Herrmann, E.: Die Staubfälle vom 19. bis 23. Februar 1903 ete. 433
Flores. Am 20. fiel fast beständig ein feiner Staubregen (3,2 mm Niederschlag), Am 21.
gegen Sonnenuntergang nahm der Himmel eine sonderbare, ein wenig röfliche Färbung an, die beim
Sonnenuntergang stärker hervortrat und einige Zeit nachher anhielt,
Herr Chaves knüpft an diese Mitteilungen noch die folgenden Bemerkungen: „Nach allen
diesen Beobachtungen ist besonders zu bemerken: 1. Der Staubfall hat auf den Azoren auf der Ööst-
lichen Gruppe begonnen und sich langsam nach den anderen Inseln westlich von San Miguel fort-
gepflanzt. 2. Dieser Niedergang ist hervorgerufen durch Stanbteilchen, die in sehr hohen Schichten
der Atmosphäre schwebten, wie die Beobachtung des Alto-Pico zeigt. 3. Der Nebel am 20, zu
Ponta Delgada hat sich plötzlich an einem Tage mit geringer Bewölkung und bei hellscheinender
Sonne gebildet ohne eine Erhöhung des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft herbeizuführen, wodurch der
Eintritt einer großen Menge Staub in diesen Teil der Luft wahrscheinlich angezeigt wird, wobei man
an die Versuche von Aitken über den Einfluß von Staubteilchen auf die Nebelbildung erinnert wird.
Frankreich,
Zu Havre haben die Semaphorwärter festgestellt, daß das Flaggentuch mit einer Schicht
gelblichen Staubes bedeckt war (Comptes rendus CXXXVI, 1903, S. 637); sonst liegen ein-
gehendere Mitteilungen nicht vor.
Großbritannien. ?)
Witley. Am Sonnabend, den 21. Februar, fand daselbst ein Staubsturm statt, am stärksten
am Mittag. Der Wind war um 7h V sehr stark und hielt so den ganzen Tag über an. Es war
auch‘ ein starker Nebel, der bei starkem Wind ungewöhnlich ist. Einige Leute, die aus dem Hause
gingen, beklagten sich über den schrecklichen Staub in ihren Augen und Nasen, Der vermeintliche
Nebel war nicht feucht, sondern trockener, sehr feiner Staub, wie er daselbst bisher nicht gesehen
worden war, Am Montag Morgen, nach Regen am Sonntag, den 22., wurde auf den nach Süden
und Westen gelegenen Fensterschwellen gelber Staub gefunden, der nicht weggefegt werden konnte,
sondern weggewaschen werden mußte,
Juniper Hill bei Reigate. Am Sonnabend, den 21. Februar, war der Wind von 9 bis
1ıb V.WSW bis SSW und nahm an Stärke bis Sonnenuntergang zu, zu welcher Zeit er nach W
drehte; später nahm er ab, und gegen 9b N war es still. Von 9b V bis 2b N schien die Sonne hell
durch einen Dunst ähnlich dem Khamsindunst in Agypten, dann gegen 4b N reinigte sich der halb-
verfinsterte Himmel von Nebel. Immergrüne Bäume wurden um 11% V von schokoladenfarbenem
Staub bedeckt gefunden und um 4h N waren alle Bäume von einförmiger Färbung. Der Staub war
seidenartig anzufühlen, leicht schillernd und muß zwischen Sonnenaufgang und 4h N gefallen sein.
Bis 9b N fiel kein Regen.
Highfield Vicarage bei Southampton, Am Sonntag, den 22. Februar, zwischen 11h V
und Mittag war der Himmel durch eine dicke gelbe Wolke, genau so wie ein Londoner Nebel, voll-
ständig bedeckt, so daß nicht genügend Licht, um zu lesen, durchdringen konnte. Die Dunkelheit
dauerte etwa eine Stunde, und als sie vorübergegangen war, waren die Fenster, von denen angenommen
wurde, daß sie feucht gewesen waren, mit gelbem Sande bedeckt. Die Nord-, die Ost- und die
Südseite waren gleich überzogen und die oberen Stockwerke so schmutzig wie die unteren. Die
Lehnen der Gartenstühle waren ebenso von einer Lage gelben Sandes bedeckt, der an dem Holz
haftete, wo es feucht war.
Havering Grange bei Romford. Am Sonntag, den 22. Februar, fiel ein großer Betrag
grauen Staubes zu Havering und haftete infolge der vorangegangenen Regenschauer an den Zweigen
und Stämmen der Bäume, den Hecken, den Gebäuden etc. Die Koniferen nahmen am meisten davon
auf und sahen aus, als ob sie mit Mehl bestreut wären. Der Staub fiel nicht mit Regen, aber vor
ihm. Er kam in allen Fällen von West und Südwest und haftete nur an dieser Seite der Bäume etc,
Swanage, Am 22. Februar herrschte bei Regen ein dicker Nebel, der eine eigentümliche
gelbe Farbe hatte. Am 23. morgens war alles Eisenwerk am Hafendamm mit lachsfarbenem
Staub bedeckt,
Whitchurch bei Tavistock, Am Sonntag, den 22, Februar, morgens 9% wurde das in
den Regenmessern befindliche Wasser sehr gefärbt gefunden, besonders das seit dem 21. 9b N auf-
gefangene. Ein lederfarbener oder gelber Niedersatz lag auf dem Grunde der Regenmesser und
ein ähnlicher Niederschlag auf den nach SW liegenden Fenstersimsen, auf den Ecken der Dächer
und auf Gemüsepflanzen etc. im Garten,
Rousdon. Am 23. Februar morgens war die Windseite des Thermometerhäuschens mit
einer rötlichen oder rostfarbenen Ablagerung bedeckt, so dick, daß sie sofort die Aufmerk-
samkeit auf sich zog. Den gleichen Anblick boten auf dem Anemometerturm die Fenstersimse, die
eiserne Leiter und die weißgestrichenen Bretter 30 Fuß über dem Erdboden. Der Regenfall betrug
nur 0,5 mm,
Tonn bei Llandovery. Von 9b V am 22. Februar an begann leichter Regen zu fallen
und bald nachher kamen sehr schwere Wolken von eigentümlich gelblichem Aussehen von SW,
während einiger Minuten fiel schwerer Regen. Nachdem das Unwetter vorüber war, hatte das Wasser
in einem Sammelfaß, das vor dem Regen ganz klar gewesen war, eine tiefgelbe Lehmfarbe
angenommen, und bei Untersuchung des Regenmessers, der kurz vorher geleert worden war, zeigte
sich, daß das darin befindliche Wasser von derselben Farbe war. .
Haverfordwest. Am 23. Februar zwischen 6 und 9b fiel Regen, Das Wasser im Regen-
messer zeigte einen Staubabsatz,
1) Symons „Meteor, Mag.“, 1903, S. 23 u. 24; „Nature“, 1903, Vol. 67, S. 391, „Meteorol,
Zischr.“, 1903, S. 131.