen einzelne Atome für. das unbewaffnete 
Auge absolut nicht zu erkennen waren. Die Umgebung des Beobachtungsortes war derart stauberfüllt, 
daß auf die Entfernung von 2 bis 3 km Hügel und Wälder sehr undeutlich zu sehen waren. Dieser 
Zustand der Atmosphäre hielt auch die ganze Nacht vom 22. auf den 23. an, obwohl diese Nacht 
SW-Wind in heftigen bis zur Stärke 6 anwachsenden Böen wehte. Am 23. Februar, 8b V, war 
der Himmel mit Wolken teilweise bedeckt, doch lag noch immer über der Gegend, soweit der 
Horizont das Auge im Umkreise streifen ließ, ein dichter Schleier. Gegen 9b V ging ein heftiger 
warmer Regen nieder, der bis 1/2 11 Uhr anhielt und nach welchem die Atmosphäre sich merklich 
klärte. Temperatur 13°, Wind SW 3. Die Niederschlagshöhe betrug 1,2 mm. Gegen 12 Uhr 
mittags war der Himmel teilweise mit langsam von West nach Ost ziehendem, dunklem Cumulus 
bedeckt. Der Staubgehalt der Atmosphäre nahm hierauf bei hervorbrechender Sonne bis 4b N 
wieder zu, worauf dann bis zu den Abendstunden das Phänomen nach und nach verschwand. Die 
darauf folgende Nacht herrschte W 6 bei rasch steigendem Barometer und sinkender Temperatur. 
Letztere betrug den 24. Februar 7b V bei bewölktem Himmel +4°. Daß der in der Luft befindliche 
feine Staub sich zu Boden senkte, war an einer zarten Staubschicht zu erkennen, die sich auf den 
gegen den Wind geschützten Stellen der Dächer zeigte, 
Zu Tafel 20. 
In Tafel 20 sind die Staubfälle im Großherzogtum Hessen noch einzutragen. — Der in der 
Nebenkarte verzeichnete Staubfall in Irland kommt auch für die Hauptkarte in Betracht, 
Ableitung der harmonischen Konstanten der Gezeiten aus drei 
täglichen Wasserstands-Ablesungen zu bestimmten Stunden, nebst 
Bearbeitung dreijähriger Beobachtungen zu Kamerun. 
(Methode von Dr. van der Stok.) 
Von Professor Dr. C. Börgen, Wilhelmshaven, (Schluß.) 
Zur Ableitung der Tiden Sı, Ka; Kı und Pı sowie von S, und Sa wird 
am bequemsten, mit gewissen Modifikationen, ein von Prof. G. H. Darwin in 
den „Proceedings of the royal society“, Vol. 52, entwickeltes Verfahren benutzt, 
welches sich unter der Voraussetzung, daß. der Wasserstand für jede Tages- 
stunde bekannt ist, kurz folgendermaßen beschreiben läßt. Man bildet aus den 
Beobachtungen eines Jahres für jede der 24 Stunden.12 Mittelwerte und leitet 
aus diesen zunächst die Koeffizienten der eintägigen und der halbtägigen Tiden 
ab. Diese Koeffizienten, deren man demnach für jede Tidenklasse 12 Werte
	        
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