Aerrmann, E,: Die Staubfälle vom 19. bis 23, Februar 1903. ete.
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Niederlande,
Delft, (Mitteilung von Herrn P, Kley an die Deutsche Seewarte.) Herr P Kley, Technolog,
untersuchte den daselbst gefallenen Staub und die ihm von. der Seewarte auf sein Ersuchen zu-
gesandte Staubprobe des Segelschiffes „Carl“ mikrochemisch und mineralogisch und fand, daß diese
Staubproben miteinander identisch waren. Sie bestanden nach ihm aus sehr stark verwittertem
Feldspat, Quarz, Turmalin, Augit, Titaneisen, einer großen Zahl Diatomeen, welche völlig dieselben
waren. Wohl waren die Körnchen außerordentlich klein (10 Mikron), aber auf optischem und
mikrochemischem Wege ist es Herrn Kley völlig gelungen, dieselben zu bestimmen. Auch enthielten
beide Staubarten einzelne Espartofasern, einer Grasart aus Afrika und Süd-Spanien. So wurde nach
Ansicht von Herrn Kley auch mikrochemisch festgestellt, daß alles in dem Staube enthalten war, was
man im Saharasand finden kann, aber auch nichts anderes, Vergleiche mit Vulkanasche schlossen den
vulkanischen Ursprung vollständig aus, auch konnte in den Staubproben nichts entdeckt werden, was von
kosmischen Erscheinungen herrühren könnte. Herr Prof. M. W. Beyerinck, Direktor des bakterio-
logischen Laboratoriums zu Delft, fand in der von ihm gesammelten Staubprobe einen außerordentlich
großen Gehalt von organischen Keimen, wie er ihn in gewöhnlichem Staub nie gefunden hatte. Ins-
besondere erkannte er sogleich Bakterien und Bakteriensporen, sowie Pilzsporen, unter denen Pleospora;
auch war der Staub außerordentlich reich an Pflanzenteilen, selbst Blattfragmenten, Mycelien und
anderen organischen Stoffen. An anorganischen Stoffen enthielt derselbe viel Kalk und andere Karbonate.
Auf Gelatinekulturen entstanden aus lg Staub annähernd 2 Millionen Kolonien, außer Pleospora
sicher auch Clavosporium.
Rotterdam. (Mitteilung des Kgl. Niederländischen Meteorologischen Institutes.) Dr. A. Lam,
Chemiker des städtischen Laboratoriums fand folgende Analyse: 116 mg gaben geglüht 100 mg
Rückstand; davon waren in siedender konzentrierter Salzsäure unlöslich 54 mg. Der gelöste Teil,
(46 mg) enthielt 7,2 mg Eisen, der nicht gelöste Teil 1,8 mg Eisen, also im. ganzen 11%9 Eisenoxyd.
Utrecht, (Mitteilung des Kgl. Niederländischen Meteorologischen Institutes.) Dr. J. Loire,
Privatdozent für Geologie, findet große Ahnlichkeit des Staubes mit Löß, also darin Quarz, Tonerde,
Kalk und etwas Eisenverbindungen.
Leiden. (Mitteilung des Kgl. Niederländischen Meteorologischen Institutes). Das dortige
anorganisch-chemische Laboratorium stellte in dem Staub Eisen, Aluminium, Magnesium, Kalzium,
Silizium, Titan und sehr wahrscheinlich Beryllium fest. . .
Zutphen. (Mitteilung des Kgl, Niederländischen Meteorologischen Institutes.) Die Analysen
von Dr. J. L. B, v.d. Marck hatten folgendes Ergebnis: .
Erste Analyse: Sehr viel Eisenoxydul und Eisenoxyd, Kalk, Magnesia, Tonerde, Kiesel-
sänre (frei als Quarz), Spuren von seltenen Elementen z, B. Titan. -
Zweite Analyse: Sehr sorgfältig gesammelter Staub 47 mg Eisenoxyd auf 113 mg Staub.
Andere Analysen: 32% und 23% Fez Os.
s’Gravenhage. (Mitteilung des Kgl. Niederländischen Meteorologischen Institutes.) Analyse
von Dr. v. d. Marck zu Zutphen ergab nur 4,7%9 Eisen, ferner Kalzium, Magnesium, Natrium,
Kalium, Titan; an Säuren: Salzsäure, Schwefelsäure, Kieselsäure.
Tiel. Prof, J. Früh („Meteorol. Ztschr.“ 1903, S, 173) gibt folgende Bestimmung des dort
gesammelten Staubes: Sehr feines ziegelgelbes Mehl, wie feuchter Löß, außerordentlich gleichförmig.
Mehr als 90%9 eckige mit Limonit mehr oder weniger überzogene Gesteinssplitter von 0,001—0,005 mm,
kaum ein Viertel derselben Karbonat, das übrige Quarz, Limonit, selten ein Glimmerschüppchen von
0,04—0,05 mm. Quarzsplitter von 0,025—0,03 mm erscheinen bereits groß bis sehr groß, ein
solcher von 0,07 mm ‘bildete eine auffällige Erscheinung, Prachtvolles Spaltungsstück von Kalzit.
Daneben Fetzen von "Textilfasern, Haare von Knospenschuppen (?), Koksstückchen selten, eine
limonitisch verunreinigte Diatomee (Cycelotella).
Baden, -
Zollhaus, (Mitteilung des Zentralbureaus für Meteorologie und Hydrographie im Groß-
herzogtum Baden.) Analyse ausgeführt von Dr. Pfeil. Das Material, das auf Tannenzweigen als
hellbrauner Beschlag saß, wurde mit kaltem destilliertem Wasser heruntergespült und der im Wasser
suspendierte, durch ein feines Haarsieb gegebene Staub durch Eindampfen und Trocknen auf dem
Wasserbade gewonnen. Um einen Begriff von der Menge des niedergegangenen Staubes zu
bekommen, ist bemerkt, daß auf etwa 98 g Zweige, 1,5 g Staub kamen. Aufgeschlossen wurde das
ungepulverte Material mit Borsäureanhydrid (0,61 g mit etwa 3 g Ba Os). Dabei trat Schwärzung
and ziemliches Schäumen ein. Die Schmelze löste sich leicht in salzsaurem Methylalkohol, und die
Verjagung der Borsäure als Methylester bot keine Schwierigkeit.
Analytische Resultate:
41,69% Si Oz 5,29% Feg Os 2,720 Ka O
7,91, Ca O Spuren Am 0 2,83 „ Nas O
19,20, Mg O0 Spuren Fe © 3,65 „ © O2
13,92, Als O 0,42% Pa O5 2,65 „ Hz.0 + organ. Substanz.
Die Prüfung auf Sulfate am Kohlesoda-Stäbchen verlief. negativ,
Württemberg,
Nach Bericht von Dr. Schütze zu Stuttgart (Mitteilung der Kgl. Württembergischen
Meteorologischen Zentralstation) hat die chemische und mikroskopische Untersuchung. der Staubprobe,
die von einem Glasdache des Bahnhofsgebäudes in Friedrichshafen abgeschabt war, wegen
starker Vermischung mit Ruß und daneben vorherrschendem Kalkgebhalt, wahrscheinlich auch von
anderem Staube herrührend, keine sicheren Anhaltspunkte für die Beurteilung der chemischen
Beschaffenheit des am 22, Februar gefallenen Staubes ergeben.