Messerschmitt, J, B.: Neuerungen an Marinebarometern ete,
Die Aufhängung der Barometer. Die Marinebarometer werden
cardanisch an einem an der Wand zu befestigenden Arm aufgehängt, wobei
Federn ein zu großes Schwanken der Instrumente bei starken Schiffsbewegungen
verhindern sollen. Durch das Schwingen wird das Barometerrohr geneigt und
dadurch der Stand des Instrumentes erhöht, während die Zentrifugalkraft ihn
zu erniedrigen sucht. Durch eine passende Wahl des Aufhängepunktes lassen
sich für kleinere Ausschläge beide Einflüsse annähernd aufheben, Bei den
neuen -Barometern liegt dieser Punkt etwa 42 cm über dem Gefäß.
Um nun die Übertragung der Vibrationen des Schiffskörpers. auf die
Instrumente aufzuheben, wurden die Barometer von einem Ringe umfaßt, in den
ein cardanisches Gehänge eingriff, mittelst dessen sie an einer runden Kisen-
Jatte befestigt waren. Diese Platte hing mit drei ein Millimeter starken
Drähten an einem größeren cardanischen Gehänge, das mittelst einer Schraube
an einem Balken festgeschraubt war, der von zwei kräftigen Böcken getragen
wurde, Auf dem Schiff war zwischen dem cardanischen Gehänge und dem
Schraubenkopf noch eine Filzschicht zwischengeschaltet. Ebenso wurden die
Böcke auf starke Filzpolster gestellt und das Stativ oben gegen die Decke der
Kajüte unter Zwischenschaltung von Filzpolstern festgeklemmt.
Bei mäßigem Seegang konnten auf diese Weise sichere Beobachtungen
angestellt werden; bei starkem Seegang wird jedoch das Pumpen zu stark, um
noch für diese Zwecke brauchbare Ablesungen machen zu können.
Die Trägheit der Seebarometer. Durch die kapillare Verengung
folgt das Schiffsbarometer den Luftdruckschwankungen langsamer als das ge-
wöhnliche Barometer; es zeigt beim Steigen des Luftdruckes einen niedrigeren
und beim Fallen einen höheren Stand an, als das Normalbarometer, Dieses
Nachbleiben bezeichnet man als Trägheit des Marinebarometers. Im allgemeinen
wird das Schiffsbarometer als normal bezeichnet, welches, nachdem man durch
Neigen desselben die obere Röhre ganz mit Quecksilber gefüllt hat, seinen
richtigen Stand nach dem Zurückbringen in die vertikale Lage in 20 Minuten
wieder einnimmt. Diese Bestimmung ist aber recht unsicher, um so mehr als
die Längen der Glasröhren nicht gleich sind. Hecker sucht daher einen festeren
Begriff festzustellen, indem er für zwei beliebige um 1 Minute auseinander-
liegende Ablesungen Ba41ı und B1 nach künstlich erhöhtem oder erniedrigtem
Stand des Barometers die Formel (in Analogie mit derjenigen über die Trägheit
der Thermometer).
Barı — Bi = € (Lo — Ba)
aufstellt, worin L, den äußeren, konstanten Luftdruck und € die zu bestimmende
Trägheitskonstante darstellt. Bei den untersuchten Barometern lagen die
Werte & zwischen !/s und !/s. Durch die Bestimmung dieser Zahl gewinnt die
Vergleichbarkeit der an Schiffsbarometern gemachten Ablesungen.
Der Einfluß der Schiffsbewegungen auf den Barometerstand.
Die Bewegung eines Schiffes unter dem Einfluß der Wellen setzt sich aus dem
Stampfen, dem Hin- und Herschwingen um die Achse senkrecht zur Fahrt-
richtung, und dem Schlingern, der Bewegung um eine Längsachse zusammen.
Dazu kommt noch eine vertikale Bewegung.
Das Stampfen und Rollen kann durch passende Aufhängung der Baro-
meter möglichst unschädlich gemacht werden. Der Einfluß der Bewegung in
der Vertikalen hängt dagegen von der Wahl der Kapillaren im Barometer ab,
wie ja auch in ähnlicher Weise bei den Wasserstandsmessern die Wellen-
bewegung eliminiert wird, Je enger die Kapillare gewählt wird, desto geringer
wird das durch die. Bewegung des Schiffes in Höhe hervorgerufene Pumpen des
Barometers. Soll aber dasselbe noch richtig funktionieren, so darf man
unter ein gewisses Maß nicht heruntergehen.
Für ein Barometer, dessen Empfindlichkeit & nach der obigen Bezeichnung
0,43 war, ergab die Schiffsbewegung in der Vertikalen um 1m ein Pumpen
von 1,15 mm; während sie bei 0,6 m noch 0,85 mm betrug. Es geht danach
das. Pumpen keineswegs mit der Größe der Schiffsbewegung proportional,
sondern ist bei kleinen Bewegungen relativ stärker als bei größeren. Den
obigen Zahlen entspricht der doppelten Höhe der Schiffsbewegung nahe eine
Zunahme des Pumpens um }2.
Ans. d. Hydr. ote.. 1903. Heft TIL
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