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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

180 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903. 
die Höhe zu führen. Das „Bulletin metEorologique de l’Algerie“ enthält für 
diesen Tag folgende Angaben starken Windes nach der Skala 0 bis 9: Laghouat 
W 7, Quaragla N 9, Bizerta NNW 6, Tozeur 0SO 6, Djerba N 8, El-Djem N 6; 
bei Laghouat und Quargla befindet sich noch die Bemerkung Sandsturm. Die 
Lebhaftigkeit der atmosphärischen Bewegungen an diesem Tage in jenen 
Gegenden wird noch gekennzeichnet durch die im östlicheren Teile von Algier 
und Tunis niedergegangenen reichlichen Niederschläge, Wegen des derzeitigen 
Fehlens weiterer Nachrichten aus dem Innern Nordafrikas kann freilich nicht 
mit Sicherheit festgestellt werden, daß diese atmosphärische Störung im Süden 
von Algier der Ausgangspunkt der weiter verbreiteten Staubfälle gewesen sei, 
Es muß immerhin noch mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß auch in dem 
westlicheren Teile der Sahara zu jener Zeit ähnliche Sandstürme bestanden 
haben. Die allgemeine Wetterlage am 18. Februar läßt diese Möglichkeit 
wohl zu. 
Über dem mittleren und westlichen Europa, einem Teile des nordwest- 
lichen Afrikas und den an Westeuropa angrenzenden Meeresgebieten lagerte 
nämlich am 18. Februar d. J. ein umfangreiches und ziemlich abgerundetes Hoch- 
druckgebiet (Tafel 23) mit einem Maximum des Luftdruckes von über 780 mm 
über dem nordwestlichen Alpengebiet. Dieses Hochdruckgebiet war rings um- 
geben von einem Gebiet niedrigeren Luftdruckes, in dem lebhafte zyklonale 
Erscheinungen auftraten. Eine derselben war die, welche den erwähnten Sand- 
sturm im Süden von Algier erzeugte, eine zweite lag südöstlich von Italien. 
Ferner befand sich zwischen den Azoren und den Kanarischen Inseln ebenfalls 
eine Depression, die den Passat in jenen Gegenden störte, und nach Nordwesten 
und Norden hin war das Hochdruckgebiet durch ein großes Depressionsgebiet 
begrenzt; nach dem Osten Rußlands hin nahm der Luftdruck gleichfalls ab, 
Indem somit ein Zusammenhang dieser verschiedenen Depressionen, die das 
Hochdruckgebiet umgaben, bestand, muß also mit der Möglichkeit gerechnet 
werden, daß auch südöstlich oder südlich von Marokko lebhafte atmosphärische 
Störungen am 18. Februar vorhanden waren. Die annähernde Gleichmäßigkeit 
im Fortschreiten der Staubfallerscheinung läßt es jedoch zunächst am wahr- 
scheinlichsten erscheinen, daß in der Tat der Sandsturm im Süden von Algier 
ihren Ausgangspunkt gebildet hat. 
Von der östlichen Luftströmung der höheren Schichten der Atmosphäre 
im Süden des Hochdruckgebietes getragen, welche Luftströmung durch die 
Verlagerung und Ausdehnung des 780 mm übersteigenden Luftdruckes nach 
Süden und Südwesten (Tafel 23) noch an Stärke gewonnen haben dürfte, wurden 
die Staubmassen westwärts nach den Kanarischen Inseln geführt. Sie gelangten 
damit an die Südwestseite des Hochdruckgebietes. Hier teilte sich offenbar 
die staubführende Luftströmung. Ein Teil schloß sich den südöstlichen Winden 
an der Südwestseite des Hochdruckgebietes an und nahm die Richtung nach 
den Azoren. Der andere Teil wurde in südliche Richtung abgelenkt. Denn 
der höhere Luftdruck schob sich nämlich sowohl von Nordosten her über 
Madeira und die Kanarischen Inseln als auch von Westen her in der Umgebung 
des 40. Breitengrades weiter vor, so daß in diesen Gegenden ein von Westen 
nach Osten in Zusammenhang stehendes Hochdruckgebiet sich bildete und die 
Passatströmung wieder hergestellt wurde. Die Passatströmung führte dann 
einen Teil des Staubes in südlicher Richtung bis in die Meeresteile im Südosten 
der Kapverdischen Inseln hinweg. 
Aber auch der zunächst weiter nach Nordwesten hin getragene Staub 
erfuhr eine nochmalige Teilung. Wohl der größere Teil wurde etwa von den 
Azoren aus von der sehr lebhaften südwestlichen Luftströmung in den Grenz- 
gebieten des Hochdruckgebietes gegen eine tiefe über dem Nordatlantischen 
Ozean liegende Depression aufgenommen. Indem aber im Laufe des 21. Februar 
auch südlich und südöstlich von den Azoren eine nördliche und nordöstliche 
Luftströmung einsetzte, wurde ein Teil des von den Kanarischen Inseln zuerst 
nach Nordwesten getragenen Staubes südlich von den Azoren in westlicher und 
südwestlicher Richtung vertrieben. 
Der von der Gegend der Azoren nordostwärts fortgeführte Staub gelangte 
nun nach Europa. Die Beobachtungen der Segelschiffe „Carl“ und „Pampa“
	        
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