Hoeck, A.: Winterreise des deutschen Schulschiffes „Großherzogin Elisabeth“ etc. 345
Stromversetzungen zwischen Havana und Kap Canaveral.
Wind
0SO (1—2)
0S0O (3—4)
NO-ONO (3—5)
NO-O0O 35
Von
Havana
28° 15‘ N 82° 13‘ W
24° 28‘ N 80° 45’ W
26° 6’ N 79°48‘ W
Bis
23° 15’N 82° 13’ W
24° 28‘ N 80° 45‘ W
26° 6‘N 79° 48' W
989 94‘ N 79° 33’ W
Strom-
versetzungen
rW.
"m
Nz 01440 ?,9
Ol/aN 17,8
NNO340 57,3
NW 72.4
in
Std,
5b
24b
24h
24h
Mittlere
Wassertemp.
°C
Anweisungen für die Navigierung in westindischen Gewässern.
| In den Durchfahrten wird es vorteilhaft sein, sich möglichst an der
juvwärts gelegenen Küste zu halten, da auch der Strom auf dieser Seite meist
günstiger ist wie an der leewärts gelegenen Küste.
Befindet man sich in Lee von hohen Inseln, so ist wegen der oft un-
vermutet einfallenden Böen Vorsicht geboten. Man sollte in diesem Falle
immer weit genug von Land ab sein, um bei plötzlich auflandig werdendem
Winde noch manövrierfähig zu bleiben.
Land- und Seebrise treten an fast allen Inseln auf und namentlich da,
wo dem hohen Land noch ein niedriges Uferland vorgelagert ist. Bei bedecktem
Himmel ist weder Land- noch Seebrise scharf ausgeprägt, erstere setzt in diesem
Fall manchmal garnicht ein,
Die Stromverhältnisse sind zeitweise sehr unregelmäßig, doch lassen
sich folgende Grundsätze mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen.
Auf der Luvseite der Windwards-Inseln und in einigen der südlicheren
Durchfahrten ist die Stromversetzung meist eine nördliche, während die Ver-
setzung in Lee der Inseln bis zu einer beträchtlichen Entfernung durchweg
W—WNW ist. In der Mona- und Windward-Passage setzt der Strom in der
Mitte der Durchfahrt ins Karaibische Meer, während auf beiden Seiten entweder
ein Gegenstrom oder ein solcher auf Land zu gefunden wird. Zwischen Gran
Cayman und San Antonio (Kuba) setzt der Strom 0O—SS0. In der Yucatan-
Straße ist die Versetzung W bis NW. Zwischen San Antonio und Bahia Honda
setzt ein Strom auf die Küste zu. Zwischen Bahia Honda und Havana fühlt man
die ersten Anfänge des Golfstroms. In der Florida-Straße war der Golfstrom im
März bedeutend stärker zu verspüren als im Februar.
Zur Zeit der Syzygien sind die Witterungsverhältnisse und Stromver-
setzungen sehr unregelmäßig. Die meisten Strandungen der zwischen den
Inseln verkehrenden Schiffe sind wohl weniger den Stromverhältnissen, als
vielmehr einer sorglosen Navigation zuzuschreiben. Wenn Grund zu erhalten
ist, darf vor allen Dingen das Lot nicht vernachlässigt werden. Kine Reihe
von Bänken im Karaibischen Meer läßt sich mit Leichtigkeit anloten. Sieht
man nach einiger Zeit zum ersten Male wieder Land, so sollte man zur Sicher-
heit seinen Schiffsort stets. gleichzeitig auch astronomisch festlegen. Auf diese
Weise wird ein Irrtum ausgeschlossen bleiben. Bei Nacht muß das Besteck,
namentlich in der Nähe gefährlicher Durchfahrten oder bei ungewissen Strom-
verhältnissen, durch Sternbeobachtungen beständig kontrolliert werden. Die
Navigation mit Hilfe von Standlinien macht bei klarem Wetter (und der Himmel
ist in Westindien selten so bedeckt, daß nicht einige Sterne zu sehen wären)
einen bedeutenden Irrtum im Schiffsort und eine daraus entstehende, gefährliche
Position des Schiffes unmöglich.
Von Kap Canaveral nach Fayal. ;
Wir befanden uns am Mittag des 4. März auf 30° 25‘ N-Br. 79° 21‘ W-Lg.
Von hier bis 5. März (31° 47‘ N-Br. 78° W-Lg.) hatten wir mäßige Winde aus
östlicher Richtung bei östlicher Dünung. Wir passierten hier sehr viel treibendes
Golfkraut (Felder). Von hier bis 36° 0‘ N-Br. und 59° 30‘ W-Lg. (20. III) blieb
der Wind leicht aus dem östlichen Halbkreis, häufig durch Stillen unterbrochen,
bei abnorm hohem Barometerstand und meist hoher östlicher Dünung. Demnach
mußte sich das Schiff in einem barometrischen Maximum befinden, das sich
Ann. dA. Hyär. eto.. 1908. Heft YII.