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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1903, 
Während der ersten acht Tage sehen wir zwei Stellen höchsten Druckes, 
— zwei „barometrische Maxima“ —, auf den Karten mit H bezeichnet; an den 
beiden letzten Tagen tritt noch ein drittes über Amerika neu hinzu. Die Bahnen 
dieser Maxima sind durch gewellte Linien auf dem genannten Kärtchen kennbar 
gemacht, die Ziffern bedeuten das Datum, an dem das Maximum diesen Ort 
einnahm. Wir sehen ein großes Hochdruckgebiet, dessen Kern am 1. bei den 
Azoren liegt, in den folgenden Tagen fortschreitend durch ein von Westen 
heranziehendes verdrängt werden, das in den zehn Tagen von Florida bis nach 
England sich verschiebt. Vom 4. an zeigt sich ein neues über Nordamerika, 
das dem zweiten nachzieht und mit ihm mehr oder weniger verschmilzt. 
Unter den barometrischen Depressionen, deren Mehrzahl in diesen Tagen 
am Rande des Beobachtungsbereiches unserer Kärtchen sich bewegte und daher 
auf ihnen nicht gut zu verfolgen ist, kann die Rinne niedrigen Druckes am 
meisten Interesse beanspruchen, die am 3. über Nordamerika auftrat, zwischen den 
beiden letzterwähnten Hochdruckgebieten. In dieser Rinne waren mindestens 
zwei Punkte niedrigsten Luftdruckes zu erkennen; das nördlichere dieser beiden 
Minima zog über Neuschottland und Neufundland weg, das südliche vom Mississippi 
züdostwärts und dann südlich von den Bermuden ostwärts; am 6. lagen sie beide 
etwa auf dem 60. Längengrade, Von diesem Tage an werden die beiden Minima, 
Jurch Verschmelzung der erwähnten Hochdruckgebiete, ganz voneinander getrennt, 
das nördliche verschwindet aus unserm Gesichtskreise, das südliche rundet sich 
ab, wird selbständig, es gewinnt an Tiefe, und die dasselbe umgebenden Winde 
nehmen an Stärke zu. Die niedrige geographische Breite, auf der dieses: ge- 
schieht — 25° bis 30° Breite-— macht die Erscheinung zu einer sehr ungewöhn- 
lichen. Denn in diesem Meeresteile weht im Sommer regelmäßiger Passat und 
zind auch im Winter östliche Winde durchaus vorherrschend; zyklonische Luft- 
wirbel kennt man aus demselben fast nur vom Spätsommer und Herbst, und 
dann haben diese den Charakter tropischer Orkane und bewegen sie sich nach 
Norden oder Westen. 
Unter dem Einfluß dieses Minimums und des nördlich davon belegenen, 
ebenfalls nach Osten ziehenden Maximums hatten die von Westindien zurück- 
kehrenden Dampfer ungewöhnlich starke Gegenwinde aus nördlicher und öst- 
licher Richtung. Da man in der Südhälfte des Wirbels westliche Winde an- 
aehmen muß, wenn auch vielleicht nur auf kleinem Gebiete, so ist der Passat 
in diesem Falle erst auf sehr niedrigen Breiteh zu suchen. Es liegt hier eine 
Passatstörung vor, wie sie in anderen Meeresteilen in gleichen Breiten, z. B. bei 
den Kanarischen Inseln, aus der kälteren Jahreszeit recht bekannt sind, wie 
3ie aber gerade in dieser Gegend selten beobachtet worden sind. 
Das letzte Kärtchen der Tafel ist den Mittelwerten der Dekade gewidmet 
und gibt einerseits die mittleren Isobaren, anderseits die Abweichungen des 
Temperaturmittels von seinem normalen, der Jahreszeit entsprechenden Werte 
an, letzteres mit den Worten „zu warm“ und „zu kalt“. Man sieht, daß über 
dem größern Teile sowohl Nordamerikas als Europas der Zeitraum im ganzen 
wärmer war als der ersten Aprildekade sonst zukommt. Die Isobaren dieser 
Karte haben, wegen der großen Luftdruckschwankungen in diesen zehn Tagen, 
mit jenen der Einzeltage wenig Gemeinsames, 
Die Deutsche Seewarte geht mit dem Plane um, solche kleine Wetter- 
karten, als Vorläufer der großen, von ihr herausgegebenen synoptischen Karten 
and als Seitenstück zu ihren zehntägigen Witterungsberichten für die Land- 
wirtschaft, in zehntägigen Zeitabschnitten, 20 Tage nach Ablauf des betreffenden 
Zeitraumes, zu veröffentlichen. Diese kleinen Wetterkarten würden dann an 
Stelle der graphischen Darstellung in ihrem internationalen Dekadenbericht 
ireten. Außer Wind und Luftdruck wird in ihnen auch die Temperatur, sei 
es der Luft, sei es der Meeresoberfläche, Darstellung finden; im vorliegenden 
Falle ist die letztere gewählt worden. Um zu beurteilen, inwieweit eine solche 
Veröffentlichung vorhandenen Interessen entgegenkommt und, auf Beifall zu 
rechnen hat, würde es der Deutschen Seewarte erwünscht sein, Außerungen über 
diesen Plan zu empfangen. 
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