Renaud, M. S. (Tietz): Über das Aufsuchen unter Wasser liegender Klippen. 399
Nachdem die Klippe aufgefunden ist, wird sich die fernere Arbeit darauf
beschränken, ihre genaue Lage durch Winkelmessung zu bestimmen, passende
Landmarken aufzusuchen .und Vertonungen zu zeichnen. Es ist vorteilhaft, bei
jeder Vermessungsgruppe nur ein größeres Boot zu haben; die anderen können
kleine Schiffsboote oder auch kleine Fischerboote sein; für die Besatzung sind
vier Mann einschließlich des Führers und der Lotgasten zweckentsprechend.
Diese leichten Boote kann man leicht hissen und leicht zu Wasser bringen; sie
manövrieren leicht und können daher in großer Zahl auf einem verhältnismäßig
kleinen Gebiet arbeiten, ohne sich gegenseitig zu behindern. Die Boote werden
durch das Vermessungsfahrzeug an den Ort ihrer Bestimmung gebracht; das
letztere bleibt in ihrer Nähe, um sie zu überwachen und durch häufiges Anbord-
nehmen zu kontrollieren.
Die einzelnen Vermessungsgruppen müssen nicht allein nur für ihre eigenen
Aufgaben vorbereitet sein, sondern sie müssen auch auf den Nachbargebieten
arbeiten können, falls eine Gruppe früher fertig ist als die andere.
Die gleichzeitige Verwendung mehrerer Boote zum Aufsuchen unter
Wasser liegender Klippen hat nicht allein den Vorteil, daß man schneller zum
Ziele gelangt, weil man gutes Wetter und günstige Tide besser ausnutzen kann
und das aufzunehmende Gebiet schneller mit einem dichten Netz. von‘ Lotungs-
linien zu überziehen vermag, sondern der Leiter der Vermessung kann sich auf
diese Weise, besonders wenn mehrere Klippen in geringen Abständen von-
einander liegen, viel schneller ein Bild der ganzen Grundverhältnisse machen
und wird infolgedessen Klippen auffinden, die bei Verwendung nur eines Bootes
schwerlich entdeckt werden würden.
Das Suchnetz. Dieser Apparat dient besonders dazu, festzustellen, daß
in einer bestimmten Tiefe keine Gefahren liegen. Es besteht aus einer Art von
großem Netz, das quer zum Strome ausgesetzt wird und frei treibt, so lange es
keinem Hindernisse begegnet, von unter Wasser liegenden Klippen aber fest-
gehalten wird. Das Netz wird zusammengesetzt aus kleinen Bojen von 50 cm
Durchmesser und Bojereeps von 27mm Tauwerk. An das andere Ende der
Bojereeps werden Draggen angesteckt. Die Draggen dürfen nicht so schwer
sein, daß sie die Bojen unter Wasser ziehen, aber auch nicht zu leicht, so daß
sie immer vertikal hängen. Je zwei benachbarte Bojen und je zwei benachbarte
Draggen werden durch Taue verbunden; alle Befestigungen geschehen mittelst
Holzpflöcke. Nachdem noch an jeder Seite je eine Schleppleine befestigt ist,
kann der Apparat über Bord gesetzt werden. Wie man sieht, läßt sich ein
solches Suchnetz bequem mit Bordmitteln herstellen. Die Anzahl der Bojen
and Draggen richtet sich nach der Größe des Gebiets, das man auf einmal ab-
auchen will, ihr Abstand voneinander nach der Eintauchungstiefe der Draggen.
Bei dem Apparat, den man in den Gewässern vor Brest für den an-
gegebenen Zweck benutzt hat, betrugen die Zwischenräume 20 m, die ganze
Länge 240 m; die Bojereeps waren auf 18 m angesteckt... Die Länge der Boje-
reeps muß natürlich immer dem jeweiligen Stande der Tide entsprechen. Will
man sich z. B. überzeugen, daß ein Kanal bei Niedrigwasser von einem Schiffe
mit 8 m Tiefgang befahren werden kann, und ist das Wasser zur Zeit der Arbeit
Sm über Null gestiegen, so müssen selbstverständlich die Bojereeps auf 14 m
angesteckt werden. Der Rest der Bojereeps wird in Buchten an den Bojen
befestigt. Der Apparat wird erst kurz vor dem Gebrauch in folgender Weise
zusammengesetzt: Man legt die einzelnen Teile am Heck des Schiffes, so klar,
daß die Bojen und Bojereeps auf der einen Seite, die Draggen auf der anderen
Seite und die Verbindungstaue in der Mitte liegen. Eine Schleppleine wird auf
die erste Boje gesteckt und ein in im Schlepp geführtes Boot gegeben; dann
steckt man erste Boje und Draggen an das Bojereep, befestigt je ein Verbindungs-
tau an Boje und Draggen und fiert diesen ersten Teil des Netzes zu Wasser.
Darauf werden zweite Boje und Draggen unter sich und mit den Verbindungs-
tauen verbunden und in derselben Weise das ganze Netz zu Wasser gebracht.
Das Schiff muß während der Zeit mit langsamer Fahrt vorausgehen, damit das
Netz nicht unklar kommt. Die zweite Schleppleine wird vor dem Wegfieren
der letzten Boje auf diese aufgesteckt und dann in ein zweites im Schlepp
geführtes Boot gegeben. Das Schiff dampft langsam an den Ort der Unter-
suchung, der durch ein dort auf der Stelle haltendes Boot, in dem sich der