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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Rottok: Meereswellen-Beobachtungen, 
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hat gewissermaßen ein vollständiges verkleinertes Modell des Wellengebildes 
vor sich und kann wie an einem solchen mittels einer hin und her zu be- 
wegenden Marke, deren Verschiebungen an geeigneten Maßstäben abgelesen 
werden, die Wellen nach allen Richtungen hin ausmessen, 
Der Unterschied zwischen Komparator und Planigraph besteht einmal 
darin, daß bei ersterem eine Vergrößerung des Bildes stattfindet und daher die 
Einstellungen genauer sind, und zweitens in der Art der Anordnung der beweg- 
lichen Marke und Maßstäbe. Beim Komparator wird die Marke in der Bildebene 
der Mikroskope bewegt und die Platten vor den Mikroskopen parallel dieser Ebene 
verstellt; die Messung geschieht daher ebenfalls parallel dieser Ebene an den 
entsprechend am Apparat angebrachten Maßstäben. Bei dem Planigraphen da- 
gegen muß die Marke in dem räumlichen Modell selbst, das der Beobachter 
vor Augen hat und das in dem Raum vor dem Apparat hineinpro)iziert erscheint, 
nach allen drei Dimensionen hin und her bewegt werden. Die Maßstäbe, an 
denen die Verschiebung der Marke nach Breite, Tiefe und Höhe gemessen wird, 
müssen daher in diesen drei Richtungen aufgestellt werden. Man kann auch in 
das vom Planigraphen gelieferte räumliche Bild einen diesem Bilde entsprechend 
verkleinerten Maßstab hineinlegen und so beispielsweise die Länge einer Welle 
von Kamm zu Kamm mit diesem Stab abmessen. 
Jeder der Apparate hat seine Vorzüge und Nachteile. Für den Komparator 
genügt eine kürzere Basis bei einer bestimmten einzuhaltenden Genauigkeit, und 
die Ausmessung des Bildes ist bequemer, da sie am Apparat selbst erfolgt, 
während beim Planigraphen die Marke in dem Raum vor dem Apparat hin- und 
hergeführt werden muß. Auch haften dem Planigraphen stärkere Verzeichnungen 
des Bildes an. Ein wesentlicher Vorteil des letzteren besteht aber darin, daß 
bei ihm die Zurückführung der Maße auf aufrechte Lage des Schiffes einfach 
durch entsprechende Drehungen des Apparates erzielt werden kann, während 
bei Verwendung des Komparators für jeden ausgemessenen Punkt erst noch 
Rechnungen erforderlich sind. 
Zur bildlichen Darstellung der Wellen wird man die verschiedenen 
Methoden anwenden können, die auch zur Geländedarstellung dienen. Man 
wird Pläne der Wellenzüge mit Höhenschichtlinien anfertigen oder Aufrisse 
herstellen und Schnitte nach allen Richtungen durch die Wellen legen oder 
auch räumliche Modelle anfertigen, die das. Studium der Wellenkurven ermög- 
lichen und die Wellendimensionen mit der oben angegebenen Genauigkeit zu 
messen gestatten. 
Die verwirrenden Erscheinungen der sich durchkreuzenden Wellenzüge 
werden an dem ruhigen Bilde entwirrt werden können und so auch das Studium 
der Interferenz der Wellen, wie sie sich tatsächlich auf dem Ozean abspielt, 
ermöglichen. 
Kommen zu diesen Aufnahmen noch Bestimmungen der Geschwindigkeit 
oder derPeriode der Wellen hinzu, die nach den alten Methoden ohne Schwierigkeit 
und auch verhältnismäßig genau erhalten werden können, so ist alles zur 
Charakteristik und Darstellung der Wellen Erforderliche vorhanden. ) 
Durch die telestereoskopischen Wellenmessungen würde demnach eine für 
Wissenschaft wie praktischen Schiffbau gleich fühlbare Lücke ausgefüllt und 
eine Prüfung der Theorie an der Natur selbst ermöglicht werden. 
Die Nautische Abteilung des Reichs-Marine-Amts beabsichtigt, in Versuche 
über die Brauchbarkeit des hier kurz geschilderten Verfahrens einzutreten.
	        
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