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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Börgen, C.: Ableitung der harmonischen Konstanten der Gezeiten ete. 441 
Um 4" V den 11. August Barometer 758,3 mm, See noch durcheinander- 
Jaufend. Um 6", nach der Ausbesserung der entstandenen Schäden, verfolgten 
wir wieder unseren Kurs zwischen Haiti und Jamaika hindurch, 
Das Zentrum muß bei uns in der Richtung West oder West zu Nord 
passiert sein. Am Abend vorher, den 9. August, hatte die Luft ein etwas 
ziegelmehlfarbiges Aussehen, jedoch nicht viel. Wir hatten. aber schon mehrere 
Tage vorher Landvögel und Schmetterlinge beim Schiff. Das erste sichere 
Anzeichen des herannahenden Orkans war die lange, rasche, Dünung, die sich 
leicht von der gewöhnlich. hier herrschenden Passatdünung unterscheiden: ließ. 
Elektrische Entladungen sahen wir erst, als das Zentrum vorübergegangen war, 
and konnten dann darin deutlich die schwere Wolkenwand sehen, welche vom 
Horizont fast bis zum Zenit reichte. 
Den Tag nach dem Orkan, den 11, August, als der Orkan an der Küste 
Jamaikas wütete, hatten wir Südostwind 4, mit vielen Gewittern in allen Rich- 
tungen. Es scheint sich so zu verhalten, daß westlich von 70° W-Lg. Blitz und 
Donner ein gutes Zeichen ist. 
Wir erreichten am 24. August den Hafen von Mobile nach einer Reise 
von 60 Tagen vom Kanal aus.“ 
Soweit der Bericht des Kapitäns Krüger. 
Jedes Jahr bringt 3 bis 5 westindische Orkane. Die Wahrscheinlichkeit, 
einen solchen in See anzutreffen, ist somit sehr gering. Das Segelhandbuch der 
Deutschen Seewarte gibt folgende Verteilung auf die Monate an: Von 100 Orkanen 
fallen auf den Juni 1, Juli 16, August 32, September 27, Oktober 21 und No- 
vember 3. Nach der Häufigkeit ist also die Reihenfolge der Monate: August, 
September, Oktober. und Juli. Wegen weiterer Einzelheiten muß hier auf das 
Segelhandbuch der Deutschen Seewarte für den Atlantischen Ozean, 2. Auflage, 
Seite 190, Westindische Orkane, verwiesen werden. ‚Hier soll nur noch ein 
Punkt erwähnt werden, der den tropischen Orkanen eigen ist, an Bord aber 
nicht immer berücksichtigt wird. Der Übergang von steifer Brise zum Sturm 
und Orkan, auch querab von der Bahn, ist in niederen Breiten meist viel 
schroffer als in höheren Breiten, die Grenze des Orkans viel schärfer gezogen. 
Eine Ortsveränderung des Schiffes von 40 oder selbst 20 Sm nach der richtigen 
Seite hin wird demnach innerhalb der Tropen häufig das Schiff viel eher in 
yünstigere Witterungsverhältnisse bringen, als dies außerhalb der Tropen der 
Fall ist. ; 
Ableitung der harmonischen Konstanten der Gezeiten aus drei 
täglichen Wasserstands-Ablesungen zu bestimmten Stunden, nebst 
Bearbeitung dreijähriger Beobachtungen zu Kamerun. 
(Methode von Dr. van der Stok.) ° 
Von Professor Dr. C. Börgen, Wilhelmshaven. 
In Nr. 2 seiner außerordentlich wertvollen „Studien over Getijden in den 
Indischen Archipel“ mit dem Separat-Titel: „Waarnemingen op enkele bepaalde 
uren van den Dag“, gibt der damalige Direktor des Observatoriums zu Batavia, 
Herr Dr. van der Stok, die Darlegung einer Methode, durch welche die 
wichtigsten harmonischen Konstanten der Gezeiten aus Wasserstands-Beob- 
achtungen abgeleitet werden können, die nur zu drei bestimmten Stunden des 
Tages, als welche 9* V, 2* und 6"N gewählt wurden, angestellt werden. -Ks 
liegt auf der Hand, welche außerordentliche Erleichterung, sowohl mit Bezug 
auf die Beobachtung wie auch der Berechnung dadurch bewirkt wird, wenn man 
mit 80 wenigen Ablesungen des Wasserstandes auskommen kann, um wenigstens 
zu einer Kenntnis der hauptsächlichsten Konstanten zu gelangen, zu deren Ab- 
leitung bisher stündliche oder mindestens zweistündliche Tag und Nacht hindurch 
fortgesetzte Aufzeichnungen für erforderlich gehalten wurden. Dr. van der Stok 
Ann. d. Hydr. otoc., 1903, Hoft X.
	        
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