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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1903, 
Diese unkontrollierbaren Kräfte können nun derartig auftreten, daß sie 
die Wirkung der Temperatur-Korrektionen aufheben, ja sogar so, daß durch 
Anwendung der Korrektionen eine Verschlechterung des Ganges eintritt. Wirkt 
ihr Einfluß nämlich den Temperatureinflüssen entgegengesetzt, mithin nach der- 
selben Richtung wie die Temperatur-Korrektionen, dann werden die unberechen- 
baren störenden Kräfte allein wirkend den Temperatureinfluß verringern bezw. 
aufheben; werden aber Temperatur-Korrektionen angewandt, so kann ein der 
Überkompensierung ähnlicher Fall eintreten, d. h. es tritt jetzt eine allerdings die 
Temperatureinflüsse aufhebende, trotzdem aber in entgegengesetzter Richtung 
störend einwirkende Kraft auf. 
Wirken z. B. die Temperatureinflüsse mit — 4°%, während die übrigen 
störenden Kräfte eine Gesamtkraft von + 5°% entwickeln, so wird die End- 
wirkung -+- 15% sein, falls Temperatur - Korrektionen nicht angewandt worden 
sind; wurden letztere aber benutzt — in diesem Falle + 4°* —, wurde mithin 
die durch die Temperatur veranlaßte Abweichung aufgehoben, so wirken die 
übrig bleibenden Einflüsse mit ganzer Kraft, also mit + 55%, 
In diesem einen, aber wohl selten auftretenden Falle, ist es vorteilhafter, 
Temperatur-Korrektionen nicht anzuwenden, und hauptsächlich diesem Falle 
jst es zuzuschreiben, daß Schiffskommandos zeitweise über das Nichtmehrstimmen 
der Temperatur-Korrektionen klagen. 
Die Wirkung der erwähnten unberechenbaren Kräfte wird nach und nach 
das Material schwächen und die Elastizität der Spirale verschlechtern, ihre 
Wirkung auf die Chronometer wird also umsomehr wachsen, daher umsomehr 
ins Gewicht fallen, je länger die Chronometer in Gebrauch sind — der Einfluß 
kann sogar so bedeutend werden, daß die Temperatur-Korrektionen als eine ins 
Gewicht fallende Größe wegfallen —. 
Aus diesem Grunde muß daher empfohlen werden, daß sich die Kommandos 
bei längerer Benutzung der Chronometer — besonders in den Tropen bezw. in 
feuchten Gegenden — von Zeit zu Zeit die Stände sowohl mit als ohne 
Temperatur-Korrektionen errechnen und miteinander vergleichen, um sich so 
selbst ein deutliches Bild zu verschaffen, ob die Anwendung der Korrektionen 
noch Nutzen bringt oder nicht. 
Selbstverständlich ist ein solches Verfahren nur bei großen Temperatur- 
Korrektionen notwendig; bei kleinen Korrektionen hat die Anwendung derselben 
einen zu geringen Einfluß; es empfiehlt sich daher im letzteren Falle die ständige 
Anwendung derselben. 
Zeigen Chronometer große und unregelmäßige Gänge, so ist dieses, falls 
keine mechanischen Störungen vorhanden sind, stets ein Zeichen großer, 
unkontrollierbarer, störender Einflüsse. In diesem Falle ist es gleichgültig, ob 
Temperatur-Korrektionen angewendet werden oder nicht, da bei der Größe der 
durch unberechenbare Kräfte erzeugten Fehler die Temperatur-Korrektion, selbst 
wenn sie einige Sekunden betragen sollte, als eine ins Gewicht fallende 
Größe wegfällt. 
Endurteil. 
Die Anwendung von Temperatur-Korrektionen bietet einen Vorteil vor 
der Methode aus dem mittleren Gange den Stand abzuleiten, vorausgesetzt, daß 
die Chronometer beim langen Verweilen an Bord bezw. bei einem Aufenthalte 
in feuchten oder schroffem Temperaturwechsel ausgesetzten Gegenden durch die 
sie beeinflussenden unberechenbaren Kräfte nicht gelitten haben. In diesem 
Falle bezw. in zweifelhaften Fällen — beim Eintreten oben angeführter außer- 
gewöhnlicher Verhältnisse — empfiehlt es sich, falls die Chronometer mit 
großen Temperatur-Korrektionen behaftet sind, vorsichtig zu verfahren, d.h. es 
muß dann von Zeit zu Zeit nach beiden Methoden gerechnet werden, um durch 
einen Vergleich derselben ein klares Bild zu erhalten, welche Methode die 
augenblicklich vorteilhaftere ist. In allen übrigen Fällen würde es falsch sein, 
die Anwendung von Temperatur-Korrektionen zu unterlassen. 
Schlußergebnis, ‚ 
Die ganze Betrachtung ergibt als Endresultat folgende Regel: 
Temperatur-Korrektionen sind stets anzuwenden, wenn 
nicht durch Beobachtungen sich herausgestellt hat, daß 
störende Einflüsse nach derselben Seite wirken wie die 
Temperatur-Korrektionen.
	        
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