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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1903, 
hat, nachdem er sich von der Brauchbarkeit seiner Methode durch einen Vergleich 
der nach dieser und nach der strengeren Berechnungsart abgeleiteten Konstanten 
‘ür Batavia überzeugt hatte, au einer großen Anzahl von Leuchtturm-Stationen 
in Niederländisch-Indien dreimal täglich Wasserstandsablesungen machen lassen 
und dieses reiche Material in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit verarbeitet. Die 
Ergebnisse dieser Arbeiten und die daraus gezogenen allgemeinen Schlüsse über 
den Verlauf der Gezeiten innerhalb des Archipels, welcher ja viele Eigentümlich- 
keiten darbietet, sind in einer größeren Reihe von Abhandlungen unter dem 
Titel: „Studien over Getijden“ niedergelegt worden. 
Nachdem Verfasser dieses das Verfahren van der Stoks kennen gelernt 
und die Überzeugung gewonnen hatte, daß auf diesem Wege recht gute Resultate 
erzielt werden könnten, wurde auf seinen Antrag vom Reichs-Marine-Amt an- 
geordnet, daß zunächst in Kamerun nach diesem System beobachtet werden 
solle. Nachdem dies nun einige Jahre hindurch geschehen ist, ist nunmehr die 
Möglichkeit vorhanden, für drei Jahre die wichtigsten harmonischen Konstanten 
abzuleiten. In der ersten Zeit wurde der abgelesene Pegel häufig gewechselt, 
ohne daß genügende Maßregeln getroffen wurden, die verschiedenen Pegel 
auf einen gemeinsamen Fixpunkt zu beziehen oder sie untereinander zu ver- 
gleichen, weshalb diese Beobachtungen bei der Bearbeitung ausgeschlossen 
werden mußten. Auch von den späteren Jahren mußten zwei wegen Lücken- 
haftigkeit und aus einem später anzuführenden Grunde ausgeschlossen werden, 
so daß für die Bearbeitung nur die Jahre 1898, 1901 und 1902 zur Verfügung 
standen. 
Es soll nun im nachfolgenden zunächst die Methode der Berechnung nach 
Herrn Dr. van der Stok in freier Bearbeitung dargestellt und sodann die 
Resultate der Bearbeitung der Aufzeichnungen in Kamerun (Duala) für die 
zenannten Jahre mitgeteilt werden. 
A. Methode der Bearbeitung von Wasserstands-Beobachtungen zu einzelnen 
bestimmten Tagesstunden. 
Der zu der Stunde t, (mittlerer Sonnenzeit am Orte) an einem Pegel 
abgelesene Wasserstand h; kann ausgedrückt werden durch die Summe: 
(1) ht = mo + X Rx 60s (ix tq — x). 
Hierin bedeutet m, die Pegelablesung des mittleren Wasserstandes, R, die halbe 
Amplitude irgend einer Tide, i, die Anderung ihres Arguments in der Zeit- 
einheit (eine Stunde mittlerer Zeit) und 
(2) 6x = kr— Vx 
wo wiederum V, das Argument der Tide um Mittag des ersten Beobachtungs- 
tages und k, die Verschiebung der Phase der Tide (die Verspätung) darstellen. 
Aus (2) folgt: 
(2a) kx = Vx + x. 
Noch ist hierzu zu bemerken, daß die halbe Amplitude der Tide, R,, in ver- 
schiedenen Jahren einen verschiedenen Wert hat, weil sie in gewissem Grade 
von der Neigung J der Mondbahn gegen den Aquator abhängt. Bezeichnen wir 
den einem mittleren J entsprechenden Wert der halben Amplitude mit H, und 
den Faktor, mit welchem dieser multipliziert werden muß, um den der wirklichen 
Neigung entsprechenden Wert zu erhalten mit fx, so ist 
(@) Rx = fx Hx und Hr = 7 Rx. 
Die Aufgabe, aus einer Reihe von Wasserstandsbeobachtungen die Gezeiten- 
Konstanten abzuleiten, besteht demnach darin, für eine Anzahl von Tiden die 
Größen Hy und ky zu bestimmen, wozu sich als Nebenresultat der mittlere 
Wasserstand m, am Pegel ergibt. Sind diese Größen bekannt, so kann man 
jederzeit nach (1), (2) und (3) den Wasserstand zu einer bestimmten Stunde t, 
berechnen. 
Es ist im vorhergehenden bereits mehrmals der Ausdruck „Tide“ gebraucht. 
Zur Erläuterung möge hier kurz erwähnt werden, daß man den Wasserstand, in 
seiner Abhängigkeit. von den seine Änderungen hervorbringenden kosmischen
	        
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