Neuere Veröffentlichungen.
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zweite Anhang besteht aus einer Reihe von Rechnungsformularen für die im Lehrbuche gegebenen
Methoden. Anhang IV enthält die geographischen Koordinaten vieler Küstenpunkte mit den Hafen-
zeiten und Fluthöhen. Im fünften Anhange werden Auweisungen zum Gebrauche der Chauvenetschen
Methode zur Reduktion von Monddistanzen mit elf dazu gehörigen Tafeln gegeben. Ein ausführliches
Sachregister ist dem ersten Teile beigefügt. ; .
Die Tafeln des zweiten Teiles sind größtenteils dieselben wie in der vorigen Auflage, nur
;‚ind die Tafeln zur Reduktion der Monddistanzen ihres seltenen Gebrauches halber und die
geographischen Koordinaten wichtiger Küstenpunkte in die Anhänge zum ersten Teil verwiesen,
Tafel 10 gibt die scheinbaren Auf- und Untergangszeiten des Sonnenoberrandes, Tafel 20B, die
neu hinzugefügt ist, gibt für Sonnenhöhen die Summe von Strahlenbrechung und Verschub. Die
Gradtafel, Nr. 2 der Sammlung, hat den doppelten Umfang gegen früher erhalten zur Erleichterung
beim Gebrauch auf schnellen Schiffen, Tafel 27 der alten Auflage, die die Quadrate der Kulminations-
minuten enthielt, ist fortgefallen und durch eine andere, die bereits das Produkt dieser Quadrate in
die Höhenänderung in einer Minute vom Meridian gibt, ersetzt. Tafel 32 dient zur Ermittelung der
wahren Windgeschwindigkeit und -richtung aus der scheinbaren. Tafel 36 gibt den Unterschied
zwischen mittlerer Ortszeit und der Zeit des Normalmeridians, W.
Harvey, Herbert W. What star is it? Tables for identifying unknown stars.
8°, 398. Spottiswoode & Co., LTD., London 1903. ;
Die andauernde Steigerung der Schiffsgeschwindigkeit und die Zunahme schonungsloser
Konkurrenz haben dahin geführt, die Schnelligkeit, mit welcher man heutigentags Seereisen ausführt,
wesentlich zu erhöhen und dadurch die Strecken, welche während eines Etmals durchlaufen werden,
erheblich zu vergrößern. Auf diese Weise ist der Schiffsort schnelleren Veränderungen unterworfen,
wie dies in früheren Zeiten. der Fall war. Fehler, welche bei der Navigierung dadurch entstehen,
jaß die Position des Schiffes nicht mit genügender Genauigkeit bekannt ist, ziehen schwerwiegendere
Folgen nach sich, wie ehedem, indem sie das Schiff leicht weit vom beabsichtigten Kurse abführen
und dadurch die Möglichkeit einer Havarie und des größeren Kohlenverbrauches nicht unbedeutend
erhöhen. Dadurch ist die Notwendigkeit gegeben, keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, welche
eine Festlegung des Schiffsortes bezw, Kontrolle desselben mit Hilfe von astronomischen Beob-
achtungen möglich macht. Die sonst üblich gewesene Morgen- und Abendlänge und die Mittags-
breite, welche durch Sonnenbeobachtungen gewonnen wurden, reichen für eine sichere Navigierung,
wie sie unsere heutigen schnellen Dampfer und großen Segelschiffe verlangen, nicht mehr aus. Um
den sichersten und kürzesten Weg bei der Überfahrt inne zu halten, ist es notwendig, auch während
der späteren‘ Abendstunden und während der frühen Morgenstunden sowie während der Nachtzeit
namentlich beim Ansteuern von Land den Schiffsort durch astronomische Beobachtungen zu be-
stimmen und zu diesem Zwecke Zuflucht zu den Sternen zu nehmen,
Wohl bietet es keine große Schwierigkeiten, sich die Form und Stellung einer Anzahl Stern-
bilder so einzuprägen, daß man sie jederzeit wieder aufzufinden vermag und die Namen der größeren
Sterne mit Sicherheit feststellen kann. Dies hat jedoch stets zur Voraussetzung, daß der Himmel
klar ist und das ganze oder wenigstens ein großer Teil des betreffenden Sternbildes sichtbar ist. Nun
weiß aber jeder Seefahrer, wie selten in der Praxis der günstige Fall eintritt, daß der Himmel
zerade an der Stelle vollständig klar ist, wo ein für die Beobachtung brauchbarer Stern steht,
Außerdem treten häufig Fälle ein, namentlich im Anschluß an eine Periode ungünstiger Witterung,
wenn der Himmel anfängt, aufzuklaren, in denen nur einzelne Sterne vorübergehend sichtbar werden,
zu welcher Zeit es aber am meisten darum zu tun ist, ein astronomisches Besteck zu bekommen.
Bei solchen Gelegenheiten versagt die Methode, den Stern durch einfaches Anschauen einwandfrei
festzustellen, Sie versagt ebenso, wenn man sich nicht auf die Beobachtung von Sternen erster
Größe beschränkt, sondern auch die im „Nautischen Jahrbuche“ aufgeführten Sterne zweiter und
dritter Größe "hierzu mit verwendet, Letzteres ist bei der Ausübung der praktischen Navigation
durchaus nötig, da diese Sterne viel zahlreicher sind, mithin eine bessere und vielseitigere Auswahl
gestatten und außerdem den Vorteil haben, daß der Horizont neben ihnen, da ihr eingestelltes Bild
nicht so stark leuchtet, schärfer hervortritt und somit eine genauere Einstellung ermöglicht,
In solchen Fällen den Namen der beobachteten Sterne mit Hilfe der gemessenen Höhe und
der gleichzeitig am Kompaß genommenen Peilung sicher festzustellen, ist der Zweck obiger Tafeln.
Sie gestatten mit der Höhe und dem wahren Azimut, wobei bei letzterem zu unterscheiden
ist, ob Breite und Azimut gleichnamig oder ungleichnamig sind, als Eingänge den Stundenwinkel
and die Deklination des beobachteten Sterns zu entnehmen. Aus dem Stundenwinkel und der
Sternzeit im Augenblick der Beobachtung erhält man in bekannter Weise die gerade Aufsteigung
des Sterns und hat damit alle diejenigen Angaben, welche eine Bestimmung des Sterns mit Hilfe
eines Sternverzeichnisses, wie solches auf den letzten Seiten der Tafeln enthalten ist, ermöglichen.
Die Schwäche der Tafeln liegt darin, daß die Werte für die Höhen von 5° zu 5° und für die
Azimute von 10° zu 10° gegeben sind. Dadurch ist es notwendig, bei zwischenliegenden Werten
einzuschalten, und zwar in sechsfacher Weise, nämlich für das Azimut, die Höhe und die Breite
sowohl für den Stundenwinkel wie auch für die Deklination. Da sich außerdem das Einschalten
nicht auf der gleichen Seite bewerkstelligen läßt, sondern hierzu ein Umblättern notwendig ist, 80
geht man wohl nicht in der Annahme fehl, daß die Berechnung der gewünschten Argumente unter
Benutzung von Formeln ebenso schnell zum Ziele führt, zumal es sich hierbei nur um die Fest-
stellung von Näherungswerten handelt, welche man mit dreistelligen Logarithmentafeln vollständig
ausreichend genau erhält,
Für die Lösung derartiger Aufgaben, welche für die Praxis einen großen Wert besitzen,
wäre es außerordentlich wünschenswert, wenn die Nautischen Tafeln durch die Aufnahme drei-
stelliger Logarithmen, welche sich für die Zahlen und Winkelgrößen bequem auf zwei Seiten unter-
bringen lassen, in Zukunft bereichert würden. Cp.