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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1903.
zu Washington die folgenden Mitteilungen über die Dampferwege zwischen der
französischen W-Küste und Westindien gemacht: .
Wenn man mit einem Dampfer von mäfsiger Geschwindigkeit von der
französischen W-Küste oder vom Kanal nach St. Thomas bestimmt ist, so bringt
es Vorteil, gut südlich zu halten. Im Sommer, von Mai bis Oktober, steuere
man, sobald Kap Finisterre passiert ist, geradeswegs nach der S-Seite von der
Azoren-Insel San Miguel und von da ebenso geradeswegs nach Sombrero.
Im Winter halte man sich noch südlicher, so dafs man etwa 30 Sm südlich
von der Azoren-Insel Santa Maria passiert. Zurückkehrend folge man in jeder
Jahreszeit dem gröfsten Kreise von Sombrero nach Bishop Rock.')
Wenn man diese Wege innehält, so vermeidet man (auf der Ausreise) die
nördlich von den Azoren gewöhnlich kräftigen W-Winde und hat weniger Gegen-
strom. Man gelangt auch bald in den NO-Passat und merkt bei Annäherung
an die Westindischen Inseln wenig von dem Aquatorialstrom.”) Auf der Rück-
reise gelangt man mit den ziemlich nördlichen Kursen schnell aus dem NO-Passat
and nach 2 bis 3 Tagen in das Gebiet der W-Winde, in dem man nördlich von
den Azoren vom Strome begünstigt wird.)
8. Dampferwege zwischen San Francisco und Yokohama. Von Kapt.
W. W. Greene, Führer des Dampfers „Nippon Maru“ hat das Hydrographische
Amt zu Washington die folgenden Angaben über Dampferwege zwischen San
Francisco und Yokohama erhalten. („Notice to Mariners‘“‘ No. 1583, Washington,
den 18, Oktober 1902).
Von San Francisco nach Honolulu. Von San Francisco nach Hono-
lulu und zurück wird auf dem gröfsten Kreise, der in den Monatskarten des
Stillen Ozeans niedergelegt ist, gefahren. ;
Von Honolulu nach Yokohama. Vom 1. Mai bis 30. September wird
auf dem in der Monatskarte des Hydrographischen Amtes zu Washington ge-
gebenen gröfsten Kreise gefahren.
Vom 1. Oktober bis 30. April läuft man südlich von Tanura-Island ent-
lang, setzt dann seinen loxodromischen Kurs nach 30° N-Br. und 150° O-Lg., auf
welchem Wege man die in der Jahreszeit vorherrschenden starken NW-Winde
vermeidet, und steuert von da nach Noshima, an der Einfahrt in den Golf von
Tokio.
K Von Yokohama nach Honolulu fährt man immer auf dem gröfsten
reise.
9. Die Fortune-Insel. a) (Nach einem Berichte der Hamburg— Amerika-
Linie.) Die Fortune - Insel ist eine kleine Insel der Bahama - Gruppe an der
O-Seite der Crooked-Eiland-Durchfahrt; sie ist für unsere Dampfer insofern von
Bedeutung geworden, als die Schiffe der Atlas-Linie dort eine schwarze Mann-
schaft als Arbeiter für die Rundreise in Westindien an Bord zu nehmen pflegen.
Die Leute werden dann auf der Rückreise ebendort wieder abgesetzt.
Von Norden kommend passiere man den Leuchtturm von San Salvador
oder Watlings -Insel auf etwa 4 bis 5 Sm Abstand und den Leuchtturm von
der Bird-Klippe auf etwa 2 Sm Abstand. Man achte dabei auf das Riff, welches
sich von der Bird - Klippe in NNW- Richtung etwa 2 Sm weit erstreckt. Man
steuere dann S, bis man den einzigen bedeutenden Hügel von der Fortune-Insel
10 Fufs hoch) in Sicht bekommt; man halte dann darauf zu und bringe das
chiff querab von dem kleinen Dorfe Alver, etwa %/4 Sm vom Lande entfernt,
zum Stehen, wo dann die schwarzen Arbeiter mittelst ihres eigenen Bootes an
Bord kommen. Beim Insichtkomman des Dampfers wird am Strande die Kontor-
fagge an einem weißen Flayggenmaste geheilst.
1) Die zurückkehrenden Schiffe pflegen um die W-Seite von St. Thomas herum und gleich
von Cockroach Island im gröfsten Kreise nach dem Kanal zu steuern. Abtlg. I d. Seewarte.,
2) Bei der Annäherung an Sombrero ist sogar auf starke westliche Stromversetzung zu rechnen.
Abtig, Id, Seewarte.
3) Die Seewarte hat in einigen Beziehungen von dieser Darstellung abweichende An-
schauungen über die in Frage stehenden Dampferwege zum Ausdruck gebracht, z. B. auf der Monats-
karte des Nordatlantischen Ozeans vom Oktober 1902, und gedenkt demnächst diese Dampferwege
ausführlich zu besprechen.