accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

394 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1903, 
„Charlotte“ einen Teil der nördlich vom Aquator gelegenen Atolle. Zehn 
Jahre später, 1799, berichtete Kapt. Bishop, Führer des „Nautilus“, daß er 
noch weitere Atolle entdeckt habe. Erst 1824 untersuchte Kapt. Duperre€ mit 
der Korvette „Coquille“ die bis dahin bekannten Atolle näher, fand aber auch 
nicht alle auf, was später erst der amerikanischen Entdeckungsexpedition unter 
Kapt. Hudson und Leutnant Knox mit den Schiffen „Peacock“ und „Flyingfish“ 
vorbehalten blieb. Das regste Interesse der verschiedenen Entdecker, namentlich 
von Duperre€ und Hudson, wandte sich jedoch mehr den größeren Atollen 
zu, während die kleineren, besonders die südlich vom Aquator zwischen 2° bis 
3° S-Br. gelegenen Inseln und Atolle, noch lange unbekannt blieben; nähere 
Angaben über diese liegen erst aus den Jahren 1850 bis 1870 vor, als Ergebnis 
aus den Beschreibungen von Walfischfängern, die in dieser Gegend dem Fange 
des Spermwals bis zu dessen Verschwinden oblagen. 
Auf eine vieltausendjährige Arbeit der winzigen Korallenpolypen ist der 
Aufbau aller Atolle zurückzuführen, die erst zum Abschluß gelangt, wenn die 
gewaltigen Bauten zwischen Wind und Wasser hochgeführt sind. Die steil- 
ansteigenden Riffe liegen bei allen Atollen fast immer an der Wind- oder 
Wetterseite, während an der Lee- oder geschützten Seite, auf flacherem Meeres- 
grunde aufgebaut, sich ausgedehnte Korallenfelder befinden. Der unausgesetzte 
und zu Zeiten gewaltige Anprall der Meereswogen gegen ein hochgeführtes 
Korallenriff bedingt ein fortwährendes Abbröckeln kleiner und kleinster Korallen- 
teilchen, deren Anhäufung schließlich zu einer Erhöhung über dem Meeresspiegel 
führt. Auch der Wind ist ein Mitarbeiter an dem Aufbau einer solchen Insel- 
welt, indem er die zu Atomen zerstäubten Kalkteilchen hinwegführt und an 
den höchstzelegenen Punkten ablagert, selbst über weite Lagunen trägt, wo 
der feine Korallenstaub Erhöhungen auf über Wasser ragenden Riffen fest ver- 
bindet. Alle fast immer langgestreckten, dabei schmalen inselartigen Boden- 
erhöhungen finden sich denn auch an der Seite vor, wo Wind und Meereswogen 
die kalkartigen Gebilde der Korallenpolypen am ehesten anhäufen können. 
Was die Bevölkerung der Gilbert-Inseln anbelangt, die, nebenbei bemerkt, 
noch auf einer niedrigen Kulturstufe steht, so ist es auffällig, daß im Gegensatz 
zu anderen Gruppen, z. B. zu den Marschall- und zum Teil zu den Karolinen- 
Inseln, hier eine große Menschenmasse auf verhältnismäßig engem Raum lebt. 
Erklärlich wird dies dadurch, daß die Bewohner der Gilbert-Inseln nicht durch 
die von den Weißen eingeführte Syphilis dem Untergange geweiht wurden. Kennt 
man den kriegerischen Sinn dieser Insulaner, so wird es verständlich, wie sie 
durch ihr feindliches Verhalten und durch ihre große Zahl namentlich die Wal- 
fischfänger, die so vielen anderen Insulanern verhängnisvoll geworden sind, 
von ihren Gestaden ferngehalten haben. Aus diesem Grunde lernten sie den 
Weißen und seine Leidenschaften nicht so genau kennen, wie z. B. die Marschall- 
Insulaner, die Bewohner der Insel Kusai u. a., die viel friedfertigeren Sinnes 
gewesen sind und dadurch zu Schaden kamen. Glühende Rachsucht gegen den 
weißen Mann erfüllte deshalb auch nicht die Herzen der Bewohner der Gilbert- 
Inseln, was zur Rettung vieler Schiffbrüchiger wesentlich beitrug, die das 
Unglück hatten, durch Verlust ihrer Schiffe den Händen der Eingeborenen 
wehrlos überantwortet zu werden. Wenn dennoch einzelne Schiffsbesatzungen 
gelegentlich vernichtet wurden, lag die Ursache in dem törichten Verhalten 
einzelner Mitglieder. 
Überall in der weiten Gruppe drängt sich dem Beobachter die Frage 
auf, wie es möglich ist, daß auf” den mit sehr spärlichem Humus bedeckten 
Koralleninseln eine 8o überaus zablreiche Menschenmenge ausreichend sich 
ernährt. Die Beantwortung dürfte damit zu geben sein, daß die Not die beste 
Lehrmeisterin gewesen ist; sie hat die Eingeborenen nicht nur zu äußerst 
geschickten Fischern, sondern auch in gewissem Sinne zu Ackerbauern gemacht, 
denn das Wachstum jeder Nährpflanze auf diesen Inseln, als Taro, Pandanus 
und Kokospalmen ete., ist von der Sorgfalt abhängig, mit welcher die Frucht 
in den steinigen Korallenboden gebettet wird. Als Ersatz für die mangelnde 
Humuserde dienen” zerkleinerte Wurzeln und Blätter, untermischt mit Erde, die 
oft weither mühsam herangeschafft wird. 
Als eine Folge der Übervölkerung auf einzelnen Inseln sind auch die 
heißen und langdauernden Kämpfe anzusehen, die zeitweilig stattfinden und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.