Herrmann; E.: Die Staubfälle vom 19. bis 23. Februar 1903 ete, 479
auch keine vollkommene, die Kohlenteilchen, die Salzkrystalie und wie bei den
Proben vom D. „Holsatia“, die Teilchen vulkanischer Herkunft, sind schon oben
als spätere Beimischungen bezeichnet worden. Aber weiter ist eine Ver-
unreinigung der Staubproben von den Schiffen durch Rückstände des bei dem
Deckscheuern verwendeten Sandes oder der Sandsteine nicht ausgeschlossen.
Immerhin sind die späteren Beimengungen der Staubproben von Schiffen leichter
zu übersehen und geben für manchen Gehalt der auf dem Lande gesammelten
Proben den sicheren Beweis erst späterer Beimengung.
Über die Ergebnisse seiner Untersuchungen der Staubproben von Uccle,
Tiel und aus der Schweiz spricht sich Herr Prof. J. Früh in „Meteor. Ztschr.“ 1903,
S. 175 folgendermaßen aus:
„Irgend eine Staubprobe ist namentlich dann mit größter Vorsicht zu
interpretieren, wenn das Sediment sehr spärlich und auf eine unreine Unterlage
gefallen ist. In solchen Fällen liegt eben ein‘ Gemisch von zwei verschiedenen
Schichten vor, Lokalstaub der Unterlage und aus der Ferne darauf geschütteter
Staub. In der Probe hat man daher die lokalen Beimengungen scharf von
letzteren zu trennen. Sorgfältig gewonnene reine Sorten sind gelblich: wie Löß
und von vollständig einheitlicher Zusammensetzung: etwas‘ Karbonate, vor-
herrschend Quarz, selten Glimmer, alle mehr oder weniger mit Limonit über-
zogen, selten ein reines Spaltungsstück von Kalzit, schwierig zu bestimmende
und seltene Mikrokrystalle oder Trümmer derselben — man darf sagen überein-
atimmend mit dem Staub vom März 1901. Die Abweichungen werden bedingt
durch lokale Beimengungen als: Ruß, Blütenstaub von Corylus, Alnus, farblose
und gefärbte ganze bis zerrissene Textilfasern des Tier- und Pflanzenreiche,s
einige die ganze Frage nicht beeinflussende gemeine Arten von Diatomeen,
Sporen, Weizenstärke, Pflanzenhaare, Humuspartikelchen, welche durch Natron-
lauge zerlegt werden u. 8. f.“ .
» «-.. Endlich ist zu beachten, daß die Gesteinssplitter vorherrschend
mit Limonit überrindet sind, das heißt, das Gelb ist nicht Kigenfarbe derselben;
durch Säuren wird die Farbe entfernt, niemals bei vulkanischen Gläsern.
Einigemale (Travers, Ueccle, Tiel, Zürich) erkannte ich Quarzsplitter von
0,07-—0,1 mm, welche kantenbestoßen bis abgerundet waren, d.h. auf längeren
Transport hinwiesen.“
„Der Staub stammt aus sedimentären bis krystallinischen Gesteinen,
wahrscheinlich von vielfach aufbereiteten Erden; er kann nicht aus einer Acker-
bauregion, nicht von Küsten herstammen, da entsprechende Akzessorien fehlen,
Er kommt nicht von den Mittelmeerländern, da Blütenstaub der dort damals in
Blüte stehenden Pflanzen fehlt, sondern aus einer pflanzenarmen Region, in
welcher selbst Steppengräser wenig verbreitet sind, weil die Kieselskelette von
Epidermisgebilden fast total fehlen. Das Ursprungsgebiet ist ein kontinentales
Wüstengebiet mit limonitisch überzogenen Verwitterungsprodukten. Auf eine
Lateritzone weisen keine Anzeichen hin.“
IV. Der Verlauf des Staubfalls in seiner Beziehung zur Wetterlage.
Wenn wir nun zur Betrachtung der Erscheinung dieses Staubfalls in ihrer
Gesamtheit übergehen, so müssen wir es uns leider versagen, uns in dem Maße
in dieselbe zu vertiefen, wie dies bei der Bearbeitung des Staubfalls vom
März 1901 durch Hellmann und Meinardus (a. a. 92 geschehen ist. Eine
solche tiefere Bearbeitung dürfte ohnehin von anderen Seiten nicht ausbleiben,
denen mehr Zeit und auch persönliche Hilfskräfte zur Verfügung stehen, als
dem Verfasser dieses Berichtes. Wir müssen uns hier beschränken . auf die
Darstellung der Vorgänge die unmittelbar aus den beobachteten Tatsachen
sich ergeben.
In der Tafel 23 sind dargestellt die Luftdruckverteilung, Wärmeverhältnisse
und die Winde!) für die Tage vom 18. bis 23. Februar 1903 über einem Gebiet, das
die Orte mit Staubfällen und dazu in Beziehung stehende Erscheinungen einschließt.
Aus der Karte für den 18. Februar ist zu ersehen, daß an diesem Tage
über dem nördlichen Teile der Sahara außerordentlich heftige atmosphärische
Störungen. vorhanden waren, die wohl geeignet waren, große. Staubmassen in
1) Die Spitzen der Windpfeile befinden sich in den Karten an dem Beobachtungsorte.