360 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1903.
während einer Reise auf dem Atlantischen Ozean nach Südamerika und zurück
im Jahre 1901 höchst wertvolle Resultate erhielt.!)
Es mag hier noch kurz angeführt werden, daß die Schwerkraft auf den
Tiefen des Atlantischen Ozeans zwischen Lissabon und Bahia nahezu normal
gefunden wurde, womit entschieden ist, daß ebenso wie die Kontinentalmassen
durch Verminderung der Dichtigkeit unter den Festländern kompensiert sind,
auf der Tiefsee eine Kompensation durch die größere Dichte des Meeresbodens
eintritt. Durch diesen gelungenen Versuch ist aber auch der Ozeanographie
ein neues Instrument gegeben, um eine der wichtigsten geophysikalischen Kon-
atanten auf dem Meere mit genügender Genauigkeit bestimmen zu können.
Die Voruntersuchungen Heckers mußten sich, wie schon erwähnt, ins-
besondere auf das Marinebarometer erstrecken. Diese Resultate erscheinen
aber wichtig genug, um hier noch näher darauf einzugehen.
Das gebräuchlichste und am meisten eingeführte Marine-
barometer ist das Kew-Modell?) Es ist ein Gefäßbarometer
mit einem zylindrischen Eisengefäß von etwa 52 mm Durch-
messer an seinem unteren Ende. In dieses taucht das mit
Quecksilber gefüllte Glasrohr ein, dessen innerer Durchmesser
6 mm beträgt, der sich an der unteren Öffnung auf die Hälfte
reduziert. Etwa 10cm nach oben erweitert sich das Rohr
und bildet die sogenannte Buntesche Luftfalle, die das Ein-
dringen von Luft in den höher gelegenen Teil des Rohres
verhindert, während das Quecksilber durch ein kurzes 0,2 mm
weites Kapillarröhrchen nach oben fließen kann. Das Rohr
hat dann der größeren Länge nach einen inneren Durch-
messer von 1 mm bis auf den obersten Teil, wo der Durch-
messer S mm mißt. Hier geschehen die Ablesungen an einer reduzierten Skala
durch einen Nonius auf 0,1 mm genau.
Betrachtet man den Eintritt des Quecksilbers in das Barometerrohr durch
die Kapillare, so liegt die Vermutung nahe, daß bei symmetrischem Auf- und
Niedergang des Schiffes, das Quecksilber nicht gleichmäßig folgt. Es werden
also die Angaben des Barometers auf dem Schiffe verschiedene Korrektionen
geben, je nach der Höhe der Dünung, da derjenige Teil des Glasrohres, in dem
die größte Reibung beim Pumpen des Barometers stattfindet, unsymmetrisch
gebaut ist. Die darüber angestellten Versuche bestätigen auch diese Ver-
mutung.
Aus diesem Grunde wurde von Hecker bei den neu konstruierten Baro-
metern die Kapillare in das 1 mm weite Glasrohr, nahe in die Mitte des ganzen
Rohres, eingefügt. Die beiden Enden der Kapillaren erweitern sich zu möglichst
gleichen Trichtern nach oben und unten und schließen sich hier an das Rohr
von 1 mm Durchmesser an. Ein umhüllender Glasmantel dient zur Versteifung
und zum Schutze des Kapillarrohres. Die Buntesche Röhre bleibt dabei an der
alten Stelle am unteren Ende der Röhre, doch taucht in dieselbe das Rohr
mit 1 mm Durchmesser ein, so daß die hier auftretende Reibung im Vergleich zu
der der Kapillaren nicht in Betracht kommt.
Wie die Versuche gezeigt haben, fließt bei dieser Konstruktion beim
Auf- und Niedergang des Schiffes das Quecksilber gleichmäßig hin und her, da
die Reibung beide Male dieselbe ist. Während nämlich das ältere Schiffsbaro-
meter (Kew-Modell) eine konstante Differenz von — 0,19 mm als Einfluß der
Vertikalbewegung ergab, betrug der Unterschied bei vier Barometern Hecker-
scher Konstruktion nur — 0,02 bis — 0,03 mm.
Die Ablesung dieser Barometer war so verfeinert, daß der Nonius noch
0,05 mm direkt gab und 0,01 mm noch mit einiger Sicherheit geschätzt werden
konnte. Sie stammen aus der bekannten Werkstätte von R. Fueß in Steglitz,
und es ist zu wünschen, daß in Zukunft nur noch Röhren dieser verbesserten
Art für Schiffsbarometer verwendet werden.
E
1) 0. Hecker, Bestimmung der Schwerkraft auf dem Atlantischen Ozean, Veröff. d. K.
Preuß. Geodät-Instituts. Neue Folge Nr. 11. Berlin 1903.
2) Handbuch der nautischen Instrumente. Hreg. vom Reichs-Marine-Amt. Berlin 1890.