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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Rottok, C.s Temperatur-Korrektionen bei der Berechnung der Chronometerstände, 459 
Korrektionen für längere oder kürzere Zeit zu unterlassen in der Annahme, 
daß sie ohne Anwendung dieser besser fahren würden als mit Anwendung der- 
selben? Haben die betreffenden Kommandos ein Recht zu obiger Klage? 
In der Tat können Fälle eintreten, allerdings nur selten, wo der erwähnte 
Vorteil nicht mehr vorhanden ist, wo es sich herausstellt, daß die durch An- 
wendung von Temperatur-Korrektionen gefundenen Chronometerstände weiter von 
der Wirklichkeit abliegen als die durch mittlere Gänge errechneten!‘ 
Die Ursachen dieser Abweichungen sind verschiedenartige, nicht in 
Rechnung zu ziehende Einflüsse, die einwirken auf die Molekularstruktur der 
bei dem Chronometerbau verwandten Metalle, auf die Anderung der Elastizität 
der Spirale, teilweise auch wohl, namentlich‘ bei längerem. Gebrauche der 
Chronometer, auf die Beschaffenheit des .Oles und die dadurch hervor- 
gerufene. Reibung. 
Aumerkung. In manchen Fällen ist ein Teil der Abweichungen auch auf ein unregel- 
mäßiges Aufziehen der Chronometer zurückzuführen, . 
Diese Kräfte können unter Umständen dergestalt auf die Chronometer 
einwirken, daß die Größe der Temperatur-Koeffizienten sich verändert bezw. die 
Anwendung von Temperatur-Korrektionen nicht mehr von Nutzen ist. 
Zu den Untersuchungen sind nur Chronometer herangezogen worden, 
welche längere Zeit an Bord waren und deren Werke das Observatorium bei 
der Abgabe an dasselbe einwandfrei fand, d.h. so wie unter „a. Untersuchungs- 
material“ als Bedingung aufgestellt worden ist. 
Kommen Chronometer von dem Observatorium an Bord der Schiffe, so 
werden sie stets in einwandfreiem Zustande sein, sind sie jedoch längere Zeit 
auf den Schiffen etc. bezw. treten außergewöhnliche Verhältnisse dort ein, wie 
große Feuchtigkeit, starke Hitze oder Kälte, vielleicht auch bedeutendes 
Arbeiten des Schiffes und ähnliche Fälle, so kann sich die Sachlage ändern. 
Durch obige Einflüsse kann. sowohl eine Anderung der Temperatur- 
Koeffizienten a und b eintreten als auch auf den Gang störend eingewirkt werden. 
Eine Größenänderung der Temperatur-Koeffizienten bewirken alle Kräfte, 
welche eine Veränderung des Metallmaterials bezw. des Ausdehnungs- sowie 
Elastizitäts-Koeffizienten veranlassen. Dies sind: Erschütterungen und Stöße, 
Temperatureinwirkungen und der Feuchtigkeitseinfluß. !) 
Das Gefüge des Metalls, namentlich des Stahls, wird mit der Zeit ver- 
ändert durch dauernde, gleichmäßige Erschütterungen, denen es bei dem Gebrauche 
ausgesetzt ist. Das Metall nimmt anstatt einer faserförmigen Gestalt ein krystal- 
linisches Gefüge an. Hinzutretende starke Erschütterungen oder plötzliche Stöße 
beschleunigen diese Umbildung. Ebenso wirkt ein schroffer Temperaturwechsel. 
Eine andere Lagerung der Moleküle verursacht auch eine andere Aus- 
dehnungsfähigkeit der Metalle, daher auch eine Anderung des Ausdehnungs- 
Koeffzienten. „ | | 
Durch Änderung des Metallgefüges muß sich ebenfalls die Elastizität des 
betreffenden Metalls ändern, mithin ändert sich mit der Zeit, namentlich bei 
schroffem Temperaturwechsel, die Elastizität des Materials. - BO 
Durch Feuchtigkeit wird das Metall oxydiert und hierdurch abermals die 
Elastizität verringert, das Gefüge selbst gelockert. 
Störend auf den Gang wirkt ein, namentlich bei längerem Gebrauche der 
Chronometer, die Beschaffenheit des Öles — Verdickung, Verharzung oder Ver- 
unreinigung desselben durch Metallstaub etc. — und die dadurch bervorgerufene 
Reibung sowie Schimmel und Rost, welche durch ihr Gewicht die Unruh- 
schwingungen verringern, dazu kommt hoch, wie vorher schon in der Anmerkung 
erwähnt wurde, ein unregelmäßiges Aufziehen der Chronometer, 
Die Wirkung aller dieser angeführten Kräfte etc. hängt von den ver- 
schiedensten Umständen ab, tritt so verschiedenartig auf, daß sie sich nicht in 
Rechnung ziehen läßt, da sie sich der Beurteilung entzieht. Jedes einzelne 
Material wird anders von ihnen beeinflußt, jedes einzelne Chronometer wird sich 
daher auch anders verhalten. 
1) Vgl. „Untersuchung über die Änderung der Temperatur-Koeffizienten a und b bei Chrono- 
metern“, Von Carl Rottok, Korvetten-Kapitän a, D, — Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 
XXIV. Jahrgang 1901, Nr. 4. Seite 31 u. f.
	        
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