400 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1903,
Leiter der Aufnahme befindet, bezeichnet wird. Dort angekommen, manövriert
das Schiff so, daß das Netz quer zum Strome steht, etwa mit seiner Mitte bei
dem die Mitte des abzusuchenden Gebiets bezeichnenden Boote. Dann wirft
man das Boot los, und das Netz treibt quer zum Strome stromabwärts.
Eine andere Methode, um das Netz unter Benutzung eines Bootes zu
Wasser zu bringen, wurde in Madagaskar angewendet: Der Apparat wird auf
beiden Dollborden des Bootes in der Weise untergebracht, daß der erste und
letzte Draggen sowie die erste und letzte Boje je an einer Seite ganz hinten
liegen; die Mitte des Netzes liegt vorn um den Steven, Die Schleppleinen
und Verbindungstaue werden so aufgeschossen, daß sie von hinten nach vorn
ablaufen. Die Bojereeps liegen so, daß das am Draggen befestigte Ende nach
unten zeigt; die Draggen liegen mit ihren Pflügen auf dem Netze und hängen
mit ihren Mooringen zusammen mit den in Buchten aufgeschossenen Bojereeps
in den Runzeln. Kurz ehe man das zu untersuchende Gebiet erreicht, hängt
man die Draggen sowie die Buchten der Bojereeps und der Verbindungstaue
außenbords und zeist sie dort fest. Bevor das Netz zu Wasser gebracht wird,
verankert man das Boot mit einem Draggen vom Heck aus. Die beiden Schlepp-
leinen werden in je ein Boot gegeben und von diesem ausgefahren. Die Leute
werden auf beiden Seiten des Bootes verteilt, um die Zeisinge zu kappen.
Sowie die Schleppleinen steif kommen, kappt man auf jeder Seite des Bootes
die Zeisinge des ersten Draggens, der ersten Bojereeps und Verbindungstaue,
gleichzeitig werden die ersten Bojen über Bord geworfen; die Boote fahren
weiter, und sowie Kraft darauf kommt, kappt man die nächsten Zeisinge und
so fort, bis das ganze Netz zu Wasser gebracht ist und senkrecht zwischen
den Booten hängt. ;
Nachdem das Netz auf die eine oder die andere Weise zu Wasser ge-
bracht ist, schwimmt es mit dem Strome. Die beiden Boote rudern langsam
gegen den Strom, um das Netz immer gut steif und in gerader Linie zu halten.
Mit dem Strome darf das Netz nicht geschleppt werden, da es dann leicht
unklar kommt. Der Führer hält sich mit seinem Boote ungefähr bei der
mittelsten Boje, ohne sie jedoch zu Berühren, und leitet nach Winkelmessungen
und nach Landmarken den Weg, den das Netz nehmen soll. Wird das treibende
Netz nicht festgehalten, d. h. zeigt die Bojenlinie keine Einbuchtung, so kann
man daraus schließen, daß das Fahrwasser bis auf die eingestellte Tiefe frei
von Untiefen ist. Wird dagegen das Netz festgehalten, so lassen sich die Boote
stromabwärts zusammen treiben, werfen ihre Schleppleinen los und verkürzen
die Bojereeps der noch schwimmenden Draggen, damit sich diese nicht bei
fallendem Wasser verankern. Der Führer begibt sich mit seinem Boote zu
der so gefundenen Untiefe, um dieselbe auszuloten, fails die Gelegenheit dazu
günstig ist; im anderen Falle wird die Stelle vorläufig durch eine Boje bezeichnet.
Diese Methode ist ohne Zweifel zeitraubend und kompliziert, doch gibt
sie gute Resultate in Gegenden mit Strömung, wo man auf diese Weise große
Gebiete in verhältnismäßig kurzer Zeit untersuchen kann. Ob sich dieser
Apparat auch in stromfreien Gegenden nutzbringend verwerten läßt, müßte erst
erprobt werden.
Während der Vermessungen in den Gewässern vor Brest ist dieses
Suchnetz verschiedentlich zur Verwendung gekommen und hat dabei vorzügliche
Dienste geleistet, besonders bei der Aufnahme des Chenal du Four, wo eine
genauere Untersuchung des Fahrwassers angezeigt erschien. Es sei noch hinzu-
gefügt, daß man den Apparat, um sich von seinem sicheren Arbeiten zu über-
zeugen, zur Aufsuchung schon bekannter, sehr spitzer Klippen verwendet hat;
dabei wurde jedesmal die Klippe gefaßt.
Quer geschlepptes Kabel. Diese Methode besteht darin, daß man
sich an einem Schiff oder auch an zwei zusammengebundenen Leichtern in
folgender Weise einen Rahmen herstellt: Man lascht je eine starke HEisen-
stange oder Eisenbahnschiene an den Schiffsseiten oder an den Seiten der
Leichter so fest, daß sie nahezu vertikal stehen. Die Eisenbahnschienen oder
Eisenstangen müssen so stark sein, daß sie sich bei einer geringen Fahrt des
Schiffes nicht verbiegen. Durch in den unteren Enden der Eisenstangen befind-
liche Löcher wird eine Stahltrosse geschoren, dann an Deck genommen und um