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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Der westindische Orkan vom 8. bis zum 15, August 1903. 
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Der westindische Orkan vom 8. bis zum 15. August 1903. 
(Hierzu Tafel 21.) 
Sonnabend, den 8. August, war östlich von Martinique, nordöstlich von 
Barbados, ein Orkan erschienen, der an demselben Tage über Martinique in das 
Karaibische Meer wanderte. Sonntag, den 9., war er südlich von St. Thomas, 
Montag, den 10., südlich von St. Domingo und der Turksinsel. Dienstag, den 
il., bei Tagesanbruch zog er über die östliche Halbinsel von Jamaika hinweg, 
die Nordküste entlang und fing nachmittags auf der Caymangruppe zu wehen 
an, war Mittwoch, den 12., südlich von Havanna, und Donnerstag, den 13., in der 
Nähe von Cozumel, einer Insel an der Ostküste Yukatans. Die Westküste 
Yukatans erreichte er Freitag, den 14. August. Die mexikanische Wetterkarte 
für Sonnabend, den 15., 8* V zeigte nur noch eine flache Depression mit einem 
Minimum von 755 mm über dem westlichen Teile des Golfs von Mexiko, ihre 
Mitte vor Tampico. Der Orkan hatte somit am 15. sein Ende erreicht. 
Die 2000 Sm lange Bahn des Orkanzentrums war fast gerade und nach 
WzN gerichtet. Vom 8. bis zum 11. August legte das Orkanzentrum täglich 350 Sm 
zurück, stündlich 14!/3 Sın, vom 11. bis zum 15. 270 Sm täglich, stündlich 11 Sm. 
Der Durchmesser des Wirbels quer zur Bahn scheint bei Jamaika 120 bis 140 Sm 
gewesen zu sein. Nach dem Schreibbarometer in Kingston (siehe Tafel 21) umfaßt 
die Aufzeichnung der trichterförmigen Einsenkung des Luftdruckes 12 Stunden. 
Daraus folgt hier als Länge des Durchmessers dieser Einsenkung in der Richtung 
der Bahn, bei einer stündlichen Fortbewegung von 12'/a Sm, 150 Sm. Diese Auf- 
zeichnung, die die Deutsche Seewarte der Hamburg-—Amerika-Linie und ihrem 
Vertreter in Kingston, Herrn Kapitän Forwood, verdankt, zeigt den niedrigsten 
Luftdruck, 731 mm, am Dienstag, den 11. August, um 5/2 Uhr morgens. An 
den beiden Tagen vor dem Orkan zeigte der Luftdruck die gewöhnliche tägliche 
Periode, zwei Wellen in 24 Stunden, außerdem einen langsamen aber stetigen 
Fall bis zum Sturz des Barometers am 11. August. Man bemerkt den lang- 
zamen Fall vom 9. zum 10. ganz deutlich, wenn man an den beiden Tagen die 
gleichen Stunden vergleicht. ; 
Den amerikanischen Wetterkarten wurden folgende Luftdruckwerte 
entnommen: > . ; . 
‚ Abstand : Luftdruck (mm), 
Ort von der Bahn 1903, August a 
Sm 8. 9 10. 11. 12. 13. 
Turksinsel 250 763,0 . 763,5 . 763,5 ..761,0 760,5 762,0 
Nassau 400 — 63,5 65,0 — 620. 615 
Havanna . 200 62,5 62,0 63,0 ‚615 58,4 59,5 
Auf der Turksinsel (siehe Tafel 21) trat in zwei Tagen ein Barometerfall 
von 3 mm, in Havanna von 4,5 mm ein. Alle drei Stationen zeigten vor dem 
Orkan erst eine unbedeutende Zunahme des Luftdrucks. -Die tropischen Orkane 
sind ja in der Regel von einem Ringe etwas höheren Luftdruckes umgeben, 
Bei Nassau war diese Schwelle am 10. am deutlichsten ausgeprägt. Alle drei 
Stationen meldeten leichte östliche Brise, nur Havanna: machte am 12, mit 
steifer Brise aus Ost eine Ausnahme. 
Die Bahn des Orkans wurde durch. Verwüstungen ‘bezeichnet. 
Martinique. Hier wurden Pflanzungen und Ortschaften zerstört. Schiffs- 
unfälle waren nicht gemeldet, Todesfälle nur in geringer Zahl. Ein eigenes 
Geschick ereilte viele Einwohner der Islets bei Martinique, die beim Zusammen- 
sturz der Wohnungen ins Freie flüchteten und erblindeten, da ihnen Sturm und 
Regen den giftigen Saft aus abgebrochenen Manschinellenzweigen ins Gesicht 
peitschten. (Hippomane Mancinella L., eine Euphorbiacee), Die Regierung 
sandte einen Arzt zu Hilfe, , 
Jamaika. Der Osten und Norden der Insel wurden furchtbar mit- 
genommen, nur der Süden blieb verschont. Der Sturm begann aus Nordost, 
wehte als Orkan von Nord, West und Süd und endete mit Südost. Die Zahl 
der Toten wurde auf 100 bis 200. geschätzt, die der Verwundeten auf 600, der 
sachliche Schaden auf 3 Millionen Pfd. Sterl. Die Bananen- und Kakao-
	        
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