v..Hasenkamp, H.: Kompaßregulierung durch Schwingungszeiten. 403
über die Ergebnisse dieser Versuche und über die Brauchbarkeit der Methode
in der Praxis Bericht zu erstatten.') Da es von Interesse sein dürfte, wenn
sich auch die deutschen Schiffsführer gelegentlich bei unsichtigem Wetter, wo
die sonst angewandten Methoden der Deviationsbestimmung versagen, dieses
Verfahrens bedienen und sich über die damit gemachten Erfahrungen äußern
wollten, so soll im folgenden der Inhalt der beiden Aufsätze etwas eingehender,
als in dem erwähnten Berichte dieser Zeitschrift geschehen ist, wiedergegeben
werden.
Der Verfasser bediente sich zu seinen Versuchen einer Thomsonschen
Rose, deren Pinne, Hütchen und magnetisches Moment gut, aber nicht besser
waren, als wie sie auf einem gut ausgerüsteten Schiffe sein müssen. Die Rose
wurde auf einem Deviationsmodell angebracht und ihr durch einige Magnete
eine Deviation gegeben, um so die Wirkung des permanenten Magnetismus
darzustellen. Weiches Eisen wurde nicht angebracht, da der Abstand zwischen
der Rose,* den Magneten und dem Eisen so klein sein würde, daß Störungen
durch Induktion und durch das nicht homogene magnetische Feld eintreten
müßten.
Das Modell wurde nun nach dem Kompaß auf Nord angelegt und die
Rose in Schwingungen versetzt, deren Dauer mit einer Beobachtungsuhr bis
auf halbe Sekunden genau beobachtet wurde. Ganz ebenso wurde auf Südkurs
verfahren. Die Verschiedenheit der Schwingungszeiten auf beiden Kursen, eine
Folge der verschiedenen Richtkraft, läßt sich durch einen Längsschiffmagnet
beseitigen, dessen Nordpol, wenn die Schwingungszeit auf Nordkurs kleiner ist
als auf Südkurs, nach vorn gerichtet sein muß, Durch Entfernen und Nähern
dieses Magnets kann dann leicht bewirkt werden, daß die Schwingungszeit auf
beiden Kursen gleich, und zwar das Mittel der beiden ursprünglich beobachteten
Schwingungsdauern, sein wird. In genau derselben Weise kann durch einen
Querschiffsmagnet die Schwingungszeit auf Ost- und Westkurs gleich gemacht
werden.
Aus der mittleren Schwingungsdauer bei Nord- und Südkurs, verglichen
mit der bei Ost- und Westkurs, läßt. sich erkennen, ob eine Kompensation für
quadrantale Deviation erforderlich ist und welches Vorzeichen deren Koeffizient
D haben wird. Wegen des überwiegenden Einflusses der KEisenmassen des
Schiffes in der Querschiffsrichtung wird auf Ost- und Westkurs die Richtkraft
kleiner, die Schwingungsdauer aber größer als auf Nord- und Südkurs sein.
Ist also die mittlere Schwingungsdauer bei Ost und West größer als bei Nord
und Süd, so muß mit Hilfe der Quadrantalkorrektoren die Richtkraft auf Ost-
and Westkurs 80 weit verstärkt werden, daß die Schwingungsdauer auf diesen
Kursen ebenso klein wird wie das Mittel der Schwingungszeiten auf Nord-
and Südkurs.
Auf diese Weise kann der Kompaß nahezu kompensiert werden. Die
noch übrigbleibende Deviation läßt sich dann mit Hilfe des Satzes bestimmen,
daß sich die Quadrate der Schwingungsdauern umgekehrt wie die Richtkräfte
verhalten.
Bezeichnet man die Schwingungsdauer bei Nordkurs mit T., die zugehörige
Richtkraft mit k+a und sind T,, k—a die entsprechenden Werte bei Süd-
kurs, so hat man nach dem erwähnten Satze
Ta3 —_ k—a
Ti ka
Hieraus ergibt sich durch eine einfache Umformung
8 Ta2— Tal ;
x DT
Man erhält also aus den beobachteten Schwingungszeiten das Verhältnis
zwischen der mittleren Richtkraft und der Veränderung, die diese auf den
beiden Kursen erfährt und die auf Ost- oder Westkurs eine semizirkulare
Deviation gibt.‘
1) Kompasregelen door Slingertijden, door J. P. F. van der Mieden. „De Zee“
1903. S. 108.