472 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1903.
von Rügen ostwärts meist Stärke 8 und mehrfach 9 erreichende Winde aus dem
Nordwestquadranten herbei, die im Osten in der gleichen Stärke noch am 7.
anhielten und hier erst am 8. nachließen. Vorübergehend bessere Witterung
brachten der 7, bis 9., an denen ein Hochdruckgebiet, unter Ausdehnung bis
Skandinavien, von der Biscayasee ostwärts durch Kontinentaleuropa fortschritt.
Am 7. hatte die Nordsee, am 8. die ganze Küste und am 9, noch die Küste
ostwärts bis Mecklenburg trockenes Wetter; inlandige Winde führten am 8. und
9. bei teilweise heiterem Himmel vorübergehend Erwärmung herbei,
Auf das Hochdruckgebiet folgte aber alsbald eine Depression über dem
Ozean, und es erhielt sich der Luftdruck bis zum 27. fast andauernd am
niedrigsten über dem Ozean nordwestlich von Europa. Ein erster Ausläufer
niedrigen Druckes verlagerte sich vom 8. bis 9. von Frankreich bis Ost-
deutschland, und andere folgten auf demselben Wege bis Westrußland am
9, bis 11., 1. bis 14. und 14. bis 17., vorübergehend ihren Wirkungskreis bis zu
den Alpen erstreckend., Während der erste Ausläufer nur von Rügen ostwärts
am 9, Regen gebracht hatte, trat hier allein im Rücken des zweiten Ausläufers
am Il. vorübergehend trockenes Wetter ein. Im Rücken des dritten Ausläufers
aber hatte die ganze Küste am 13, und, bei heiterem Himmel, am 14. die Küste
von Rügen ostwärts trockene Witterung. Der vierte Ausläufer aber und ein
am 17, bis 20, von England durch den Süden der Nord- und Ostsee nach dem
Bottnischen Busen schreitendes Teilminimum führten am 15. bis 18. an der
ganzen Küste und am 19. und 20. noch ostwärts bis Pommern bezw. Rügen
tägliche Regenfälle herbei. Das erstere rief am 16. an der Nordsee vereinzelt
steife südwestliche und an der preußischen Küste stellenweise stürmische nord-
westliche Winde sowie am 17. von Rügen ostwärts steife bis stürmische west-
liche Winde hervor, während das zweite am 19. für Mecklenburg und Rügen
stellenweise steife nordwestliche Winde im Gefolge hatte.
Weitere Ausläufer bezw. Teilminima folgten am 20. bis 22. südwestlich
von Irland her durch Skandinavien nach Lappland, am 23. bis 25, von Frankreich
bis Finnland und am 24, bis 27. vom Kanal über Südschweden nach West-
rußland. Bis auf trockene Witterung am 22, an der Nordsee und am 24 an
der ostdeutschen Küste erfolgten an diesen Tagen täglich Regenfälle über dem
ganzen Gebiete; die erste der Erscheinungen brachte am 21. an der schleswig-
holsteinschen und preußischen Küste meist stürmische, sonst steife, die zweite
am 24. über Rügen und Pommern vielfach steife südwestliche Winde.
Gegenüber einem zeitweise südwärts zurückweichenden Hochdruckgebiete
über Kontinentaleuropa schritt am 27. bis 30. ein Minimum über Mittel-
skandinavien, während ein auf seiner Südseite entwickeltes Teilminimum am
29. und 30. von der Nordsee nach Westrußland vordrang, dem am 3l. August
und 1]. September ein anderes Minimum auf demselben Wege nachfolgte. Das
arstgenannte Minimum verursachte am 28. an der schleswig-holsteinschen Küste
steife südwestliche, das zweite nordwestliche, am 29. an der Nordsee vereinzelt
steife, an der Ostsee meist steife, im Osten vielfach stürmische und am 30.,
unter dem Einfluß stark von Südwesten her vordrängenden hohen Luftdruckes,
an der Nordsee vielfach steife, an der Ostsee aber fast überall stürmische, im
Osten meist bis Stärke 9 uud vereinzelt 10 anschwellende Winde, die stärksten
des Monats an der Ostsee. Nach kurzem Abflauen und Rückdrehen frischten
die Winde unter dem Einfluß des letztgenannten Minimums am 3l. wieder stark
auf und erreichten an diesem Tage, aus dem Südwestquadranten wehend und
an der Nordsee bereits teilweise über West hinaus drehend, ostwärts bis Rügen
fast überall, weiter ostwärts vereinzelt Stärke 8 und vielfach 9, so daß der
letzte Tag für die Nordsee die stärksten Winde des Monats brachte. An den
beiden letzten Tagen war die Nordsee bis auf geringfügige Niederschläge trocken,
sonst hatte das ganze Gebiet seit dem 25, täglich Regenfälle, die im Gefolge
des an zweiter Stelle genannten Minimums am 29, an der östlichen Ostseeküste
außergewöhnlich ergiebig waren, wie die oben mitgeteilten Regenmengen darlegen.
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