Die Witterung zu Tsingtau im Dezember 1902, Januar und Februar 1903 etc, 395
durch welche gewissermaßen ein Gleichgewicht in der Zahl der Bevölkerung
hergestellt wird, denn die Streitigkeiten sind stets von den gutbewehrten, häufig
mit einem aus Kokosfasern hergestellten Panzerschutz versehenen Kriegern mit
großer Erbitterung und unter gegenseitigen schweren Verlusten zum Austrag
gebracht worden. Der unterliegende Teil, dessen Zuflucht zuletzt das offene
Meer blieb, war dem Verderben geweiht; eine Rückkehr zu eigenen oder eine
Landung auf anderen Inseln wurde meistens durch die starke Aquatorialströmung
unmöglich gemacht. Der Hauptgrund zu so ernsten Zwistigkeiten war meistens
der Mangel an Landbesitz, denn eine an Kopfzahl große und dementsprechend
mächtige Familie war stets darauf bedacht, eine schwächere an ihren Rechten
zu schmälern. Das Ansehen einer Familie, zu deren Gliedern sich alle die-
jenigen rechnen, die während mehrerer Generationen eine gemeinsame Ab-
stammung nachweisen können, beruht auf der Größe der Landstellen, welche
als gemeinsamer Besitz angesehen werden; dadurch haben sich denn naturgemäß
monarchische Zustände herangebildet, so daß die mächtigste Familie auch die
herrschende ist, mit einem patriarchalischen Oberhaupte an der Spitze. Auf
sinzelnen Inseln, wie Kuria, Aranuka u. a., liegt heute schon die absolute Macht
in der Hand eines Oberhäuptlings. Im Laufe der Zeiten haben sich bei diesen
Insulanern, die dem finsteren Aberglauben fast mehr als andere verfallen sind,
eigentümliche Anschauungen herausgebildet, so z. B. war die Frau eines Ver-
storbenen gehalten, wochenlang neben dem Todten ihre Lagerstatt aufzuschlagen.
Ein anderer Gebrauch gebot, daß eine Mutter ihr früh verstorbenes Kind so
lange mit sich herumtrug, bis der Körper in Stücke fiel, dann wurde das
Gerippe gereinigt und die Knochen nun als ein Talisman betrachtet. Solch
sigenartige Verehrung der Verstorbenen ist durch die Ausbreitung der Missionare
in letzter Zeit zwar eingedämmt worden; ehe jedoch die Zivilisation mit Erfolg
aolche tief eingewurzelten Ideen bekämpft und kommende Generationen zu einer
besseren Anschauung geführt hat, wird noch lange Zeit vergehen. Bessere Zu-
stände werden von der englischen Regierung erst nach und nach mit Nachdruck
geschaffen werden müssen.
Die Witterung zu Tsingtau im Dezember 1902, Januar und Februar 1903,
nebst einer Zusammenstellung für den Winter 1902/1903.
Nach den Beobachtungen der Kaiserlichen Meteorologisch-astronomischen Station in Tsingtau.
Die folgende Tabelle enthält die meteorologischen Beobachtungen sowohl
für die Monatsdrittel als auch für die ganzen Monate Dezember 1902, Januar
and Februar 1903. Am Schlusse sind die Beobachtungen für den Winter 1902/1903
zusammengefaßt dargestellt. Über die Spalte: Allgemeine Luftbewegung vgl.
„Ann. d. Hydr. etc.“ 1900, S. 63.
Der Dezember 1902 hatte 20 Frosttage und 3 Eistage, an denen auch die
Maximaltemperatur unter 0° blieb. Seine Durchschnittstemperatur lag 1,8° über
ler des Dezembers 1901 und erreichte fast die des Dezembers 1899. Auch in
jer Bewölkung steht dieser Monat zwischen den beiden genannten, mit denen
er in der Niederschlagsmenge fast auf das Millimeter übereinstimmt. Nur an
2 Tagen hat es etwas geschneit, während 10 Nächte Reif brachten. Die Winde
wehten in gleicher mittlerer Stärke wie im Vorjahr, vorzugsweise aus nord-
westlichen Richtungen, und nahmen am 24. und 25. stürmischen Charakter an.
Am 25. nachmittags trat ein Sandsturm auf, ebenso wie am 28. Dezember 1901.
Während der Dezember 1902 fast 2° wärmer als der des Vorjahres war,
lag die Mitteltemperatur des Januar 1903 ebenso viel unter der des voraus-
gehenden besonders warmen Januars; die Januarmonate 1900 und 1901 waren
noch kälter. Die erste Dekade Januar 1903 war die kälteste, an deren Ende
die niedrigste Temperatur des Winters mit —8,9° gemessen wurde. Nur an
den 4 Morgen vom 21. bis 24. zeigte das Minimumthermometer über 0°; der
Monat enthielt 11 Eistage, darunter die geschlossene Periode vom 26. bis 31.