Kleinere Mitteilungen,
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der Bull-Spitze in Nebel gehüllt und das Land selbst, besonders des Morgens,
wegen der diesigen Luft schwer auszumachen ist, während gleichzeitig starker
Strom nach Süden und Westen setzt.
Von St. Vincent habe ich auf den letzten vier Reisen den folgenden
Weg genommen, den ich nach auf 12 Dampferreisen in dieser Fahrt gewonnenen
Erfahrungen für den besten halte, sowohl für kräftige als auch für weniger
kräftige Dampfer: Man steuere von St. Vincent geraden Weges nach 34° S-Br.
und 10° O-Lg., von da geraden Weges nach 43° 30‘ S-Br., und 30° O-Lg., und
schneide dann 50° O-Lg. in 45° 30‘ S-Br. Hierbei bleibt man frei von den
Urozet-Inseln, die man außer bei sehr schönem klaren Wetter, vermeiden sollte.
70° O-Lg. schneide man in 46° 30‘ S-Br. und steuere dann rechtweisend 90° (0)
bis nach 115° O-Lg., dort biege man nach 44° 30‘ S-Br. und 125° O-Lg. auf, und
setze von hier seinen Kurs auf Kap Otway. Beim Anlaufen dieses Kaps fand
ich stets, daß das Schiff in den letzten 24 Stunden nördlich versetzt war. Dies
muß besonders bei dickem Wetter berücksichtigt werden, und ebenso sind die
Kompaßabweichungen zu beachten, da sich die Mißweisung in diesen Gegenden
sehr schnell ändert. Das hohe Land hinter Kap Otway ist leicht zu erkennen,
wenn man von Süden und Westen kommt.
Man nehme den angegebenen Weg im Sommer und im Winter,!) denn
südlich von 44° S-Br. hat man weniger Wind von vorn zu erwarten als auf
diesem Breitengrade selbst oder nördlich davon. Gewöhnlich hat man von den
Crozet-Inseln bis etwas östlich von den Kerguelen mitlaufenden Strom. Auf
dem angegebenen Wege, welcher sich frei vom Agulhas-Strom hält, sind bis
zur Breite vom Kap der guten Hoffnung die SO-Winde weniger vorherrschend
und ‚weniger stark als auf dem Wege, der eine Einbuchtung nach der afrika-
nischen ‚Küste. hin macht und dicht am Kap der guten Hoffnung vorbeiführt.
Auch vermeidet man auf dem von mir angegebenen Wege das schwere Wetter
und die häßliche See, die man oft beim Eintritt in den Agulhas-Strom antrifft.
Die Reise von Melbourne nach Sydney ist eine Küstenreise. Die einzige
Vorsichtsmaßregel, die man treffen muß, wenn man bei schlechtem. Wetter von
Melbourne geht, ist die, daß man weit genug von der Auser-Gruppe bleibt, bis
man Rodondo-Island oder das Leuchtfeuer auf Wilson-Promontory ausgemacht
hat. Nach anhaltenden Westwinden hat man in dieser Gegend starken öst-
lichen Strom.
Von Sydney nach Neu-Seeland. Beim Anlaufen der Drei-Königs-
Inseln habe ich stets, wie auch der Wind war, nördlichen Strom gefunden; es
orennt aber auf Kap Maria van Diemen ein gutes Feuer; bei dickem Wetter
sollte man daher etwas südlicher halten und Maria van Diemen anlaufen. Bei
den Küstenreisen um Neu-Seeland kann man sich auf den „New Zealand Pilot“,
herausgegeben vom Britischen hydrographischen Amte, verlassen. Auf offenen
Reeden, wo.man gewöhnlich Dampf auf hat, sollte man bei drohendem Wetter
and wenn der Leichterverkehr unterbrochen ist, nicht liegen bleiben, denn es
ist sicherer, wenn doch nicht gearbeitet werden kann, in See zu gehen, als auf
den Reeden vor Anker zu treiben, besonders da in der Regel die Schiffe sehr
dicht am Lande liegen.
Von Neu-Seeland nach New York um Kap Horn. Um im Falle
eines Maschinenschadens Hilfe zu erhalten, haben in dieser Fahrt beschäftigte
Dampfer einen gemeinsamen Weg vereinbart. Sie steuern von den verschiedenen
Abfahrtshäfen nach dem gemeinschaftlichen Schnittpunkte 50° S-Br. und 160° W-Lg.,
schneiden dann: .
150° W-Lg. in 50° 45‘ S-Br., | 110° W-Lg. in 53° 20‘ S-Br.,
140° „ „51°30' 100° „ „53°45
130° „ „52° 10° „ 90° „ „54°25
120° „ „52°45 | B0° „ „55° U
Von da steuere man nach Kap Horn, schneide, wenn man dasselbe um-
fahren hat: 51° S-Br. in 51° W-Lg. und 39° S-Br. in 39° W-Lg. und steuere
die Insel Trinidad an. Von da aus steuere man dann geraden Weges nach
St. Vincent oder Teneriffa. Auf dem angegebenen Wege hat man nicht so viel
Wind von vorn und keinen Gegenstrom. Während meiner 14 Reisen auf
diesem Wege konnte ich mir kein besseres Wetter wünschen. Beim Ansteuern
von St. Vincent habe ich stets westlichen Strom gefunden.“ .
1) Vgl. darüber das von der Deutschen Seewarte herausgegebene „Segelhandbuch für den
Indischen Ozean“, S. 697—709, wonach sich für den südlichen Sommer ein südlicherer Weg empfiehlt.