accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Herrmann, E.: Die Staubfälle vom 19, bis 23. Februar 1903 etc. 481 
erweisen den Zusammenhang der Staubfälle über Europa mit denen, die zwischen 
den Azoren und den Kanarischen Inseln niedergingen. ; 
‘ Auch die über dem Süden der Britischen Inseln, Nordfrankreich und über 
Zentraleuropa niedergegangenen Staubfälle fanden weit überwiegend innerhalb 
des Hochdruckgebietes auf dessen nördlicher Seite statt. Gleichzeitig mit der 
Verlagerung des Luftdruckmazimums nach Südwesten hin verbreiteten sich die 
Staubfälle nach Süden bis zu den Alpen, so daß sie auch ferner nur von der 
allgemeinen durch die Luftdruckverteilung bestimmten Luftströmung getragen 
wurden. 
Wohl mag ein intensiver Luftwirbel die ursprüngliche Veranlassung 
gegeben haben, daß der Wüstenstaub bis in so hohe Schichten der Atmosphäre 
gehoben wurde, daß er während mehrerer Tage sich in der Luft erhalten und 
auf so große Entfernung fortgeführt werden konnte. Den weiteren Träger des 
Staubes bildete aber nicht ein bestimmter Luftwirbel, sondern jedenfalls von 
dem Westen Afrikas aus die das Hochdruckgebiet umkreisende allgemeine 
Luftströmung, sowie die durch die anderen Veränderungen der Luftdruck- 
verteilung verursachten. Abzweigungen dieser Strömung. 
Das etwas unregelmäßige zeitliche Auftreten der Staubfälle in Zentral- 
europa sowie der Umstand, daß nach einer Zeitungsmitteilung am 21. Februar 
auch auf dem Dampfer „Nubia“ zwischen Gibraltar und Algier ein Staubfall 
beobachtet wurde, mußte zu der Frage führen, ob ein Teil des in Mitteleuropa 
gefallenen Staubes nicht noch auf einem anderen Wege als dem bereits be- 
schriebenen fortgeführt worden sei. Die Luftdruckverteilung auch unter Berück- 
sichtigung der. Temperaturverhältnisse gibt dafür aber nicht den geringsten 
Anhalt, so daß im großen und ganzen der beschriebene Weg des Staubes als 
der einzig mögliche anzusehen sein wird, Eine Einschränkung ist jedoch dahin 
zu machen, daß bei der großen Höhe der staubführenden Luft in den nach 
der Höhe aufeinander folgenden Luftschichten die Teile derselben, welche den 
Staub enthielten, nicht notwendigerweise auch genau übereinander lagerten. 
Im Gegenteil weist die Temperaturverteilung darauf hin, daß in den höheren 
Schichten der Atmosphäre bereits über niedrigeren Breiten als in den tieferen 
Luftschichten eine westliche Lufiströmung bestanden haben muß und überhaupt 
die höheren Luftschichten bei der Umkreisung des Luftdruckmaximums im Ver- 
gleich zu den tieferen nach rechts abgelenkt waren... Indem somit die höheren 
staubführenden Schichten einen kürzeren Weg und diesen wahrscheinlich auch 
noch mit größerer Geschwindigkeit bis nach Europa zurückzulegen hatten, ge- 
langten. sie früher dort an. Dadurch erklärt sich vielleicht die Unregelmäßigkeit 
und die Wiederholung der Staubfälle über einzelnen Gegenden Europas; der 
zuerst gefallene Staub hatte einen Teil des Weges in höheren Schichten der 
Atmosphäre als der später niedergegangene zurückgelegt. 
Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Staubfälle ist auf dem ganzen 
Wege vom Süden Algiers über die Kanarischen Inseln, Azoren nach Europa 
eine ziemlich gleichmäßige, nämlich zwischen 20 bis 25 m in der Sekunde, 
d. i. etwa die gleiche Geschwindigkeit, welche Hellmann und Meinardus 
a. a. O0. für die Staubfälle im März 1901 festgestellt haben, Nur in einiger An- 
näherung wird diese Geschwindigkeit auch für die staubführenden Luftschichten 
angenommen werden dürfen. Naturgemäß fielen näher an dem Ursprungsorte 
zunächst die gröberen Teilchen des Staubes aus der Atmosphäre heraus. Diese 
brauchten zu ihrem Fall immerhin eine gewisse Zeit, während welcher die 
höheren staubführenden Schichten bereits einen gewissen weiteren Weg zurück- 
gelegt und auf diesem möglicherweise eine Hebung oder Senkung erfahren hatten. 
‚Auf eine solche Scheidung des Staubes in die gröberen und feineren 
Teile haben auch bereits Hellmann und Meinardus bei ihrer Bearbeitung 
der Staubfälle im März 1901 hingewiesen. Im vorliegenden Falle macht sich 
diese Ausscheidung auch noch über Europa bemerkbar. Während in Belgien 
der Staub noch so konsistent war, daß er die Augen und Nasen verklebte, 
sehen wir ihn in den südlichsten Teilen Zentraleuropas schließlich nur in einer 
Dunstbildung sich äußern. 
_ Überhaupt dürfte die Vorstellung wohl nicht vollständig haltbar sein, 
daß der Staub von seinem Ursprungsorte stets von denselben Luftmassen um- 
geben gewesen sei, die also mit ihm den gleichen Weg zurückgelegt hätten.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.