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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Hoeck, A.: Winterreise des deutschen Schulschiffes „Großherzogin Elisabeth“ etc. 343 
Elder Dempster Steamship Company bringen ebenfalls Schiffe von Port Royal 
nach Kingston. Die Schleppgebühren ‚eines solchen sollten für unser Schiff 
15 £ betragen. Unter diesen Umständen hielten wir denselben für nicht er- 
forderlich, sondern glaubten, mit Hilfe. von See- und Landbrise selbst nach 
Kingston segeln zu können. Am 7. Februar 6* N gingen wir Anker auf und 
segelten bei steifer SO-Brise durch den Ship-Channel. Nach dem Passieren 
dieser Enge nahm der Wind derart zu, daß die Bramsegel geborgen werden 
mußten und ein Aufkreuzen unmöglich wurde. Wir ankerten deshalb in 
Kingston-Bai querab von Greenwich auf 9,1 m (5 Faden) Wasser, um am nächsten 
Morgen mit Hilfe der Landbrise vor die Stadt zu segeln. Wir gingen am 
8. Februar 6* V wieder Anker auf und erreichten bei sehr leichter nördlicher 
Landbrise um 8" V Kingston, wo wir querab von Market-Wharf ankerten. 
Kingston. Während des Aufenthalts in Kingston waren Land- und See- 
brise regelmäßig. Die Seebrise setzt gegen Mittag ein und weht aus der 
Richtung SO—0S0 3—6 bis Sonnenuntergang. Bis 9"N herrscht dann ‚ge- 
wöhnlich Stille. Zwischen 9 und 10* N setzt die Landbrise ein.und weht aus 
der Richtung N-NNO 1—2 bis etwa 8 V. Die steife Seebrise erschwerte zeit- 
weise den Bootsverkehr. Proviant ist gut und wohlfeil. 
Yon Kingston über Port Royal und Gran Cayman nach Havana. 
Will man Kingston ohne Schlepperhilfe verlassen, so hat man die See- 
brise des einen nachmittags bis Port Royal zu benutzen und dort bis zum 
nächsten Morgen zu ankern. Von hier kann man dann mit der leichten nörd- 
lichen Landbrise durch den größten Teil des South-Channel hindurchkommen, 
ehe die Seebrise einsetzt. Es ist nicht ratsam, abends mit der Landbrise Port 
Royal zu verlassen, da dieselbe sehr leicht und unbeständig ist. 
Wir verließen Kingston am 13. Februar um 5" N bei 0SO 3 und segelten 
durch den Ship-Channel auf Port Royal-Reede zu, wo wir um 6" N ankerten. Am 
nächsten Morgen gingen wir um 6" V bei leichtem nordwestlichen Zug Anker 
auf und segelten von Port Royal durch den South-Channel in See, indem wir 
uns möglichst auf der östlichen Seite des. Kanals hielten. Bis Portuguese- 
Bank-Tonne blieb der Wind leicht aus NW. Hier ging der Lotse von Bord, 
and gleich darauf setzte die Seebrise mit ONO (6) ein. Gegen Mittag war der 
Wind NOzO (8), sodaß nur die Fock- und Marssegel geführt werden konnten. 
Wir steuerten südlich, um möglichst bald von der Bank herunterzukommen, 
auf welcher eine abnorm hohe Dünung stand, in der das Schiff wild stampfte 
und schlingerte. ‚Außerdem setzte ein westlicher Strom auf die Riffe zu. Um 
Mittag waren wir 172° (S%/40) 14 Sm von Portland-Point entfernt. Wir 
steuerten jetzt westliche Kurse, um zwischen Jamaika und Pedro-Bank zu 
passieren, Hier fanden wir südlich von Jamaika zwischen Portland- und Negril- 
Point einen SSW'/AW-Strom von 0,5 Knoten. Wir erreichten die Reede von 
George-Town (Gran Cayman) am 10. Februar. 
Ansteuerung von George-Town (Gran Cayman). Die Insel war als 
niedrige dunkle Linie auf 12 Sm Entfernung aus 8 m Augeshöhe auszumachen. 
Auf der Südseite, an welcher wir in 3 Sm Abstand entlang segelten, ist eine 
große Niederlassung, doch ist hier der. schweren Brandung wegen eine Landung 
vollkommen ausgeschlossen. Beim HEinsegeln auf die Reede muß man sich 
hüten, näher als 1 Sm an SW-Point heranzugehen, da sich dort ein Riff !/a Sm 
seewärts erstreckt. Dieses ist aber. an der Brandung und dem verfärbten 
Wasser gut zu erkennen. George-Town-Reede ist geschützt gegen östliche 
Winde. Da ein längerer Aufenthalt nicht beabsichtigt war, hatten. wir nicht 
geankert, sondern waren unter Segel geblieben und lagen beigedreht. 
George-Town. Die Bewohner, Nachkommen der Boucänier, welche 
sich hier um die Mitte des 18. Jahrhunderts niederließen, haben sich nur wenig 
mit Negern vermischt und sind große und kräftige Gestalten. Die Anlage der 
Häuser zengt von Wohlstand. Fische und Schildkröten sind wohlfeil zu erhalten. 
Abfahrt von George-Town: Um 2" N braßten wir wieder voll und ver- 
ließen die Reede. Zwischen Gran Cayman und Kap San Antonio (Kuba) setzte
	        
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