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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1903.
2. weil die Temperatur-Korrektionen der betreffenden Chronometer inner-
halb der vorkommenden Temperaturen teilweise klein oder nahezu konstant waren.!)
Da mithin die erwähnten Untersuchungen kein klares Bild ergaben, so
wurden sie auf besserer Grundlage fortgeführt, deren Ergebnis im folgenden
niedergelegt ist.
Untersuchung der Vor- bezw. Nachteile bei Anwendung von Temperatur-
Korrektionen auf den Gang.
a. Untersuchungsmaterial.
Um ein einwandfreies Material zu erhalten, sind für die Untersuchungen
nur solche Chronometer in Betracht gezogen worden, bei denen es von vorn-
herein ebenso wahrscheinlich war, daß die Antwort zugunsten als daß sie zu
ungunsten der Korrektionen ausfallen würde, d. h. nur solche, die
1. nach Abgabe von den Kommandos bei der Inaugenscheinnahme durch
den Vorstand des Observatoriums frei befunden worden waren von mechanischen,
den Gang beeinflussenden Störungen, wie Rost oder Schimmel an der Spirale
und Unruhe, ranziges Öl ete.;
2. bei den beobachteten Temperaturen große Temperatur-Korrektionen
aufwiesen.
Von den Standbestimmungen sind nur diejenigen ausgewählt bezw. heran-
gezogen worden, welche auf Grund zuverlässiger Zeitbestimmungen angestellt
wurden, d. h. nicht auf See und nicht an solchen Hafenplätzen, deren geographische
Lage unsicher ist.
Das Material selbst ist möglichst gleichmäßig aus allen vorhandenen
Chronometer-Journalen herausgesucht.
b. Anzahl der untersuchten Chronometer.
Zur Untersuchung sind 48 Chronometer herangezogen worden und zwar
20 mit gewöhnlicher, 28 mit Hilfskompensation — entsprechend dem Verhältnis
der Anzahl der dem Chronometer-Observatorium gehörigen Chronometer gewöhn-
licher Kompensation zu denen mit Hilfskompensation. Von diesen 48 Chrono-
metern wurden wiederum 770 Standbestimmungen benutzt (287 für Chronometer
mit gewöhnlicher, 483 für solche mit Hilfskompensation. Siehe Tabelle I).
ce. Untersuchungsart,.
Um ein ganz sicheres Bild zu erhalten sind sowohl die Stände als auch
die Gänge berücksichtigt. .Es wurden einmal die Fehler der berechneten Stände
mit und ohne Anwendung der Temperatur-Korrektionen verglichen, das andere
Mal die Abweichungen der aus je zwei aufeinander folgenden Zeitbestimmungen
hergeleiteten Gänge (wirklicher Gang) von den mit und ohne Anwendung von
Temperatur-Korrektionen vorausbestimmten Gängen in Betracht gezogen, um so
die Fehler auszuschalten, welche vielleicht durch Fehler des Ganges der vorher-
gehenden Epoche veranlaßt sein könnten,
Die Untersuchung der Chronometer. mit Hilfskompensation wird getrennt
von den Chronometern mit gewöhnlicher Kompensation geführt werden, da die
übliche Formel der Temperatur-Korrektion bekanntlich auf der Annahme gewöhn-
licher Kompensation beruht, bei ersteren Chronometern daher geringe Ab-
weichungen zu erwarten sind.
Um festzustellen, ob die Zeitdauer zwischen zwei Standbestimmungen
irgend einen bemerkbaren Einfluß ausübt, wurden die Chronometer-Stand-
bestimmungen sowohl ohne als mit Rücksicht auf die Zwischenzeit betrachtet.
im zweiten Falle ist außerdem eine „große“ sowie „kleine“ Zwischenzeit unter-
schieden worden.
Anmerkung. Da nach den Chronometer-Journalen der Zeitraum zwischen zwei Stand-
bestimmungen im Durchschnitt größer als 14 Tage gefunden wurde, so wird bei diesen Unter-
suchungen als „klein“ eine Zwischenzeit angesehen, wenn der Zeitraum zwischen zwei Stand-
bestimmungen 14 Tage oder cine geringere Dauer beträgt.
Da die Wirkung der Temperatur-Korrektion vornehmlich bei großen
Temperaturschwankungen zu ersehen sein wird, so ist dieses noch besonders
1) Ist die Temperatur-Korrektion klein, so kann von vornherein angenommen werden, daß
es gleichgültig ist, ob sie angewandt wird oder nicht; ist sie konstant, so wird dieselbe schon bei
der Ableitung des Ganges aus dem vorhergehenden Zeitabschnitte berücksichtigt, auch ohne daß sie
in die Rechnung eingeführt wird.