Rottok: Meereswellen-Beobachtungen.
Meeresgebiet: * Wellenhöhe (Meter)
Atlantischer Ozean, Gebiet der Passatwinde. . . . 1q
Südatlantischer Ozean, Westwindgebiet . . . . .
Indischer Ozean, Gebiet der Passatwinde .
Indischer Ozean, Westwindgebiet. . .
Chinesisches und Japanisches Meer .
Westlicher Stiller Ozean. .. . .
6)
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Als größte Wellenhöhen wurden gemessen vom „Challenger“ 7 m, von
der „Novara“ 11 m, von Päris 11,5m, Scoresby 13m, Abercromby 14 m.
Als Grenze darf 15 m angesehen werden. Die älteren Angaben mit viel höheren
Werten, von turm- und häuserhohen Wellen, verdienen wenig Glaubwürdigkeit;
sie gründen sich auch meistens nur auf Schätzungen, und diese Schätzungen sind
oft wenig zuverlässig und leicht optischen Täuschungen unterworfen dadurch,
daß man das geneigte Deck des Schiffes für horizontal hält und hierüber die
Höhe abschätzt; natürlich gelangt man auf diese Weise zu zu großen Werten,
In den Nebenmeeren sind die Wellen im allgemeinen kleiner als in den
offenen Ozeanen. Im Mittelmeer hat Graf Marsilli eine Höhe von 4,5m ge-
messen, nach Luksch und Wolf liegt das Maximum bei 5 m. Für die Nordsee
und Ostsee liegen wenige Messungen vor, die größten Höhen dürften für die
erstere auf 6 m, für die letztere auf 4,5 m anzunehmen sein.
Die Wellenlänge. Die längste Welle hat der französische Admiral
Mottez zu 825 m gemessen, dann James Clark Ross zu 580 m. ‘Doch bilden
Wellen von derartiger Länge, wenn sie wirklich vorkommen, seltene Ausnahmen.
Die Längen der gewöhnlichen Sturmwellen im offenen Ozean liegen
zwischen 60 und 140m, die durchschnittliche Länge beträgt 90—100 m, der
Höchstwert dürfte auf 400 m zu setzen sein.
Das Verhältnis der Höhe zur Länge nimmt im allgemeinen mit der Zu-
nahme der Wellenlänge ab, d.h. die Wellen werden flacher. Päris bestimmte
aus seinen Beobachtungen als Mittel H:L=1:833; für die hauptsächlichsten
von ihm untersuchten Meeresgebiete fand er folgende Werte:
Atlantischer Ozean, Passatgebiet . .
Indischer Ozean, - 4
Südatlantischer Ozean, Westwindgebiet
[ndischer Ozean, »
Östchinesisches Meer . . ..
Westlicher Stiller Ozean . . ..
Wenn bei sehr kurzen Wellen das Verhältnis 1:8 beobachtet worden
ist, so ist dies als Ausnahmefall anzusehen. Scoresby nimmt für die von ihm
beobachteten Wellen von 150 bis 180 m Länge das Verhältnis 1 : 20 an. — Man
wird nicht fehlgehen, wenn man als oberste Grenze */i0, als Mittel !/so und
als unterste Grenze !/so ansieht.
Die Geschwindigkeit der Ozeanwellen liegt gewöhnlich zwischen 11 m
und 15 m; als Mittel kann 13 m angesehen werden und als Höchstwert 24 m.
Die Wellenperiode beträgt meist 6 bis 10 *%*, ihr Mittelwert 7,5 **,
ihr oberer Grenzwert 15 sek,
H/L
(a5,
U 85,8
TEN ;
21,
a
Ua
Vorschlag für ein neues Verfahren zur Messung der Wellendimensionen durch
telestereoskopische photographische Aufnahmen.
Nach den Angaben von Dr. C. Pulfrich in Jena sind und werden von
der Firma Carl Zeiß Instrumente gefertigt, Stereo-Komparator und Stereo-
Planigraph genannt, die in erster Reihe zu astronomischen und topographischen
Aufnahmen bestimmt, sich auch zur Messung von Meereswellen eignen dürften.
Nähere Angaben über die Instrumente und ihren Gebrauch finden sich in dem
Druckwerk „Neue stereoskopische Methoden und Apparate für die Zwecke der
Astronomie, Topographie und Metronomie von Dr. C. Pulfrich — Berlin 1903,
Verlag von Julius N Springer“ — und im Maiheft der Zeitschrift für Instru-
mentenkunde 1903, „Über eine neue Art der Herstellung topographischer Karten
und über einen hierfür bestimmten: Stereo-Planigraphen von Dr. C. Pulfrich.“
Das Prinzip des Verfahrens ist kurz folgendes. Durch zwei in angemessener
Entfernung voneinander aufgestellte photographische Apparate werden in dem-