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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1903. 
In diesen Fällen sind Verbesserungen erforderlich, deren Größe durch 
Beobachtung der Lage der Wasserlinie festgestellt werden muß. 
Eine interessante Bestätigung für die vorgenannte Tatsache liefern die 
Beobachtungen von Dr. Franz Weitlauer, der zwecks Untersuchungen über 
die Ursache und Behandlung der Seekrankheit mit einem von ihm erdachten 
sinnreichen Apparat Messungen der Vertikalbewegungen eines Schiffes anstellte. 
Der Apparat war so konstruiert, daß er an den Vertikalbewegungen des Schiffes 
nicht teilnahm, sondern seine Lage im Raume beibehielt, nach der jene Be- 
wegungen gemessen werden konnten. 
Eine Reihe mit dem Apparat auf dem österreichischen Lloyddampfer 
„Carinthia“ (von 2771 t Deplacement) in der Straße von Formosa ausgeführten 
Messungen ergab bei einer Wellenhöhe von 4 bis 4’ m eine Maximalhebung 
des Hecks von 180 cm und der Schiffsmitte von 80 cm. Weitlauer zieht aus 
seinen Beobachtungen den Schluß, „daß die Vertikalbewegung eines modernen, 
komfortablen und genügend großen Passagierdampfers auch an seinen Endorten, 
Bug und Heck, selbst bei sehr stürmischer See selten 2 m erreicht, fast mie 
diese Ziffer übersteigt und gegen die Schiffsmitte hin in immer geringeren 
Dimensionen sich bewegt“.!) 
e) Zur Messung von niedrigen Wellen wurden von Froude und dem 
bereits erwähnten Leutnant Päris besondere Apparate konstruiert, die über 
Bord gesetzt und an denen nach Art der Pegel die Wellenhöhen abgelesen 
werden. Der Froudesche Apparat besteht aus einer langen mit Einteilung 
versehenen hölzernen Stange — nach Froude soll sie viermal so lang sein als 
die zu erwartende Wellenhöhe und mindestens auf ein Viertel ihrer Länge, 
d. i. die Höhe der Wellen, aus dem Wasser hervorragen —, die mit einem 
Treibanker festgehalten wird. Der Treibanker besteht aus einem schweren Lot 
oder anderem Ballast und einem horizontalen, mit Segeltuch überspannten 
Rahmen, dessen Fläche so groß sein muß, daß sie im Wasser genügend Wider- 
stand gegen eine Vertikalbewegung bietet. Dieser Anker wird so tief unter 
der Wasseroberfläche versenkt, daß er in einer Wasserschicht sich befindet, bis 
zu der die Wellenbewegung nicht hinabreicht; die Tiefe soll mindestens gleich 
der Wellenlänge sein. So verankert, nimmt die Stange an der Auf- und Ab- 
wärtsbewegung der Wellen nicht teil und läßt die Höhe dieser ablesen. 
Der Apparat von Päris zeigt in ähnlicher Weise an einer vertikal im 
Wasser schwimmenden Stange die Unterschiede der Wasserstände an und zeichnet 
sie selbsttätig auf, 
Beide Apparate haben indes bisher noch wenig Verwendung gefunden, 
sie sind kostspielig und unbequem in der Handhabung, und daher für den all- 
gemeinen Gebrauch wenig geeignet, 
Die Höhe niedriger und kurzer Wellen läßt sich bei hochbordigen 
Schiffen ohne besondere Apparate ganz gut an der Bordwand von Deck oder 
von einem Seitenfenster aus abschätzen. 
Die voraufgeführten Methoden machen, wie dies keiner weiteren Erläute- 
rung bedärf, keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit, sondern liefern nur 
angenäherte Werte. Zur Erhöhung der Genauigkeit empfiehlt es sich, nicht 
auf einzelne Messungen sich zu beschränken, sondern Beobachtungsreihen anzu- 
stellen und aus einer größeren Anzahl einwandsfreier Beobachtungen die 
Resultate abzuleiten. 
Einen Vorschlag für ein Verfahren, um mit großer Schärfe nicht nur die 
Wellendimensionen, sondern auch die Form der Wellen zu bestimmen, das aber 
noch nicht angewandt und erprobt ist, werde ich an den Schluß dieser Arbeit 
setzen. um den Zusammenhang hier nicht zu stören. 
Erschwert wird die Anstellung und Ausnutzung der Beobachtungen häufig 
noch dadurch, daß man es nicht mit einer einzelnen regelmäßig verlaufenden 
See, sondern mit mehreren durcheinander laufenden Wellensystemen und ihren 
Interferenzerscheinungen zu tun hat, d. h. der unter dem Einfluß des herrschenden 
1) „Mitteilungen aus dem Gebiete des Seewesens“, 1902 S. 985 und 503, Neue Unter- 
suchungen über Seekrankheit, Von Dr. Franz Weitlauer, vormals Schiffsarzt des österreichischen 
Lloyd. Wien 1902, Schlagergasee 7/5.
	        
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