386 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1903,
nordwestliche Winde auf, die erst am 5. April durch frischere, südöstliche ab-
gelöst wurden. Bis zum 9. April waren dann sehr schwache, westliche und süd-
östliche Winde vorherrschend; die geringsten Etmale, welche auf diesem Wege
verzeichnet wurden — 3,3 und 4 Sm in der Stunde — sind am 6. und 7, April zurück-
yelegt worden. Um Mittag des 9. setzte jedoch frischer W-Wind ein, der auf
50° S-Br. nach NW herumholte und es ermöglichte, daß am 12. die Straße von
le Maire durchsegelt werden konnte. Südlich von Staaten Isl. setzte der erste
schwere Sturm am 13. April aus SW ein, Barometer um 4*V 746 mm. Um
frei von Land zu liegen, mußte an diesem Tage „Preußen“ mehrfach auf St-B.-
Halsen gelegt werden, legte aber immer noch trotz der groben See 25 bis 32 Sm
auf der Wache zurück. Bei trübem Wetter und zeitweilig sehr schweren
Regenböen, hielt dieser Sturm 40 Stunden an. Erst am 14. April abends
minderte sich seine Stärke, und schwache westliche Winde setzten ein, um aber
schon um Mittag des 15. aus WNW bis W wieder mit voller Sturmstärke zu
wehen. Nachdem Kap Horn passiert war, legte sich der westliche Wind
gänzlich, und schwache, am 16. April frische südöstliche Winde setzten ein. Im
Laufe des Vormittags am 17. April ging der östliche Wind durch Süd nach
WSW und am 18. April nach NW herum, dieser wehte in den Nachmittag- und
Abendstunden dieses Tages mit Stärke 9—10, Der nordwestliche Wind behielt
eine durchschnittliche Stärke von 6—7 bei, bis zum 21, April, an welchem
Tage der 50. Breitenkreis auf 81° W-Lg. geschnitten wurde. Die Umsegelung
jes Kap Horn (50° S-Br. im Atlantischen, bis 50° S-Br. im Stillen Ozean)
lauerte also (vom 10, bis 21. April) kaum 11 Tage. Das vom Nachmittag des
20. April stetig fallende Barometer kündigte die Annäherung einer Depression
an, die südich vom Schiffsort in annähernd west- bis östlicher Richtung vorüber-
ging. Der Wind schoß um 6" V des 21. April von N nach NO plötzlich aus
und setzte mit Stärke 9 ein, um 8 V wehte schon voller Sturm aus WNW, der
langsam nach W bis SW herumholte und aus dieser Richtung abschwächte. Mit
diesem günstigen südwestlichen Wind, der um Mittag des 23. April wieder einen
stürmischen Charakter annahm, erreichte „Preußen“ die größte Schnelligkeit.
Die durchlaufene Distanz von Mittag des 23. bis Mittag des 24. April betrug
368 Sm; auf der Wache von 4bis 8: V, am 24. April legte „Preußen“
sogar 67 Sm zurück, also 17 Sm in der Stunde.
Die polare Grenze des SO-Passats wurde schon am Mittag des 24, April
auf 38,4° S-Br., 77,9° W-Lg. erreicht, der bei mittlerer Stärke „Preußen“ am
1. Mai zum - Hafen von Iquique führte. Das Resultat dieser Rekordreise —
57 Tage von Land zu Land — hätte sich wohl noch günstiger gestalten können,
wenn „Preußen“ von der polaren Grenze des SO-Passats im Südatlantischen
Ozean, wie erwartet werden konnte, frischer wehende Winde angetroffen hätte.
Die einzelnen Abschnitte dieser Ausreise stellen sich, wie folgt, zusammen:
Lizard bis Aquator . .
Aquator bis 50° S-Br. .
50° S-Br. bis Kap Horn.
Kap Horn bis 50° S-Br.
50° S-Br. bis Iquique .
Lizard bis Iquique .
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Die Heimreise von Iquique nach Hamburg.
Nach einem Aufenthalt von nur 13 Tagen in Iquique trat „Preußen“ am
14. Mai mit voller Salpeterladung die Heimreise an. Ein mäßiger, durch-
Schnittlich leichter SO-Passat führte „Preußen“ außerhalb des Hafens von der
Küste ab, und es konnte die polare Grenze des SO-Passats erst am 23. Mai auf
31° S-Br., 87° W-Lg. überschritten werden. Nach gänzlichem Abflauen des
Passats sprang am 24. Mai frischer W- und NW-Wind auf, der aber schon am
25. Mai durch SW nach S bis schließlich SO, ONO und NO herumhbolte und bis
zum 30. Mai aus diesem Quadranten mit Stärke 6 bis 9 wehte. Auch tief
beladen zeigte „Preußen“, was sie an Schnelligkeit leisten kann, z. B. am Tage
des 28. Mai wurden bei Windstärke 8—9, 317 Sm in SSO-Richtung bei NO-Wind