Renaud, M. J. (Tietz): Über das Aufsuchen unter Wasser liegender Klippen, 401
das Spill oder eine Rolle belegt: Wird. durch diesen Rahmen: ein Hindernis
gefaßt, so kommt die Stahltrosse an Deck plötzlich steif. -
Dieses Verfahren wendet man hauptsächlich dann an, wenn man sich
nach stattgefundenen. Baggerarbeiten überzeugen will, ob das ausgebaggerte
Fahrwasser auch auf die vorschriftsmäßige Tiefe gebracht ist, oder wenn man
feststellen will, daß Kanäle u. s. w. nicht versandet sind. Außerdem läßt. sich
diese Methode auch mit Vorteil dazu verwenden, verdächtige Fahrwasser, die
von großen Schiffen befahren werden sollen, durch kleine Schiffe, an denen der
vorher beschriebene Rahmen dem Tiefgange der großen Schiffe entsprechend
befestigt ist, untersuchen zu lassen. Wie bereits gesagt, gehören zum Rahmen
aber starke Eisenstangen, die dem Wasserdruck widerstehen können,
Durch Tiefblick. In Meeren, wo die Durchsichtigkeit des Wassers
dies erlaubt, ist es vorteilhaft, von einem möglichst hohen Standorte aus
das Vorhandensein von Untiefen festzustellen. Jedem Seemanne ist es bekannt,
daß es in gewissen Gewässern möglich ist, alle unter Wasser liegenden Untiefen
an der Färbung des Wassers so zeitig. zu erkennen, daß man sie vermeiden
kann und daß manche Gewässer, die noch sehr unvollkommen vermessen sind,
nur aus diesem Grunde befahren werden können. Ebenso bekannt ist, daß bei
ruhiger See und schwacher Strömung Neerströme dem geübten Auge das Vor-
handensein von Untiefen verraten. Besteigt. man z. B. den Leuchtturm Ile de
Sein, der 45 m über dem Meeresspiegel liegt, so hat man einen klaren Überblick
über den Kanal, der sich westlich von Ile de Sein hinzieht. Bei Niedrigwasser
kann man in diesem Kanal alle unter Wasser liegenden Klippen so genau
anterscheiden, daß man im stande ist, eine Skizze des Kanals zu zeichnen, nach
der man den Kanal befahren könnte. Man wäre sicher, dabei keine Klippe zu
vergessen, die den Fahrzeugen geringen Tiefganges, die diesen Kanal bei Hoch-
wasser befahren, gefährlich werden könnte. Oder stände z. B. ein Beobachter
auf dem Kap de Ia Chövre, so würde er alle Untiefen, die sich bis auf eine
Entfernung von 1000 m vom Kap erstrecken und mit 3 bis 4m Wasser bedeckt
sind, genau erkennen können; ebenso sind auch die Sände und Bänke auf dem
Ankerplatze in der Bucht von Saint Nicolas zu unterscheiden. Von dem
Semaphor von Pointe du Raz hat man durch die Neerströmung die bis dahin
unbekannte felsige 5 m-Stelle entdeckt, die auf der Höhe von la Basse, nord-
westlich von der Baie des Trepasses, liegt und eine Gefahr für die Schiffahrt
auf dem Raz de Sein bildet. Wenn man auf den Hügeln steht, die die Einfahrt
nach Brest einfassen, so sieht man bei ruhiger See und schwacher Strömung,
wenn der Wasserspiegel gut beleuchtet ist, wie sich die Untiefen durch die
Bewegung des Wassers an der Oberfläche verraten. ; .
Aus dem eben Gesagten geht hervor, daß man niemals versäumen darf,
wenn die Gestaltung der Küste das Besteigen von Hügeln oder hohen Gebäuden
gestattet, von hier aus die Wasseroberfläche aufmerksam zu. durchmustern.
Ebenso erhellt, daß, wenn man sich mit einem Ballon. bis zu einer gewissen
Höhe über dem Wasserspiegel erhöbe, man von dort aus für die Hydrographie
wichtige Nachrichten sammeln könnte. In klippenreichen Gewässern mit vielfach
gewundenen Kanälen würde ein solcher Blick von oben ein erstes Bild über
den Verlauf des benutzbaren Fahrwassers geben, er. würde das Ausloten eines
solchen Gebietes erleichtern, und außerdem wäre ein Mittel gegeben, eine
Hüchtige Aufnahme zu kontrollieren. Der eigentliche Zweck hydrographischer
Aufnahmen. ist ja meistens nicht der, ein genaues Bild von der Form und
Beschaffenheit‘ einzelner Untiefen zu geben, sondern schiffbare Kanäle auf-
zufinden, die Grenzen gefährlicher Gründe festzulegen und festzustellen, daß in
den aufgefundenen Kanälen keine Gefahren liegen sowie die aufgefundenen nach
ihrer Lage und Ausdehnung zu bestimmen. N
Nicht selten; wie z, B. gerade in den Gewässern de Sein, ist es nur mit
Hilfe eines Ballons möglich, ein wirkliches Bild der Kanäle und Untiefen auf-
zunehmen. Gewisse Gebiete, wie das Plateau du Tevennec, sind bei Springzeit
nicht zugänglich, da bei Hochwasser: kein Stillwasser stattfindet und bei Niedrig-
wasser der Flutstrom zwei Stunden vorher eingesetzt hat und schon sehr; stark
ist. Bei Nippflut treten aber die Niedrigwasser morgens und abends ein, wenn
die Sonne nur wenig über dem Horizont steht. Die Wasseroberfläche. ist dann
schlecht beleuchtet, und man kann kaum bis auf Fadentiefe etwas erkennen.