Messerschmitt, J. B.: Neuerungen an Marinebarometern etc. 359
Ankerplatz. Im Innenhafen von Macao ankerte das Schiff auf 5m
geringster Wassertiefe in den Peilungen: Südhuk Macao-Insel 121° (SOz01/40),
Östhuk der großen Malochow-Insel 222° (SW'/4S) (nur ein Anker, etwa 30 m
Kette erforderlich).
Von Macao nach Canton.
Am 21. März 1° N wurde, nachdem der vom Hafenamt in Macao zur
Verfügung gestellte Lotse Tang Ling an Bord genommen war, die Fahrt nach
Canton angetreten und um 5" 40=» N in der Boca Tigris geankert. Am nächsten
Vormittag 7° dampfte das Schiff weiter flußaufwärts, passierte die „Second bar“
auf der östlichen Fahrrinne und lief dann durch die Blenheim-Durchfahrt nach
Canton, wo kurz vor 11* V geankert wurde. Der Lotse Tang Ling, der beim
Hafenamt in Macao fest angestellt ist und von diesem den fremden Kriegs-
schiffen zur Verfügung gestellt wird, erwies sich als sehr zuverlässig und ruhig.
Bemerkungen. Die Fahrgeschwindigkeit durch Maschinenleistung betrug
auf der Reise bis Pakhoi 8 Sm bei Inbetriebnahme von nur zwei Kesseln, auf
der Rückfahrt wurden mit Rücksicht auf die ungünstigen Wind- und Strom-
verhältnisse 9 Sm (mit drei Kesseln) und zuletzt etwas mehr gelaufen, um. die
Macao-Barre rechtzeitig passieren zu können. :
Neuerungen an Marinebarometern, veranlaßt durch Schwere-
messungen auf See.
Von Dr. JS. B. Messerschmitt in München.
Die Bestimmung der Intensität der Schwerkraft konnte mit den bisherigen
Methoden nicht zur See ausgeführt werden, da diese eine feste Aufstellung der
Instrumente erfordern. Nur einmal gelang es, mit Pendeln brauchbare Schwere-
messungen auf dem Meere anzustellen, nämlich Scott Hansen während der
Nansenschen Polarfahrt auf festgefrorenem Schiffe. Aber ganz abgesehen davon,
daß solche Beobachtungen nur in hohen Breiten ausgeführt werden können, so
sind sie dort solchen Fehlerquellen, besonders durch die Ungenauigkeit der
Uhrgänge, ausgesetzt, daß sie selten günstige Resultate liefern werden.
Es sind deshalb schon verschiedene Methoden angegeben worden, von
welchen diejenige schließlich zu einem günstigen Resultate führte, welche die
Änderung, die die Höhe der Barometersäule unter dem Einfluß einer Schwerkrafts-
änderung erleidet, zu berechnen erlaubt. Die einfachste Art würde die Ver-
gleichung von Quecksilberbarometern mit Aneroiden liefern, da die Angaben
des Aneroids nicht von der Schwerkraft abhängen. Allein diese Instrumente
geben wegen der oft sprungweisen Elastizitätsänderungen ihrer Metallfedern
keine für diese Zwecke ausreichende Genauigkeit. Dagegen liefern die Siede-
thermometer einwandsfreie Angaben, wenn es gelingt, genügend feine Thermo-
meter herzustellen, die den Siedepunkt auf die Tausendstel Grad abzulesen
gestatten. Dank der großen Fortschritte, welche die Glastechnik in den letzten
Jahrzehnten, namentlich in Deutschland gemacht hat, ist dies möglich, und hat
Mohn‘) zuerst auf dem Lande die Genauigkeit erprobt. Die von ihm erzielten
Resultate waren für seine Zwecke, nämlich zur Ermittelung der Schwerekorrektion
der Quecksilberbarometer für den meteorologischen Gebrauch in Norwegen,
völlig hinreichend.
Sollte aber diese Methode auch auf dem Meere brauchbare Ergebnisse
liefern, so mußte die Genauigkeit noch mehr erhöht werden. Hierzu gab der
Direktor des geodätischen Instituts in Potsdam, Prof. Helmert, die Anregung,
der O0. Hecker Folge leistete, indem er nach den nötigen Voruntersuchungen
1) H, Mohn: Das Hypsometer als Luftdruckmesser und seine Anwendung zur Bestimmung
der Schwerekorrektion. Vidensk. Selsk. Skrifter. M.-N. Kl. Christiania 1899. Nr. 2. -