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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1903. 
gelben Augenblick Aufnahmen der Wellen gemacht. Die so erhaltenen beiden 
Bilder liefern, durch den einen oder anderen der genannten Apparate betrachtet, 
dem Beschauer ein räumliches Bild in bestimmtem, verkleinertem Maßstabe 
von den Wellen, das nach allen Richtungen hin und in aller Ruhe im Arbeits- 
raum ausgemessen werden kann und somit nicht nur wie die bisherigen Beob- 
achtungsmethoden Länge und Höhe, sondern auch die Form der Wellen ergibt. 
Die Messungen würden in zwei Abschnitte zerfallen: 
1. die photographische Aufnahme an Bord, 
2, die Ausmessung der erhaltenen Bilder an Land mittels des Stereo- 
Komparators oder Planigraphen. 
Zu 1. Zur photographischen Aufnahme der Wellen von Bord aus sind 
zwei Kameras erforderlich, die in einem bekannten Abstand voneinander derart 
aufgestellt sind, daß die photographischen Platten in einer der Standlinie d. h. 
der Verbindungslinie der Objektive der beiden Kameras parallelen Ebene liegen, 
die optischen Achsen parallel zueinander gerichtet sind und senkrecht auf der 
Plattenebene stehen. Erstere Bedingung ließe sich etwa dadurch erreichen, 
daß die Kameras an einem eisernen Träger von erforderlicher Länge unver- 
änderlich angebracht werden und dieser Träger an einem geeigneten Platze 
des Schiffes aufgestellt wird. Oder aber die Stative der Kameras werden fest 
mit dem Schiff verbunden, nachdem die richtige Einstellung der Platten erfolgt 
ist. Durch eine besondere Vorrichtung ist dafür Sorge zu tragen, daß die 
Kameras stets in derselben Weise auf die Stative aufgesetzt werden. Um die 
strenge Innehaltung der zweiten Bedingung, die Parallelität der optischen Achsen, 
stets zu gewährleisten, müssen an den Kameras geeignete Einrichtevorrichtungen 
angebracht sein. Die Senkrechtstellung der optischen Axen zu der Platten- 
ebene wird vom Mechaniker ausgeführt und braucht nicht weiter kontrolliert 
zu werden. Um die Instrumente gegen Brecher und Spritzwasser möglichst zu 
schützen, würde es sich vielleicht empfehlen, sie in den Marsen unterzubringen. 
Der Abstand der beiden Kameras voneinander richtet sich nach der ver- 
langten Messungsgenauigkeit und nach der Entfernung, in der die Wellen auf- 
genommen werden und die sich ihrerseits nach der Wellenlänge richten muß, 
Bei Benutzung des Komparators werden die größten Messungsfehler bei einem 
Kameraabstand, in der Horizontalen gemessen, von 10 m und einer Wellenlänge 
von 500 m in der Wellenlänge etwa 2 m, in der Höhe etwa !/a m betragen.!) 
Die Fehler der Länge sind umgekehrt proportional dem Kameraabstand und 
direkt proportional dem Quadrat der Entfernung. Die Höhenfehler sind fast 
unabhängig von der Basislänge, d. h. dem Kameraabstand und ändern sich nur 
wenig mit der Entfernung (0,2 m bei 200 m Entfernung und 0,6 m bei 1000 m). 
Soll die Ausmessung mit dem Planigraphen erfolgen und wird dieselbe Genauigkeit 
verlangt, so muß der Abstand der photographischen Apparate voneinander 
ungefähr um ebensoviel größer sein als die Vergrößerung der Mikroskope des 
Komparators beträgt, durch die bei diesem Apparat die Bilder betrachtet 
werden, d. h. vier-, sechs- oder achtmal so groß, 
Die Exposition der Platten muß gleichzeitig erfolgen und, um scharfe 
Bilder zu geben, momentan sein. Es ist daher mit einem elektrisch auszulösenden 
Momentverschluß zu arbeiten, der mittelst einer geeigneten Vorrichtung in 
Tätigkeit gesetzt wird, wenn die optischen Achsen der Kameras nahezu horizontal 
sind. Eine völlig horizontale Lage der optischen Achsen (wie auch der Basis) 
würde zwar die Ausmessung der Platten erleichtern, dürfte sich aber auf dem 
im Seegange arbeitenden Schiffe nicht erzielen lassen. Sie ist auch nicht er- 
forderlich, da die Platten selbst das Mittel bieten, die Messungen auf aufrechte 
Lage des Schiffes (d. h. Basis und optische Achsen horizontal) zu reduzieren. 
Zu 2. Die beiden photographischen Bilder werden in bestimmter Weise 
auf den Stereokomparator oder Planigraphben gebracht und liefern, durch ihn 
betrachtet, ein ruhiges räumliches Bild des Wellengebildes, das sich im Augen- 
blick der Belichtung vor den photographischen Kameras befand. Der Beobachter 
4) Es ist hierbei angenommen, daß die Aufnahme in Richtung der Wellenkämme erfolgt, 
d. h. die optischen Achsen parallel den Wellenkämmen gerichtet sind. Bei einer Aufnahme senkrecht 
zu den Wellenkämmen würden sich die Fehler etwas vergrößern.
	        
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