Rottok: Meereswellen-Beobachtungen.
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zur Verfügung gestelltes Aneroidbarometer von Riedel-Hamburg. Für die
Umwandlungen der Luftdruckschwankungen in Höhendifferenzen legte er nach
Jelineks Angaben zu Grunde für 0,1 mm Druckänderung
bei einem Luftdruck von einen Höhenunterschied von
780 mm... 4. 1,03 m.
770 = 104 ,
760 1,05
750 + 07,
740 408 +
730 :,09
”
Zu der so gefundenen Wellenhöhe wurde noch eine Korrektion bis zu
1,8 m hinzugefügt dafür, daß das Schiff nicht die ganze Vertikalbewegung der
Wellen mitmachte — wofür weiter unten die Erklärung gegeben wird —. Die
so bestimmten Höhen stimmen leidlich gut mit den von Schott geschätzten
überein.) .
Die Methode ist zweifellos sehr bequem und einfach, und wenn es gelingt,
ein für die Zwecke geeignetes Instrument herzustellen, so wäre dadurch für die
Bestimmung der Wellenhöhen viel gewonnen.
c) Bei Schiffen, die im Geschwader fahren, läßt sich die Wellenhöhe
dadurch bestimmen, daß ein Schiff ein anderes, wenn dieses sich auf der Tal-
sohle befindet, über zwei oder mehr Wellenkämme hinweg anvisiert. Die Höhe
des Schnittpunktes der Visierlinie mit dem Schiff, die wenn nicht bekannt, ge-
messen werden muß, ergibt die Wellenhöhe. Dies Verfahren ist von. Wilkes
angewandt worden.
d) An Bord der österreichischen Korvette „Novara“ wurde auf ihrer
Expedition in den Jahren 1857 bis 1859 zur Bestimmung der Wellenhöhen der
Winkel gemessen, unter dem das Schiff in der Kiellinie sich auf der einen Seite
des Wellenberges hob und auf der anderen Seite wieder senkte. Aus diesem
Winkel und der ermittelten -Wellenlänge ergibt sich die Wellenhöhe als das
Produkt aus der halben Wellenlänge und. der Tangente des Winkels.
Von mehr historischem als praktischem Interesse scheint ein ähnliches
Verfahren zu sein, das Alexander von Humboldt auf der Fahrt von Guayaquil
nach Acapulco vom 9. bis 11. März 1803 zur Bestimmung der Wellenhöhe an-
wandte („Kosmos“, Band 4 S. 309). Er maß den Winkel zwischen der Sonne
und dem nächsten Wellenkamm einmal, wenn sich das Schiff auf dem Wellen-
berg, und zweitens, wenn es sich im Wellental befand. Die Differenz beider
Winkel ergibt den Böschungswinkel d. h. den spitzen Winkel an der Talsohle
in einem rechtwinkeligen Dreieck, welches gebildet wird aus der Wellenhöhe
und halben Wellenlänge als Katheten und der Verbindungslinie zwischen Wellen-
sohle und Wellenkamm als Hypothenuse; die Wellenhöhe ist dann, wie vorher,
gleich der halben Wellenlänge multipliziert mit der Tangente dieses Winkels.
Näheres über die Ausführung gibt Humboldt nicht an. Das Verfahren bedingt
jedenfalls eine große Fertigkeit im Winkelmessen,
Alle vorstehenden Methoden der Wellenhöhenmessung setzen voraus, daß
das Schiff in seiner ganzen Länge die vertikalen Bewegungen der Welle voll-
ständig mitmacht, d.h. auf dem Wellenberge wie auf der Wellensohle auf der-
selben, normalen Wasserlinie schwimmt. Dies ist indes bei langen Schiffen
selten der Fall. Ist z. B. das Schiff länger als die Welle und liegt mit den
Enden auf zwei Wellenbergen, so wird in dem mittleren, über dem Wellental
sich befindenden Teil die Wasserlinie unter der normalen liegen, an den Enden
über der normalen; befindet das Schiff sich dagegen mit seiner Mitte auf einem
Wellenberge, mit den Enden über je einem Wellental, so liegt die Wasserlinie
in der Mitte über. der normalen, an den Enden unterhalb dieser; die Auf- und
Niederbewegung ist kleiner als die Wellenhöhe.?)
) Petermanns „Mitteilungen“, Ergänzungsheft 109, 1893,
%) Eine entgegengesetzte Wirkung kann durch das Beharrungsvermögen des Schiffes hervor-
gerufen werden, infolgedessen das Schiff nach dem Anfhören der Auf- wie Abwärtsbewegung der
Welle die ihm mitgeteilte Bewegung noch kurze Zeit beibehält und bei der ersteren höher aus dem
Wasser emporsteigt, bei der letzteren tiefer herabsinkt.