Capelle: Telephonische Zeitsignale in Wilhelmshaven,
151
Bei der elften, zwölften usw., einundzwanzigsten, zweiundzwanzigsten usW.,
einunddreißigsten,. zweiunddreißigsten usw. Minute sowie bei den noch fehlenden
Minuten wiederholen sich diese Signale in sinngemäßer Weise,
Bei diesen Signalen setzt der kurze Ton jedesmal bei der Sekunde 2 ein,
der lange Ton hingegen dauert von Sekunde 7 bis Sekunde 9. Daraus ergibt
sich, daß bei den Minuten 6,16, 26, 36, 46 und 56 zwischen. dem kurzen . und
dem langen Tone eine Pause von Sekunde 3 bis Sekunde 7 eintritt. Diese Pause
verringert sich allmählich, bis sie bei den Minuten 10, 20, 30, 40 und 50 gänzlich
verschwunden ist. Hier folgen die fünf kurzen und der lange Ton unmittelbar
aufeinander.
Bei der Beobachtung des Zeitsignals ist es daher notwendig, den Hörer
des Fernsprechers so lange am Ohr zu behalten, bis die 10. Sekunde verstrichen
ist, da sonst Beobachtungsfehler von fünf Minuten eintreten können, indem man
Minute 1, 11, 21, 31, 41 und 51 mit 6, 16, 26, 36, 46 und 56 verwechseln kann
und ebenso die anderen Minuten 2 mit 7, 3 mit 8, 4 mit 9 usw.
Für die Minutenzahl 0, d. h. für die volle Stunde ist ein besonderes Signal
gewählt worden; es besteht aus einem langen, ununterbrochenen Ton, der mit
Sekunde 2 einsetzt und mit Sekunde 9 aufhört.
Um Verwechselungen zwischen den Sekunden- und Minutensignalen vor-
zubeugen, ist die Klangfarbe der für ihre Abgabe verwendeten Sirenen ver-
schieden abgetönt. Für die Sekundensignale sind hellere Töne genommen und
für die Minutensignale tiefere,
Um den Schiffahrtskreisen die Benutzung der telephonischen Zeitsignale
für ihre Chronometer-Standbestimmungen zu erleichtern, werden die Wilhelms-
havener-Signale genau in der gleichen Weise abgegeben wie die Hamburger,
Dies ist wesentlich, weil die telephonischen Zeitsignale nicht auf diese beiden Orte
beschränkt sind, sondern auch in all den Plätzen abgehört und benutzt werden
können, die an das Fernsprechnetz von Hamburg und Wilhelmshaven angeschlossen
sind. Auf diese erweiterte Verwendungsmöglichkeit ist bei der Anlage der tele-
phonischen Zeitsignale insofern Rücksicht genommen, als sie ausschlaggebend bei
der Frage war, wie oft die Signale abgegeben werden sollten. Da die Dauer
eines gewöhnlichen Ferngesprächs drei Minuten beträgt, so mußte der Zwischen-
raum zwischen zwei aufeinanderfolgenden Zeitsignalen auf eine Minute fest-
gesetzt werden, damit man außerhalb von Hamburg und Wilhelmshaven innerhalb
dieser Zeit mindestens ein sicheres Zeitsignal erhält.
Versuche, welche von Hamburg und Wilhelmshaven aus in der Abnahme
von telephonischen Zeitsignalen im Fernverkehr angestellt sind, haben ergeben,
daß die Signale sowohl innerhalb der Dauer eines gewöhnlichen Ferngespräches
wie auch auf große Entfernungen (Hamburg—Kopenhagen, Königsberg, Köln,
München, Paris) mit Sicherheit abzuhören sind. Die Vorteile, welche die tele-
phonischen Zeitsignale für die Chronometer-Standbestimmung gegenüber den
sonst üblichen Einrichtungen haben, sind folgende,
Da sie unausgesetzt Tag und Nacht abgegeben werden, ist die Ausführung
der Standbestimmung an keine Zeit gebunden. Dies ist sowohl für Kriegsschiffe
wie auch für Handelsschiffe wesentlich, da bei beiden häufiger Fälle eintreten,
die sie zwingen, schnell in See zu gehen, Da die Luftschiffahrt für ihre Zwecke
gleichfalls der Kenntnis der genauen Zeit bedarf, so ist für sie die Einrichtung
ebenfalls von großem Werte, und zwar um so mehr, als bei ihr noch häufiger
Fälle eintreten werden, in denen ein Aufstieg erfolgen muß, mit dem vorher
nicht gerechnet ist. .
Die Art, in der die Signale abgegeben werden, gestattet eine scharfe
Beobachtung in äußerst bequemer Weise, Ohr und Augen können bei ihr voll
und ganz ausgenutzt werden, ohne sich gegenseitig zu stören. Während die
Aufmerksamkeit des Ohres auf das Eintreffen der Signale gerichtet ist, vermag
man die Augen .unausgesetzt auf die Beobachtungsuhr ‚oder das Zifferblatt
des mitgebrachten. Chronometers zu richten, Ja man kann sogar an Bord von
Schiffen, welche telephonisch mit dem Lande verbunden sind, seine Stand-