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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1903. 
zwei Wirbel voneinander und zogen jeder in der Richtung der sie veranlassenden 
Stoßwinde weiter. Die Wirbelbewegung war demzufolge nur eine sekundäre 
Erscheinung. Auf der Seefläche abgezeichnet durch die von der „Fumarea“ 
gekrönten Böenstreifen, folgten jene Stoßwinde einander sprungweise über den 
See, gewöhnlich ohne Wirbelbewegung. Ich glaube, diese Beobachtung liefert 
einen Grund mehr, Böen für Folgeerscheinungen einer Wogenbewegung an- 
zusehen, die stellenweise in nicht regelmäßigen Abständen heftig bewegte obere 
Luftschichten zur Erdoberfläche herabbringt. Auch bei den heftigsten Er- 
scheinungen dieser Art, den Tornados, würden dann die beobachteten Wirbel- 
bewegungen nur als Begleiterscheinungen aufgefaßt und erklärt werden müssen, 
wie die in den „Fumarea“ des Weißen Sees unmittelbar beobachteten um 
Vertikalachsen wirbelnden Nebelsäulen. 
Einen scharfen Gegensatz zu der Stärke des Luftdruckes in den Stößen 
bildete die relativ mäßige Geschwindigkeit, mit der die Fumarea über die See- 
fläche fortglitt, Vom Nordufer konnte ich einige Schätzungen vornehmen, die 
Sekunden freilich nur durch lautes Zählen feststellen. Danach wurde etwa !/s 
der Seebreite am Südufer in 9 bis 105% zurückgelegt. Die größte Breite 
West—Ost beträgt 525 m, ein Drittel höchstens 175 m. Die Fumarea bewegte 
sich demnach in der Sekunde mit etwa 17 m Geschwindigkeit. Für die am Ost- 
ufer direkt von mir empfundenen Windstöße während einer landenden Fumarea 
notierte ich Beaufort 8 bis 11 und sogar 9 bis 12. Vielleicht mit Recht. 
Denn gegen das Umgeworfenwerden konnte ich mich nur durch Festhalten 
an einem Geländer schützen. 
Die Erklärung wird durch die Richtung der Stöße geboten. Die ersten 
kamen deutlich von unten, denn mein Vogesenmantel wurde wie ein umgekipptes 
Schirmdach nach oben und mir um den Kopf geschleudert, mein Lodenhut 
wurde trotz der herabgeschlagenen Krempe vom Winde abgerissen. Als ich 
ihn nach Vorübergang der kalten Sturmwoge wieder suchte, fand ich ihn platt 
auf einen keineswegs hohen Felsblock aufgepreßt. Ich möchte daraus schließen, 
daß der regenschwere Hut erst emporgerissen, aus einem nach oben gerichteten 
Stoßwind in einen folgenden nach unten gerichteten geraten war. Die Sturm- 
stöße prallen demnach unter erheblichen Winkeln auf die Wasserfläche auf und 
werden von ihr reflektiert. Das ganze System solcher Sturmstöße wandert aber 
mit der geringeren Geschwindigkeit der „Fumarea“, welche Geschwindigkeit auch 
als horizontale Komponente der Sturmgeschwindigkeit aufgefaßt werden darf, 
in ihrer Hauptrichtung weiter, 
‚Aus dieser Anschauung eröffnet sich eine Aussicht, den inneren Mechanismus 
der boraähnlichen Winde durch direkte Geschwindigkeitsmessungen — einerseits 
der Sturmstöße mittels Handanemometer, anderseits der „Fumarea“ mittels Augen- 
beobachtung — zu erschließen. Denn vor allem würde in dieser Weise die Neigung 
der Stoßrichtung gegen die Horizontalfläche bestimmt werden können. 
Besondere Wichtigkeit erhält diese Frage durch den schon berührten 
Zusammenhang mit wogenartigen Erscheinungen. Die Wetterkarte der Deutschen 
Seewarte vom Morgen des 3. August läßt ebenfalls solche Erscheinungen der Luft- 
druckverteilung deutlich erkennen, ebenso das Barogramm der Seewarte vom 2. und 
3. August. Ich unterschied drei große von West nach Ost einander folgende 
Wogen, einerseits von 450 bis 550 km, anderseits von 32000 bis 37 000 Zeit- 
sekunden Länge. Die daraus berechnete Geschwindigkeit von 14 bis 16 m in 
der Sekunde kommt der beobachteten Geschwindigkeit der „Fumarea“, 17 m in 
der Sekunde, auffallend nahe. Aus dem für Münster (Oberelsaß) gerade noch 
bis zum‘ Morgen des 3, August vorhandenen Barogramm und dem entsprechenden 
Wogenschnitt konnte‘ eine Geschwindigkeit, für die Verlegung wogenartiger 
Luftdruckunterschiede nach Osten, von 14m in der Sekunde berechnet werden. 
Doch sind alle diese recht roh berechneten Werte nur als vorläufige aufzufassen. 
Wilhelm Krebs (Altona). 
2. Staubfallbeohachtung im Oberelsaß am 22. Februar 1903. Da die 
Staubfallbeobachtungen vom diesjährigen Februar auf dem westrheinischen Teile 
des europäischen Kontinents eine erhebliche Lücke aufweisen, stehe ich nicht 
an, eine Beobachtung mitzuteilen, die geeignet erscheint, für Münster im Ober- 
elsaß (48° 2’ N-Br., 7° 10‘ O-Lg.) diese Lücke auszufüllen. Vielleicht dient sie,
	        
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