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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

440 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1903, 
pflanzungen im Nordosten der Insel wurden vernichtet. In Kingston waren 
alle kleinen Schiffe gesunken oder gestrandet, so der Schlepper „Atlas“, „Whisper“, 
die „Galatea“, „Rescue“, „Ellida“ und alle kleinen Regierungsdampfer. Die 
Windgeschwindigkeit wurde zu 120 Miles in der Stunde geschätzt, 54 m in der 
Sekunde. In Morant-Bai gab es 40 Tote. Von Port Antonio blieben nur 
sechs Häuser stehen. Fünf Schiffe strandeten, darunter der D. „Alfred Dumois“, 
D. „Simon Dumois“, „Arrow“ und „Brighton“. In der Annatta- Bai strandete 
der große Segler „Salvatore di Giorgio“. In Port Maria wurden alle kleinen 
Fahrzeuge auf den Strand geworfen. 
Die Caymangruppe. Alle Inseln wurden arg mitgenommen, George- 
town auf der größten zerstört. 50 bis 100 Menschenleben und 23 Fahrzeuge 
sollen hier verloren gegangen sein. 
San Miguel, an der Südwestseite der Insel Cozumel unter Yukatan 
gelegen, ist der letzte Ort, dessen Zerstörung gemeldet wurde. 
Von Schiffen in See ist außer der kurzen Notiz, daß der D. „Ethel- 
wold“ auf der Reise von Boston nach Jamaika 15 Sm nordöstlich von P. Antonio 
in den Orkan geriet, Maschinenschaden erlitt und beidrehen mußte, noch folgender, 
sehr dankenswerter Bericht des Mitarbeiters der Seewarte, Herrn Kapitän 
Krügers, Führers des Segelschiffes „Pionier“, der Deutschen Seewarte zugegangen. 
„Wir haben den Orkan am 10. August südlich von Haiti überstanden. 
Am Morgen herrschte mäßige ONO-Brise, die Luft sah böig aus. Auffällig war 
nur eine lange rasche Dünung von Ost, sonst nichts, woraus man auf einen 
Orkan hätte schließen können. Allerdings fel das Barometer von 4* V an 
langsam und stand um 10" V auf 758,7 mm. Von 10* an nahm der Wind zu, 
ohne seine Richtung zu ändern. Die östliche Dünung wurde stärker, und auf 
der Dünung schien das Wasser gleichsam zu kochen. Um 10* konnten wir noch 
eine Höhe nehmen zur Längenbestimmung., Um 12” zeigte das Barometer 756,7 mm, 
die Luft war schmierig, die Sonne noch zu erkennen, aber keine Höhenbeob- 
achtung mehr möglich. Der Schiffsort war nach dem Besteck: 17° 26‘ N-Br. 
und 72° 30‘ W-Lg. 
Der Wind nahm jetzt rasch zu. Die Luft war sehr schmierig. Die 
Dünung aus Ost nahm erschreckend schnell zu. Hierdurch beunruhigt, machten 
wir alles fest bis auf das Groß-Untermarssegel und legten das Schiff um 1" N 
mit BB.-Halsen unter den Wind, weil der Wind bis Nordost holte und haupt- 
sächlich, weil wir auf St. B.-Halsen dem Lande zugetrieben wären. Der Wind 
war um 1 N Nordost, das Barometer zeigte 755,7 mm. Der Wind raumte in 
den Böen bis Nord, so daß wir zuweilen Ostnordost anlagen, mit dem Kopfe» 
recht auf die See. Nach den Böen krängte er wieder bis Nordnordost und selbst 
Nordost und Ostnordost. Um 2* N Barometer 754,8 mm, Wind Ostnordost 9. 
Ostdünung 8, Südostdünung 6 und Nordostdünung 4—5., Von 2" an dick von 
Regen und Wind zunehmend. Um 3* Barometer 754,4 mm, Wind Nordost zu 
Ost 9—10, Entsetzliche durcheinanderlaufende See aus Ost, Südost, Nordost 
und Südwest. Um 4*N Barometer 754,0 mm, Wind Ostnordost 10. Man kann 
keine halbe Schiffslänge sehen, so dick von Regen und Seewasser, das wie 
Regen übers Schiff weht. Um 5" flog das Groß-Untermarssegel aus den Lieken, 
an ein Bergen war nicht mehr zu denken, weil man sich kaum an Deck halten 
konnte. Barometer um 5% 747,7 mm, Wind Ostnordost 10—11 und noch immer 
zunehmend. Um 6* Barometer 745,1 mm, Wind noch Ostnordost, Entsetzliche 
Böen, woraus warmer Regen fällt. Das Schiff arbeitet schwer in der durch- 
ginanderlaufenden See, 
Von 6" N an nimmt die Südostdünung überhand, 8. Um 7* Barometer 
740,8 mm. Es wütet ein voller Orkan, nichts zu hören und zu sehen vor Getöse 
und Regen. Um 8* Barometer 736,5 mm. KEine entsetzliche Böe, aus welcher 
Richtung nicht bestimmt zu sagen, finstere Nacht und keine Kompaßlampe 
brennt. Nach der Böe sah ich beim Anzünden eines Streichholzes im Kompaß- 
gehäuse, daß wir Südwest anlagen, was mich sehr beruhigte, weil ich jetzt mit 
Sicherheit annehmen konnte, daß wir das Zentrum glücklich an der Nordseite 
passiert hätten. Von da an stieg das Barometer ebenso rasch, wie es gefallen 
war und stand um 9* 746,8 mm, um 10* 754,4 mm, um 11° 754,7 und um 12* 
bereits 755,7 mm. In demselben Maße nahm der Wind ab und wehte um 12" nachts 
nur noch als eine  Südortrien 7.
	        
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