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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Kleinere Mitteilungen. 
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. 2; Orkan im Südatlantischen 0zean am 16. und 17. Februar 1903. (Nach 
dem meteorologischen Tagebuch des Vollschiffes „Lika“; Kapt. C.. Wilhelmi.) 
Die „Lika“ war auf einer Reise von Iquique nach Antwerpen unterwegs 
und befand sich am 16. Februar mittags auf 47,8° S-Br. und 47,3° W-Lg. Der 
Wind wehte zurzeit aus NNO 5, die See war bewegt. Das Barometer hatte um 
83 7 einen Stand von 748 mm und war bis um Mittag auf 742 mm gefallen, was 
für diese Gegend als ein Zeichen zu betrachten ist, daß ein Umspringen des 
Windes nach Westen und schlechtes Wetter zu erwarten ist. ; 
Der Wind nahm denn auch im Laufe des Nachmittags aus der nordnord- 
östlichen Richtung an Stärke rasch zu und wehte um 4* N bereits als starker 
Sturm; auch das Barometer war noch weiter gefallen und zeigte um diese Zeit 
734 mm. - 
Da das Schiff bis jetzt auf St-B.-Halsen gelegen hatte, und da zu befürchten 
war, daß es sich mit nordwestlichem Kurse dem Zentrum des zu erwartenden 
schweren Sturmes immer mehr näherte, so wurde gehalst und das Schiff auf 
B-B.-Halsen gelegt, um auf diese Weise beim Umspringen des Windes nach 
Nordwesten ein Backkommen der Segel zu verhüten.‘ Um 5* N wurde es dann 
böig mit Regen, ein Zeichen, daß das Umspringen des Windes bald zu erwarten 
war. Um 6° N sprang der Wind dann in einer schweren Böe plötzlich auf 
Nordwest und nahm nun rasch zu schwerem Sturme zu; auch wuchs aus dieser 
Richtung bald eine hohe See heran, welche zusammen .mit der vorherigen wild 
durcheinander lief, so daß das Schiff schwer arbeitete. Das Barometer war seit 
4% N nicht weiter gefallen, zeigte aber auch beim Umspringen des Windes. nach 
Nordwesten keine Anderung. a 
Kurz nach 6* N klarte die Luft dann auf, und es wurde das Wetter für 
eine Zeitlang etwas handiger. Als dann aber um 6* 30"» N der Wind in einer 
schweren Böe auf Westnordwest sprang, fing es, da auch das Barometer noch 
immer auf seinem niedrigsten Stand verharrte, plötzlich an orkanmäßig zu 
wehen. Es stürmte so hart, daß sämtliche Sturmsegel zerrissen und die an den 
Rahen befestigten Segel sich aus den Zeisingen lösten. Auch wurde eine enorm 
hohe See aufgewühlt, die zuweilen in Form von schweren Sturzseen über das 
Schiff. hinweg .brach; durch eine solche Sturzsee wurden der Bootsmann und ein 
Matrose so schwer verletzt, daß sie arbeitsunfähig wurden. 
Bis um 12° nachts trat nun in dem Wetter keine Veränderung ein; es 
wehte aus westnordwestlicher Richtung mit Stärke 11, und es herrschte eine 
enorm hohe See. Auch änderte das Barometer gar nicht seinen Stand, es zeigte 
noch. immer 734 mm, was als ein Zeichen angesehen werden mußte, daß das 
Unwetter noch nicht auf seinem Höhepunkte war. 
Auf. der Mitternachtwache von 12* N bis 4* V am 17. Februsr begann das 
Wetterglas nun allmählich zu steigen; es drehte der Wind auf West und nahm 
noch an Stärke zu, so daß um 2*V ein voller Orkan wehte. Auch die See 
nahm hierbei noch an Höhe und Geschwindigkeit zu. Um 3" 30%» V rollte eine 
gewaltige Sturzsee über das Schiff hinweg, welche es fast ganz zu begraben 
drohte. Durch diese See wurde das Deckshaus eingeschlagen und der auf dem- 
selben stehende Kutter über Bord geschleudert. Die beiden auf dem Achterdeck 
auf eisernen Galgen stehenden Rettungsboote wurden nebst der in der Nähe 
davon befindlichen Kommandobrücke, auf welcher der Regelkompaß stand, im 
Handumdrehen glatt über Bord gefegt. Der Zimmermann und der Koch, welche 
trotz des schweren Wetters in dem Deckshause. der Ruhe pflegten, wurden beim 
Zusammenbruch des Hauses aus den Kojen geschwemmt und unter den Trümmern 
begraben; nur mit großer Mühe gelang es ihnen, sich aus dem zerschlagenen 
Hause zu retten und ihr Leben zu bergen. Die das Schiff überflutende Sturzsee 
war so hoch gewesen, daß die auf der Fockrahe beim Segelbergen beschäftigten 
Leute mit Wasser überschüttet wurden, und es als ein Wunder-betrachtet werden 
muß, daß nicht ein Teil derselben über Bord geschleudert wurde. . Nur ein 
Leichtmatrose wurde. von der See fortgerissen und zum Glück bei dem über- 
mäßigen Überholen des Schiffes von der. rücklaufenden See- wieder an Bord 
geworfen. Als mit Tagesanbruch der ganze Schaden, den diese einzige Sturzsee 
angerichtet hatte, besichtigt wurde, stellte es sich heraus, daß sämtliche Boote, 
bis auf eine schadhafte Gig, und die. ganze Kommandobrücke mit dem Regel- 
kompaß: und. allem darauf Befindlichem total verschwunden waren; auch waren 
Ann. d. Hydr, ote., 1903, Hoft IX.
	        
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