Rottok: Meereswellen-Beobachtungen,
341
hat gewissermaßen ein vollständiges verkleinertes Modell des Wellengebildes
vor sich und kann wie an einem solchen mittels einer hin und her zu be-
wegenden Marke, deren Verschiebungen an geeigneten Maßstäben abgelesen
werden, die Wellen nach allen Richtungen hin ausmessen,
Der Unterschied zwischen Komparator und Planigraph besteht einmal
darin, daß bei ersterem eine Vergrößerung des Bildes stattfindet und daher die
Einstellungen genauer sind, und zweitens in der Art der Anordnung der beweg-
lichen Marke und Maßstäbe. Beim Komparator wird die Marke in der Bildebene
der Mikroskope bewegt und die Platten vor den Mikroskopen parallel dieser Ebene
verstellt; die Messung geschieht daher ebenfalls parallel dieser Ebene an den
entsprechend am Apparat angebrachten Maßstäben. Bei dem Planigraphen da-
gegen muß die Marke in dem räumlichen Modell selbst, das der Beobachter
vor Augen hat und das in dem Raum vor dem Apparat hineinpro)iziert erscheint,
nach allen drei Dimensionen hin und her bewegt werden. Die Maßstäbe, an
denen die Verschiebung der Marke nach Breite, Tiefe und Höhe gemessen wird,
müssen daher in diesen drei Richtungen aufgestellt werden. Man kann auch in
das vom Planigraphen gelieferte räumliche Bild einen diesem Bilde entsprechend
verkleinerten Maßstab hineinlegen und so beispielsweise die Länge einer Welle
von Kamm zu Kamm mit diesem Stab abmessen.
Jeder der Apparate hat seine Vorzüge und Nachteile. Für den Komparator
genügt eine kürzere Basis bei einer bestimmten einzuhaltenden Genauigkeit, und
die Ausmessung des Bildes ist bequemer, da sie am Apparat selbst erfolgt,
während beim Planigraphen die Marke in dem Raum vor dem Apparat hin- und
hergeführt werden muß. Auch haften dem Planigraphen stärkere Verzeichnungen
des Bildes an. Ein wesentlicher Vorteil des letzteren besteht aber darin, daß
bei ihm die Zurückführung der Maße auf aufrechte Lage des Schiffes einfach
durch entsprechende Drehungen des Apparates erzielt werden kann, während
bei Verwendung des Komparators für jeden ausgemessenen Punkt erst noch
Rechnungen erforderlich sind.
Zur bildlichen Darstellung der Wellen wird man die verschiedenen
Methoden anwenden können, die auch zur Geländedarstellung dienen. Man
wird Pläne der Wellenzüge mit Höhenschichtlinien anfertigen oder Aufrisse
herstellen und Schnitte nach allen Richtungen durch die Wellen legen oder
auch räumliche Modelle anfertigen, die das. Studium der Wellenkurven ermög-
lichen und die Wellendimensionen mit der oben angegebenen Genauigkeit zu
messen gestatten.
Die verwirrenden Erscheinungen der sich durchkreuzenden Wellenzüge
werden an dem ruhigen Bilde entwirrt werden können und so auch das Studium
der Interferenz der Wellen, wie sie sich tatsächlich auf dem Ozean abspielt,
ermöglichen.
Kommen zu diesen Aufnahmen noch Bestimmungen der Geschwindigkeit
oder derPeriode der Wellen hinzu, die nach den alten Methoden ohne Schwierigkeit
und auch verhältnismäßig genau erhalten werden können, so ist alles zur
Charakteristik und Darstellung der Wellen Erforderliche vorhanden. )
Durch die telestereoskopischen Wellenmessungen würde demnach eine für
Wissenschaft wie praktischen Schiffbau gleich fühlbare Lücke ausgefüllt und
eine Prüfung der Theorie an der Natur selbst ermöglicht werden.
Die Nautische Abteilung des Reichs-Marine-Amts beabsichtigt, in Versuche
über die Brauchbarkeit des hier kurz geschilderten Verfahrens einzutreten.