Ann. d. Hydr. etc., XXXI. Jahrg. (1903), Heft X.
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Die Staubfälle vom 19. bis 23. Februar 1903 über dem Nord-
atlantischen Ozean, Großbritannien und Mitteleuropa.
(Hierzu Tafel 20.) .
Innerhalb weniger Jahre haben zweimal ausgedehnte Staubniederschläge
aus der Atmosphäre die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf sich gezogen.
Vom 9, bis 12. März 1901 fand ein großer Staubfall in Nordafrika, Süd- und
Mitteleuropa statt, im Februar d. J. gingen intensive Staubniederschläge über
dem Nordatlantischen Ozean, Großbritannien und Mitteleuropa nieder. Es ist
ein eigenartiger Zufall, daß diese beiden in verhältnismäßig kurzer Zeit sich
folgenden, sonst selteneren Vorgänge hei ganz verschiedenen allgemeinen
Wetterlagen sich ereigneten und demzufolge der in beiden Fällen dem nördlichen
Afrika entstammende Staub bis zu seinem Niederschlag auf gänzlich verschiedenen
Wegen fortgetragen wurde.
Der im März 1901 niedergehende Staub, welches Phänomen insbesondere
von Hellmann und Meinardus*) einer eingehenderen Untersuchung unterzogen
worden ist, nahm seinen Weg auf der östlichen Seite einer Furche niedrigeren
Luftdruckes, die von Algier und Tunis über das. westliche Mittelmeer :und
Mitteleuropa in nordöstlicher Richtung sich erstreckte und in der eine zyklonen-
artige Erscheinung in gleicher Richtung fortschritt. Wenigstens der größere
Teil der Staubniederschläge des vergangenen Februar entstammt, wie vorgreifend
hier bereits bemerkt werden mag, dem Gebiet des westafrikanischen Harmattan,
er wurde durch die Imftströmung an der Ostseite einer Furche niedrigeren Luft-
druckes zunächst nordwestwärts und nordwärts in der Richtung gegen die Azoren
hin fortgetragen, von da aus von der Luftströmung auf der Südseite einer großen
nördlicheren Depression aufgenommen und durch diese ostwärts nach England
und Mitteleuropa weitergeführt. Inwieweit noch ein anderer Weg eines
Teiles der Staubniederschläge in Betracht kommen kann, wird weiter unten
erörtert werden.
Wir geben nun zunächst eine Zusammenstellung der bekannt gewordenen
Tatsachen und lassen dieser eine Darstellung der zur damaligen Zeit bestehenden
allgemeinen Wetterlage und eine allgemeinere Betrachtung des Vorganges
folgen.
S . Dieser Zusammenstellung sind zugrunde gelegt die hier bekannt gewordenen
Schiffsbeobachtungen, die Mitteilungen von fast sämtlichen europäischen meteoro-
logischen Instituten, die der Deutschen Seewarte auf ihr Ersuchen in dankens-
wertester Weise zugingen, des Leiters des meteorologischen Dienstes auf den
Azoren Herrn Chaves, der deutschen meteorologischen Beobachter in Marokko,
des Herrn P. Kley zu Delft, der Herren Prof. Dr. Gottsche und Direktor
Dr. Petersen in Hamburg, sowie die bereits über diesen Gegenstand er-
schienenen Veröffentlichungen.
I. Ortliche Verbreitung der Staubfälle und Dunsterscheinungen,
Wir geben hiermit ein Verzeichnis der Orte, von denen in den Tagen
vom 19. bis 23. Februar d. J. Staubfälle und zu ihnen. in Beziehung stehende
Dunsterscheinungen gemeldet werden mit dem Datum der Erscheinung. . Den
Daten, an denen nur Dunsterscheinungen oder Staubnebel verzeichnet sind, ist
das Zeichen co beigefügt, die anderen Daten beziehen sich auf Staubfälle und
Schlammregen.
; 1) „Abhandlungen des Kgl. Preuß, Meteorologischen Instituts“, Bd. II Nr. 1: Der große
Staubfall vom 9, bis 12. März 1901 in Nordafrika, Süd-, und Mitteleuropa von G. Hellmann und
W. Meinardus, Berlin 1901, H. Asher & Co. Vgl. auch über den gleichen Gegenstand J. Valentin:
Sitzungsber. d, Wiener k. Akad, d. Wissensch., mathem.-naturw. Klasse 1902, Bd. CXI, Abt, IIs und
W. Köppen, „Ann. d. Hydr. etc.“ 1903, S. 45.
Ann. d, Hydr. efc., 1903, Heft X.