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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1903
Die Winterreise des deutschen Schulschiffes „GroßherzoginElisabeth“
im Atlantischen Ozean.
September 1902 bis April 1903.
Von A. Hoeck, Navigationsoffizier,
(Schluß.)
Yon St. Thomas nach Santo Domingo (Haiti).
Wir verließen den Hafen von, Charlotte Amalia am 28. Januar 11" V bei
ONO (3—4) und manövrierten zur Übung bis 5" 15" N, Um diese Zeit peilten
wir Frederichssted-Leuchtturm (Santa Cruz) 90° (Ost) 5,5 Sm und steuerten
von hier aus Kurs. Bis Santo Domingo blieb der Wind zwischen OSO und
NO mit Durchschnittstärke 5. Die Stromversetzungen waren im Mittel
WSW*/AW 1 Knoten. Am Mittag des 29. Januar peilten wir den Leuchtturm
von Caja de Muertos-Insel (Puerto Rico) 0° Nord 14,5 Sm entfernt. Die Insel
Caja de Muertos hebt sich dunkel gegen das Hinterland ab und ist hoch und
eben. Abends 6" peilten wir Guanica-Leuchtturm auf Meseta-Point 41° (NO%N)
und Morillos de Cabo Rojo-Leuchtturm 308° (NW°/sW). Wir waren gezwungen
züdlicher zu steuern, um dem in die Mona-Passage hineinsetzenden und nach
Norden laufenden Strom zu entgehen. Das Leuchtfeuer von Mona-Insel kam in
27 Sm Abstand in 319° (NW N) in Sicht.
Am nächsten Mittag (30. Januar) waren wir 21 Sm 158° (SSO) von
Cana-Point (Saona-Insel) entfernt, doch war das Land nicht zu sehen. Am
31. Januar konnten wir den Feuerschein der Stadt Santo Domingo um 7° N in
18 Sm Entfernung sehen; derselbe verschwand jedoch bald wieder im Regen.
Am 1. Februar segelten wir auf die Reede von Santo Domingo und ankerten
daselbst um 1° 40a N in folgenden Peilungen: Leuchtturm auf Bastion
St. Jose 3° (N'/40) und Torrecilla-Point 64°. (N0z0°0) auf 15 m (8 Faden)
Wasser über Schlammegrund.
Von Santo Domingo über Port Royal nach Kingston (Jamaika).
Wir verließen Santo Domingo-Reede am 3. Februar 10* V und steuerten
gut südlich, um dem auf Nizao- und Catalina-Point zu setzenden Strom (WSW
1 kn) zu entgehen. Beim Verlassen der Reede war der Wind 0SO2, steigerte
sich bald auf Stärke 4 und blieb bis Port Royal 0-0SO (5—8).
Während wir an der Südseite der Insel Haiti entlang fuhren, war das
Wetter sehr böig mit häufigen Regenschauern und sehr grober See und Dünung.
Am 4. Februar 10* V peilten wir Alta Vela-Insel 3° (N'/40) 2,7 Sm entfernt.
Zwischen Alta Vela und Kap Tiburon (Windward-Passage) setzte der Strom
O5/AN 1kn. In der Nacht vom 5. auf 6. Februar loteten wir um 1* V die
Albatross-Bank an und peilten am 6. Februar 5" 35%» V Morant-Leuchtturm
6° (N'20) 8:55 Sm ab. Das Leuchtfeuer von Morant-Point kam in 16 Sm Ab-
stand in Sicht.
Im allgemeinen soll man schon bei Morant-Point einen Jamaika-Lotsen
erhalten können; wir fanden jedoch keinen vor und erhielten denselben erst
bei Plum-Point. Die Segelanweisung des West India Pilot Vol. II für die
Strecke Morant-Point—Plum-Point ist sehr gut. Die angegebenen Landmarken
sind alle gut auszumachen. Von Plum-Point segelten wir durch den East-
Channel auf die Reede von Port Royal, wo wir, um den Besuch des Arztes
abzuwarten, in folgenden Peilungen ankerten. Südwest-Spitze von Port Royal-
Spit 145° (SO’/sS) und West Middle-Tonne 176° (SO).
Ansteuerung. Bei der Ansegelung von Port Royal ist der weiße Leucht-
turm von Plum-Point frühzeitig auszumachen, ebenso die Gebäude von Port
Royal. Östlich vom Leuchtturm ist ein rötlicher Einschnitt in dem dunklen,
felsigen Ufer der Kingston-Bai leicht zu erkennen, _
Port Royal. Als Schleppdampfer fungiert ein kleiner Schlepper der
„Atlas“ Linie. Derselbe war jedoch nicht stark genug, die „Großherzogin
Elisabeth“ gegen den Wind zu schleppen. Die kleineren Küstendampfer der