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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903. 
Beolgien, 
1. Eine sehr eingehende Untersuchung von Staubproben, die zu Les Amerois und Gent 
gesammelt worden sind, ist von W. Prinz ausgeführt und in „Ciel et Terre“ XXIV. 1903, S. 25 u. ff., 
sowie S. 75 u. ££. veröffentlicht worden. 
Les Amerois, Der gesammelte Staub bildet ein außerordentlich feines und trocken an- 
klebendes Pulver von der Farbe hellen Milchkaffees. Mit Wasser gemischt bildet es einen braunen, 
sehr feinen Teig von tonartigem Ansehen und ausgesprochen erdigem Geruch. Die mikroskopische 
Untersuchung in seinem natürlichen Zustande zeigt braungelbliche Klümpchen, Fasern und ver- 
schiedene Pflanzenreste, sowie mineralische Fragmente in groben Körnern, die augenscheinlich zum 
größten Teil zufälligen Ursprunges sind. Es wurden erkannt, Bruchstücke von Schiefergestein und 
von Glimmer, Quarz in Splittern und abgerundeten Körnern, mehrmals auch in kleinen pyramidischen 
Prismen, Orthoklas, Zirkon, zu einem V gruppierte Bruchstücke von Nadeln aus Rutil, Turmalin, 
sehr vereinzelte Splitter von Hornblende, Granat etc,, kurz, besonders die Mineralien, die den Ge- 
steinen der Ardennen eigen sind. Ihre Abmessungen sind im allgemeinen einige Hundertstel eines 
Millimeters. Es wurde auch die Anwesenheit einer großen Zahl von gelblich-weißen Körperchen 
festgestellt, von denen die einen eine ovale Gestalt haben, während andere vielmehr spindelförmig 
sind, sehr selten findet man sie zu sternartigen Massen gruppiert. Diese sind von derselben Natur, 
wie die im Staube enthaltenen rautenförmigen Stäbchen, von denen die größeren ein rhomboedrisches 
Ansehen haben und im polarisierten Licht in der Richtung der Diagonalen sich verdunkeln. Ihre 
Kleinheit (0,01 mm und darunter) läßt nur vereinzelt eine Bestimmung der Winkel zu. Der stumpfe 
Winkel ist nahe an 102°; dieselben sind als Kalzium-Karbonate anzusehen. Die ganze Masse ist 
mit undurchsichtigen Körnern und Kügelchen erfüllt, von den die einen und anderen bei der An- 
näherung eines Magneten ihre Lage verändern; diese sind also eisenhaltig. Viele bleiben aber 
dabei unbeweglich, dies sind die kohlenhaltigen und glasigen Teile. Besonders charakteristisch ist 
in allen Proben die große Anzahl glasiger Kügelchen, in allen Größen, von einigen Mikron bis zu 
D,03 mm und ausnahmsweise auch bis zu 0,12 mm. Die Staubprobe war von einer mit Zink 
gedeckten Plattform gesammelt worden und enthält offenbar zufällige Beimischungen, besonders die 
glasigen Körperchen entstammen dem Auswurf der Schornsteine der industriellen Etablissements, 
Es wurde daher eine zweite Untersuchung der feinsten Teilchen der Staubproben, bei denen allein 
ein Transport auf weitere Entfernung in Betracht kommen kann, mit Unterstützung des Chemikers 
Emile Deladrier vorgenommen. Die in diesen angetroffenen rautenförmigen oder rhomboedrischen 
Körperchen gehören unbestreitbar einem Karbonat, Kalzit oder Dolomit an. Die ihnen beigesellten 
gelblich-weißen Körnerchen ohne bestimmte krystallische Gestalt, die im polarisierten Lichte lebhafter 
efärbt sind, enthalten zum Teil andere Kalziumverbindungen und zwar Oxalate und Sulfate. Das 
Übrige des feinsten Teiles des Niederschlages außer den glasigen Stoffen setzt sich zusammen aus 
einem Mehl, in dem man noch gewisse der bereits genannten Mineralien erkennen kann; man findet 
darin außerdem noch tonige Klümpchen, Schuppen von chloridischer Kreide, die bisher nicht erwähnt 
wurden, und unzählbare längliche Körperchen (0,01 mm und darunter), ferner sehr winzige Teilchen 
(0,002 mm und darunter), die im polarisierten Lichte undeutlich faserig erscheinen; diese sind 
Glimmer, Diese Teilchen tragen dazu bei, dem Staube eine tonige Natur und ein fettiges Anfühlen 
zu geben, 
Gent. Die daselbst gesammelte und ebenfalls von W. Prinz untersuchte Staubprobe stellt 
sin weniger feines und graueres Pulver dar, als das von Les Amerois, Es enthält außerordentlich 
viel verschiedene Körner von 0,1 bis 0,15 mm, von denen man unmöglich einen Transport auf große 
Entfernung annehmen kann. 
Nach Trennung des groben Teiles von dem übrigen Niederschlag erkennt man Quarz, der 
vorherrscht, und ein wenig Feldspat, sehr vereinzelt Turmalin, ein wenig Rutil, sehr reichlich 
chloridische Kreide, weißen Glimmer. Die Bruchstücke und Kristalle von Zirkon sind zahlreich. 
Der feinste Teil des Niederschlages, der besonders die von weither durch die Luftströme getragenen 
Stoffe enthalten dürfte, unterscheidet sich von dem Staub von Les Amerois dadurch, daß das 
Kalziumkarbonat nur vereinzelt die bei diesem bestimmten Gestalten hat; es stellt sich besonders 
als körnige matte Häutchen dar, die an die erinnern, welche man in gewissen Gewächsen findet. 
Diese Körper sind sehr reichlich vorhanden und verursachen ein starkes Aufbrausen mit verdünnter 
Salzsäure. Ein anderer Unterschied besteht in der Abwesenheit der kleinen Diatomeen und Sporen, 
die der Staub von Les Amerois enthält; überhaupt ist die Staubprobe von Gent weniger reich an 
organischen Stoffen. Er enthält auch mehr Zirkon, chloridische Kreide und weißen Glimmer, als 
der andere, aber außer in den großen Körnern kein Rutil, Die glasige Masse ist weniger reichlich 
and die Glaskügelchen sind kleiner. 
Gewiese Unähnlichkeiten zwischen dem Staube von Les Amerois und Gent sind auf eine 
Mischung mit lokalem Staube zurückzuführen und auf die Tatsache, daß der Staub von Gent erst 
gesammelt wurde, als der Regen einen Teil der ihn zusammensetzenden Stoffe ihm entzogen hatte. 
So kommt W. Prinz zu folgendem Schlusse: Die gröberen Körner gehören den Mineralien 
Belgiens an; die glasigen Überreste bilden nicht den wichtigen Teil und sind zufälligen Ursprungs; 
das Übrige ist ein toniges gipsiges Mehl mit chloridischer Kreide und abgeschliffenen Glimmerteilchen. 
2. Ebenfalls hat Prof, J. Früh eine Staubprobe von Ucele untersucht und gibt darüber in der 
„Meteorol. Ztschr.“ 1903, S. 174 folgenden Bericht: Farbe licht kaffeebraun. Grundmasse eckige 
Mineralsplitter von 0,001—0,01 mm; solche von 0,02 mm erscheinen ziemlich groß und von 0,05 mm 
als vereinzelte „Blöcke“. Vorherrschend Quarz, weniger als ein Viertel Karbonate (Kalk), ein 
Spaltungsstück von Kalzit, sehr frisch, zerstreut Limonitkrümelchen, Glimmerblättchen. Die Gesteins- 
splitter sind mehr oder wenig limonitisch überrindet. Beimengungen: Koks, Myzelien, sparsam 
Pollen von der Haselnuß, einmal von Erle, Spuren von Mucor, eine Diatomee (Gamphonema), 
Scblackentröpfchen.
	        
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