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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

A438 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1903, 
Wien. Auffallend war auch hier die starke Trübung. Der Himmel war cirrös verschleiert, 
hatte aber außerdem eine gelbliche, fast opalisierende Farbe. Die Trübung war weit verbreitet, 
denn auch von den Höhen des Wienerwaldes war nach N und W zu die Aussicht wie durch Staub 
verschleiert. Die Temperatur stieg am 21. Februar auf 16,5°, am 22. auf 16,8° (Tagesmittel 13,9°, 
Abweichung -+ 12,7°), am 23. auf 19,0%. Die relative Feuchtigkeit war die ganze Zeit sehr niedrig, 
Tagesmittel: 20, 44%, 21. 43% 0, 22. 52%). Der Wind war meist heftig aus W und WNW. 
Schallaburg bei Loosdorf. Nachdem der heftige Südweststurm sich endlich gelegt 
hatte, schien es am 23. Februar während der ersten Morgenstunden sich regnerisch zu gestalten. 
Bald heiterte sich jedoch das Firmament auf, und es folgte ein Tag mit sommerlicher Hitze (24° R. 
in der Sonne). Während der Nachmittagsstunden hüllte die ganze Gegend ein gelblich grauer Dunst 
ein, und gegen 5” N waren alle Bäume und Zweige der Gesträuche mit einem gelblichen Staube 
bedeckt, welcher besonders bei den Nadelhölzern an der Sonnenseite auffiel und die Bäume ganz 
fahlgrau erscheinen ließ. Jede Nadel war mit diesem feinen Staube inkrustiert, und die Hand wurde 
beim Streichen über diese Zweige ganz hellgelb. Am auffallendsten zeigte sich diese Erscheinung 
an der der Windrichtung zugekehrten Seite, Da diese Waldungen hoch gelegen sind, so ist ein 
einfacher Erklärungsgrund — wie Straßenstaub oder ein solcher von weit ausgedehnten Feldern — 
ausgeschlossen, 
Türnitz bei Lilienfeld. Die Fichten auf dem Gipfel des "Fürnitzer Höger erschienen 
bei einer Besteigung am 23. Februar vollständig graugrün, Bei näherem Zusehen zeigte sich, daß 
die Nadeln durchweg auf der Westseite mit einem rötlichgrauen lehmartigen Überzug bedeckt 
waren. Aus der nächsten Umgebung konnte der Staub unmöglich stammen, da 1, ähnlicher Sand 
nirgends vorhanden, 2. die Umgebung von dichtem Gras- und Waldwuchs bedeckt ist, 3. die Um- 
gebung nicht trocken war. Der erste Eindruck der Erscheinung war sofort der, daß es sich um 
weithergetragenen Sand handelte; das Phänomen erinnerte sehr stark an das im März 1901 beob- 
achtete. Zur Zeit des Staubfalles müssen die Fichten feucht gewesen sein, da der Staub festgeklebt 
war. Am Tage der Beobachtung und am Vortage fiel im Gebiete kein Niederschlag. Am Tage 
der Beobachtung herrschte nahezu Windstille, dagegen wchte an den beiden Vortagen (21. und 
22. Februar) heftiger, geradezu sturmartiger West. Das Phänomen zeigte sich nur in der Gipfel- 
region. Am 22, Februar besuchte der Beobachter die dem Höger gegenüberliegende Reisalpe. Der 
Tag war rein, nur nachmittags zwischen 3 und 5b trat bei heftigem Winde plötzlich eine nebel- 
artige Verhüllung der ganzen Gegend ein, die nach 5h wieder schwand. Die Schneeflecken auf 
dem Gipfel des Höger zeigten keinen Sandanflug. Derselbe hätte bei der Dicke des Überzuges auf 
den Fichtennadeln auffallend sein müssen. Dieser Umstand könnte dafür sprechen, daß der Staubfall 
schon früher, also nicht in den Tagen vom 21. bis 23. Februar eintrat. 
Salzburg. Ein Staubregen fiel am 22. Februar etwa 4b V, Die nach Westen gelegenen 
Fenster waren in der Frühe mit Schmutztropfen übersät. Nachmittags, etwa 5h 30min fing es zuerst 
mäßig gegen West zu stauben an, obwohl die Straßen feucht und daher staubrein waren, und einige 
Minuten später war die ganze Aussicht des Hauses des Beobachters in eine schmutzig-braune 
Staubwolke gehüllt. Der Geruch war sehr unangenehm. 
Grödig, Am 21. Februar abends beschmutzte Fenster und Wände, 
St. Leonhard-Drachenloch wie zu Grödig. 
Brixen, Am 323. Februar Schlammregen. 
Graz. Der 22, Februar war ein ungewöhnlich warmer Tag. Die Temperatur erreichte um 
1b 30min N 19,8° als Maximum. In der Grazer Ebene bestand noch eine Schneelage, weshalb die 
hohe Temperatur um so absonderlicher erschien. Der Himmel war mit dichtem weißem Cirrusschleier 
bedeckt, der Sonnenschein daher sehr matt, die Luft sehr getrübt, zeitweise wehte NW 2—3; es war 
etwas Föhneinfluß vorhanden, aber nicht bedeutend. Nachmittags erreichte die Trübung der Lutt 
einen abnormen Grad; trotz NW 2 war von der Ferdinandshöhe aus kaum die Ruine Gösting zu 
arkennen, der Frauenkogel war schon ganz im Grau des Horizontes versteckt. Es handelt sich nicht 
um den gewöhnlichen Grazer Rauch, diese staubartige Trübung der Luft erstreckte sich mindestens 
auf ganz Mittelsteiermark. 
Weißenbach a. d. Enns. Am 22. und 23. Februar lagerte in der dortigen Gegend ein 
sonst nie gesehener gelber Dunst über Berg und Tal. Es herrschte besonders am 22. eine drückend 
schwüle Sommerhitze, und ein eigentümlicher, an den durch das Abbrennen von Torfmooren ent- 
stehenden sogenannten Höhenrauch erinnernder Geruch der Luft wurde wahrgenommen. 
Blumau bei Fürstenfeld, Am 22. Februar, etwas vor 12h mittags bei 18,8°, Sonnen- 
schein und mäßigem Winde auf den Höhen, senkte sich von NO her eine Masse wie Rauch auf die 
ganze Ebene, nach S ziehend, ähnlich dem sogenannten Höhenrauch auf den Gebirgen, Dieser 
Rauch hielt bis abends an, blieb auch am 23. den ganzen Tag fast gleich. 
Admontf. Alle umliegenden Gebirge waren am 21. Februar nachmittags und an 22. den 
ganzen Tag in einen durchsichtigen Nehel gehüllt, während über dem Tale der herrlichste Himmel 
blaute. Man wußte nicht, ob es auf der Höhe schneie oder stürme; es kann sich auf eine ähnliche 
Erscheinung niemand erinnern. Am meisten Ähnlichkeit hatte die Erscheinung mit dem sogenannten 
Höhenrauch, (Fortsetzung folgt.)
	        
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