346 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1903,
langsam über dem Atlantischen Ozean nach Osten hin fortbewegte. Wir ver-
suchten mehrere Male die von der Deutschen Seewarte *) empfohlene Route, ohne
daselbst bessere Verhältnisse zu treffen. Wir entschlossen uns deshalb möglichst
Nord gut zu machen, um auf diese Weise auf die Nordseite des Maximums zu
kommen und dort eventuell ein Gebiet südwestlicher Winde zu finden. Bis
nach 36° N-Br. 59° 30‘ W-Lg. hatten wir von Havana 20 Tage‘ gebraucht. Am
16. März hatten wir auf etwa 34° 30’ N-Br. und 63° W-Lg. Nordoststurm, der
uns zum Beiliegen zwang. Vom 20. bis 29. März hatten wir sehr leichte Winde
aus dem westlichen Halbkreis, in denen das Schiff sehr wenig Fortgang machte,
ausgenommen am 26, März, an welchem Tage auf 40° N-Br. 57° W-Lg. ein
Sturm aus SW—NW wehte. Das Schiff lenzte in diesem Sturme unter mög-
lichst großem Segelpreß sehr gut; wir waren aber gezwungen, nach dem Seegang
zu steuern, da das Schiff bis 43° nach beiden Seiten und etwa 6 Doppel-
schwingungen in der Minute schlingerte.
Am 29, März war das Schiff auf 42° 30‘ N-Br. und 38° W-Lg. Da der
Wind wieder östlich holte und eine Besserung der Verhältnisse nicht abzusehen
war, so setzten wir Kurs auf Fayal, um frischen Proviant einzunehmen. Vom
30. auf 31. März hatten wir auf etwa 41° N-Br. und 34,5° W-Lg. einen Sturm
aus NW von etwa 9 Stunden Dauer mit schweren Regen- und Hagelböen und
hoher wilder See aus NNW. Beim Abflauen des Windes ging derselbe wieder
auf NO und O und schließlich SO (Stärke 2 und 3). Wir kreuzten nun gegen
leichte Winde aus dem Südostquadranten auf und waren am 3. April mittags
23 Sm 226° (SW!/W) von der Nordspitze von Flores-Insel entfernt. Von hier
bis Fayal hatten wir sehr leichte Winde und mehr oder minder diesiges Wetter,
Am Morgen des 5. April kam in 123° (SOz0!/0O) Land in Sicht, welches sich
beim Näherkommen als Cedros-Point (Fayal) herausstellte; dieselbe war beim
Insichtkommen 13,5 Sm entfernt. Wir hatten von hier gegen sehr leichten
Südsüdostwind aufzukreuzen und erreichten am 6. April um 11® 35a V die
Reede von Horta, wo wir in folgenden Peilungen auf 29,3 m (16 Faden) Wasser
ankerten: Castello de Bom Jesus mw.350° (N’/sW) und Molenkopf mw. 266°(W/88).
Fayal. Ansteuerung. An der Westseite der Insel Fayal setzte ziem-
licher Nordoststrom an manchen Stellen direkt auf Land zu. Nach dem Passieren
von Castello-Branco Point wurde der Strom östlich und somit günstig. Für die
Ansteuerung wurden die Spezialkarten der englischen Admiralität sowie das
North Atlantic Sailing Directory von Findlay und die Hafenbeschreibung der
Deutschen Seewarte über die Not- und Ordrehäfen der Azoren aus den „Annalen
der Hydrographie etc.“ benutzt. Auf der Strecke von Flores bis Fayal waren
die atmosphärischen Verhältnisse für astronomische Beobachtungen sehr ungünstig.
Vormittagsbeobachtungen versetzten das Schiff 10 bis 12 Sm westlich, während
das Nachmittagsbesteck das Schiff ebenso viel nach Osten hin versetzte, obgleich
bei sämtlichen Beobachtungen die Höhen für sämtliche durch Luft- und Wasser-
temperatur sowie Barometerstand verursachten Ungenauigkeiten verbessert waren.
Telegraphische Vergleiche in Fayal mit der Normaluhr der Deutschen Seewarte
in Hamburg ergaben den Chronometerstand als richtig, ein Zeichen, daß man
mit Chronometerstandbestimmungen aus Landpeilungen und astronomischen Be-
obachtungen in dieser Gegend sehr vorsichtig sein muß.
Die seit diesem Jahre ermöglichte telegraphische Vergleichung
der Chronometer mit der Deutschen Seewarte in Hamburg ist für
4) Die Deutsche Seewarte empfiehlt in den Segelhandbüchern und Atlanten für Segler
nicht ein für alle Male bestimmte Wege. Wenn die angetroffenen Verhältnisse von den mittleren
so abweichen, wie es hier z. B. am 10. März auf 36° N-Br. und 70° W-Lg. der Fall war,
nämlich ein sehr hoher Barometerstand von über 775 mm mit östlichen Winden verbunden auftritt,
dann empfiehlt die Deutsche Seewarte vor allen Dingen, den Kurs mit Rücksicht auf die augen-
blickliche Wetterlage zu wählen und demnach auf Steuerbordhalsen nach Norden zu stehen, „Es
kann nicht dringend genug angeraten werden, beim Verlassen des Passatgebietes den Kurs nicht
zu früh nach Osten zu verändern“ (Segelhandbuch f. d. Atlant. Ozean 2. Aufl. S. 529 oben; auch
S. 528 oben). Als der SO-Wind am Nachmittage des 10. März etwas nördlich von Ost holte,
hätte man also gleichwohl auf denselben Halsen bleiben sollen, Das ist aber hier nicht geschehen;
es mufste am 10. März und an den folgenden Tagen nicht Breite zugesetzt, sondern noch mehr
Breite geholt werden, um möglichst bald das Hochdruckgebiet im Westen zu umsegeln und damit
an die Nordseite desselben und in das Gebiet südwestlicher Winde zu gelangen. D. Seewarte,