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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Rottok, C.: Temperatur-Korrektionen bei’der Berechnung der Chronometerstände. 451 
was bedeutend besser mit den direkt gefundenen Korrektionen übereinkommt. 
Die kleinen Abweichungen erklären sich leicht durch den Umstand, daß die bei 
der direkten Ableitung zusammengefaßten Werte von Rın cos (im t — Em) nicht 
genau den Tidestunden entsprechen, für welche sie geltend angenommen werden. 
Ferner wurde mit vollen r gerechnet, und zwar mit ı == 4 und r ==5. 
Direkt wurde gefunden: Vi 
r = 4 : Korr. an A = — 0,0022 m, an Bı = — 0,0060 m 
r= 5: »% » »n=+4+00062, »% „ = -—00064 
während Formel (19b) ergab:. 
r = 4 : Korr, an A1 = — 0,0067 m, an Bi =. — 0,0034 m 
0 t= 5: » » = 400060, » , = — 0,0074 
Die Übereinstimmung ist demnach vorzüglich für r = 5, weniger gut für 
r = 4, obwohl auch hier die Vorzeichen und sehr nahe auch der Gesamtbetrag 
(für Rı) der Korrektionen übereinstimmen und nur in den Korrektionen für die 
Komponenten sich ähnliche, wenn auch nicht 8o.starke Abweichungen finden 
wie zwischen der. direkten Ableitung und der Formel (19a). Die Wirkung dieser 
Unterschiede würde sich in einer (sehr kleinen) Verschiedenheit von k; zeigen. 
Was nun die praktische Bedeutung der vorstehenden Erörterung über die 
zweckmäßigste Zusammenfassung der Beobachtungen betrifft, so zeigt Formel 
(19a), daß der Betrag der Zusatzkorrektionen von den Werten von (r-} 1) 12a 
und 4(15 p -+ a) abhängig ist. Ist der erstere nahe = 90° und einer der beiden 
letzteren sehr klein, so kann die Zusatzkorrektion einen großen Wert erlangen, 
zumal wenn außerdem noch r klein sein sollte. Dies trifft zum Teil für die 
Kombination L— M32 zu, für welche 
r+1 = 6, }4(15p-- a) = —17,318°, (15 p + a) = 47,318° und (r-+ 1) 128 = 333,73 
ist, und infolgedessen ‚erreichen denn auch für Wilhelmshaven, wo Rn = 1,6 m 
ist, die Zusatzkorrektionen ziemlich beträchtliche Werte. Für keine andere 
Kombination von Tiden ist ähnliches zu befürchten, um so weniger als r für 
alle anderen Tiden erheblich größer ist als für L. Man wird daher kein 
Bedenken zu tragen brauchen, mit Herrn Dr. v. d. Stok alle vorhandenen 
Beobachtungen zu benutzen, wobei es jedoch zweckmäßig ist, mit dem Tage 
abzuschließen, an welchem die Kolumnen zz + 1, z, +1 und q,, +1 zur Ver- 
wendung kommen, Strenger ist es aber, nur mit vollen r zu rechnen, 
und es ist immer anzuraten, dieses Verfahren, welches durch die 
Formel (19b) und durch (20) gekennzeichnet wird, anzuwenden, ; 
(Fortsetzung folgt.) 
Ist die Anwendung von Temperatur-Korrektionen bei der Berechnung 
; der Chronometerstände vorteilhaft? 
Von Carl Rottok, K-Kapt. a. D. und Vorstand des Chronometer-Observatoriums der Kaiserlichen 
Marine zu Kiel. 
Einleitung, 
Zur Entscheidung der für die Navigierung wichtigen Frage, ob es vorteil: 
hafter ist Temperatur-Korrektionen bei der Berechnung von Chronometer- 
ständen anzuwenden oder nicht, sind von verschiedenen Seiten bereits Unter- 
suchungen angestellt, worden, unter anderem auch im Jahre 1900 von dem 
Vorstande des Chronometer-Obserrvatoriums der Kaiserlichen Marine zu Kiel. 
Letztere Untersuchungen beruhten auf dem Vergleiche der aus den Chronometer- 
Journalen entnommenen;, ohne Anwendung von Temperatur-Korrektionen auf- 
gemachten Stände mit den auf dem Observatorium nachträglich unter Anwendung 
von Temperatur-Korrektionen errechneten Ständen. . . 
‘Diese Arbeit ist seinerzeit nur dem Reichs-Marine-Amt zur Kenntnisnahme 
unterbreitet, nicht veröffentlicht worden, weil das Ergebnis als nicht einwandfrei 
erkannt wurde und zwar: 
1.‘ Weil in der Arbeit nur solche Chronometer Verwendung fanden, bei 
welchen. die Navigationsoffiziere von der Berücksichtigung der Temperatur- 
Korrektionen Abstand genommen hatten und bei denen man daher annehmen 
kann, daß das Verhalten der Chronometer an Bord zur Weglassung der Korrektionen 
Veranlassung gab;
	        
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