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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1903,
Ein am Morgen des 5, westlich von Irland nahendes Minimum gewann
schnell Einfluß auf die Witterung, indem es bis zum folgenden Abend bereits
bis zur jütischen Küste vordrang und seinen Bereich, nach Osten hin durch die
Entwickelung von Teilminima, alsbald über ganz Mitteleuropa bis Innerrußland
ausdehnte; bereits in der Nacht zum 6, stellten sich ostwärts bis Mecklenburg
Regenfälle ein, die über diesem Gebiet bis zum 9. anhielten, am 6. über dem
ganzen Gebiete und am 7. über der preußischen Küste auftraten. Ein neues
ron der Biscaya-See vordringendes Hochdruckgebiet rief am 6, und 7. die für
diese Tage angegebenen steifen bis stürmischen Winde hervor.
Die Tage vom 8, bis 10, ‚brachten unter dem Vordringen eines Maximums
nach dem Kanal die vorübergehende Ausbreitung eines Hochdruckgebietes über
fast ganz Europa und damit die Zurückdrängung der Depression nach Ost-
auropa. Bei meist nordwestlichen Winden führte der 9. nur noch an der
Nordsee geringfügige Regenfälle herbei; der 10. war ganz trocken und ebenso
der 11. bis auf das Gebiet westlich der Jade, während das östliche Binnenland
im Gebiet der Oder in diesen Tagen außerordentlich starke Regenfälle hatte.
Der 11, Juli zeigte das Hochdruckgebiet bereits über Skandinavien und
Mitteleuropa in der Abnahme begriffen, und es folgten vom 12. bis 19. fast
täglich Regenfälle über dem ganzen Gebiete. Zunächst erschien eine Depression
iber Nordeuropa, die, bei anhaltend hohem Druck im Westen, bis zum 15, die
Witterung der Küste durch die Entwickelung von Ausläufern beherrscht und
um Mitte des Monats meist die kühlsten Tage herbeiführte. Als sich am 14,
das Hochdruckgebiet vom Ozean ostwärts verlagerte und über ganz Kontinental-
guropa ausbreitete, schien Besserung der Witterung im Anzuge; schon bereits
am 15. machte sich eine neuere Depression über Westeuropa geltend. Diese
breitete sich rasch über Kontinentaleuropa durch die Entwickelung von Ausläufern
aus und brachte besonders am 17, bis 19. ein von den Niederlanden durch die
südliche Ostsee näch Finland schreitendes Minimum, das sich unter Zunahme
an Tiefe zu einem umfangreichen Teilminimum entwickelte, am 17. an der west-
deutschen Küste sehr ergiebige Regenfälle verursachte und am 18, die angeführten
Stürme an der Ostseeküste hervorrief. Vor seinem Auftreten war die Temperatur
an der Küste bei südlichen Winden stark gestiegen und im Osten am 16. heiteres
Wetter eingetreten, doch führten westliche Winde auf die Rückseite wieder Ab-
kühlung und Regenfälle über dem ganzen Gebiete herbei.
Nachdem sich die Depression am 19, und 20. nach Osten verlagert hatte,
schritt am 21. bis 23, eine vom Mittelmeer bis nach dem hohen Norden reichende
Zunge hohen Druckes über Europa ostwärts, die zunächst im Westen und dann
im Osten trockenes Wetter herbeiführte.
Ein in der Nacht zum 14. von den Niederlanden nach dem Süden der
Nordsee vordringendes Minimum brachte der Nordseeküste Fortdauer der Regen-
fälle; es füllte sich aber rasch aus, und Hochdruckgebiete über Südwest- und
Nordeuropa traten durch einen zunächst über Mitteleuropa reichenden Rücken
hohen Druckes in Verbindung, der am 25. bis 27. bei Verlagerung des Maximums
von Skandinavien nach Nordrußland und anhaltendem Maximum im Südwesten
eine entsprechende Drehung über Europa ausführte. Unter der Herrschaft des
bohen Druckes hatte die Ostsee an diesen Tagen meist trockenes, vielfach heiteres
Wetter. Die Nordsee gelangte am 26, aber bereits in den Bereich eines Aus-
läufers einer neuen Depression über dem Ozean. Diese dehnte sich schnell
über ganz Europa aus und beherrschte die Witterung der Küste bis Ende des
Monats. Ein Minimum verlagerte sich nach Südnorwegen und rief in seinem
Umkreis bei dem Vordringen hohen Luftdruckes vom Ozean zunächst an der
westdeutschen Küste am 31. steife und stellenweise stürmische rechtdrehende
Winde hervor.
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