Prager, M.: Zur Meteorologie der Gilbert-Inseln ete,
wird, indem häufig zur Nachtzeit in der Nähe solcher Inseln Windstille eintritt
oder nur eine leichtere Luftbewegung aus der vorherrschenden Windrichtung
bemerkbar ist, die erst nach Sonnenaufgang allmählich an Stärke wieder zu-
nimmt, während auf dem freien. Ozean höchstens vor Sonnenaufgang und bei
Sonnenuntergang, sonst aber keine Schwächung des Windes beobachtet wird.
Ferner wird durch die beträchtliche Erwärmung des seichten Wassers in der
Nähe der Korallenriffe und namentlich in den Lagunen und durch die damit
zusammenhängende stärkere Verdunstung der Feuchtigkeitsgehalt der Luft stark
beeinflußt, von dem die Wolkenbildung und infolgedessen die entscheidenden
Niederschläge abhängig sind.
Zur näheren Erforschung der klimatischen und meteorologischen Ver-
hältnisse in jener Gegend des Stillen Ozeans ist nun das bisher vorhandene
Beobachtungsmaterial bei weitem unzulänglich, wenigstens liegen wohl nur sehr
wenige für eine längere Zeitdauer angestellte Beobachtungen vor. Um die
vorhandene Lücke etwas auszufüllen, wurden die nachstehenden Berechnungen
auf Grund des Materials durchgeführt, das in den Jahren von 1900 bis 1902 in
der Gilbert - Gruppe durch Kapt. O0. Keßler, Führer des Handelsschoners
„Neptun“ (Jaluit-Gesellschaft) für die Deutsche Seewarte gesammelt worden ist.
Die gewissenhafte Durchführung der aufgezeichneten Beobachtungen und
die Zuverlässigkeit der benutzten meteorologischen Instrumente finden durch das
Ergebnis der angestellten Berechnungen volle Anerkennung und Würdigung.
Während der Zeitdauer vom Beginn des Jahres 1900 bis Juli 1902 wurden
für die meteorologischen Aufzeichnungen folgende Instrumente benutzt: 1 Aneroid-
barometer Holosteric Nr. 32 834 nach engl. Zoll, je 1 Luft- und Wasserthermo-
meter, sowie 1 Psychrometer, eingeteilt nach Celsiusgraden; die letzteren
3 Instrumente sind Eigentum der Deutschen Seewarte, und ihre Korrektion ist
für alle in Betracht kommenden Ablesungen = 0,0°C. Die Thermometer be-
finden sich, 75 cm über Deck, in einem Jalousienkasten, der an der hinteren
Kajütenwand befestigt ist. Bedauerlich ist es, daß das Ergebnis der Berechnungen
für den Luftdruck aus dem Grunde unberücksichtigt gelassen werden mußte,
weil eine genaue Korrektion für das Aneroidbarometer nicht zu ermitteln war
and weil jedenfalls dieses Instrument während der Beobachtungszeit einer
Anderung unterworfen gewesen ist. Der Schoner „Neptun“ hat während der an-
gegebenen Zeit, abgesehen von zwei kurzen Unterbrechungen, beständige Rund-
reisen in der Gilbert-Gruppe ausgeführt und stets jeden einzelnen Atoll angelaufen,
Die Rundreisen wurden von Butaritari, dem nördlichsten Atoll, aus unternommen.
Zu erwähnen ist, daß zu jeder Jahreszeit, wegen der fast im ganzen Gebiet der
Gilbert - Gruppe vorherrschenden äquatorialen Westströmung, stets zwischen
2° bis 5° N-Br. mit Hilfe der äquatorialen östlichen Gegenströmung gegen den
zu Zeiten starken Ostnordost- bis Nordostwind so weit aufgekreuzt werden muß,
daß mit stark südlichem Kurse und. einer von 2° N-Br. bis 4° S-Br. im Durch-
schnitt 40 Sm nach Westen setzenden Strömung: die südlichste der Gilbert-
Inseln Arrorai auch erreicht werden kann. Von dort aus liegen alle Atolle
westlicher und sind mit den vorherrschenden östlichen Winden leicht zu er-
reichen. Auch während der Dauer des Nordwestmonsuns (Dezember bis März)
ist es nicht ratsam, einen direkten Kurs nach einem der südlichsten Atolle zu
wählen, denn die westlichen Winde sind nicht von längerer Dauer, auch wird
die äquatoriale westliche Strömung während der Monsunzeit nicht wesentlich
geschwächt. Mißglückt ein unternommener Versuch, so bleibt nur übrig, wieder
nördlich vom Aquator nach Osten aufzukreuzen oder, falls man sich schon auf
südlicher Breite befindet, bis 6° S-Br. und darüber hinaus zu segeln, um dort iu
der stromfreien Zone genügend östliche Länge zu holen.
Mit Ausnahme der Angaben über Meeresströmungen, der in Prozenten
gegebenen verschiedenartigen Gestaltung der Wolken und der sonstigen meteoro-
logischen Erscheinungen, sind alle nachstehenden Berechnungen für .das Gebiet
der Gilbert - Inseln, so weit wie angängig, in drei Zonen geteilt, und zwar:
4° bis 2° N-Br., 2° bis 0° N-Br., 0° bis 2° S-Br., zwischen 173° bis 177° O-Lg.
Die den einzelnen Tagesmitteln und den Endresultaten beigefügten Exponenten
yeben die Anzahl der benutzten Beobachtungen wieder. Ferner wird später
auf den täglichen Gang der Temperatur und des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft,
von denen eine graphische Darstellung beigegeben ist, hingewiesen werden.
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