Rottok: Meereswellen-Beobachtungen.
333
zeitig mit dem Logbrett auf einem Wellenkamm befindet. Die Länge der bis
zum nächsten, zweiten oder folgenden Wellenberg ausgelaufenen Leine ist, wenn
die See recht von vorn oder achtern kommt, gleich der einfachen, doppelten u. s. w.
Wellenlänge. Bilden Wellen- und Schiffsrichtung einen Winkel miteinander,
so ist die Ey nee Länge mit dem Kosinus dieses Winkels zu multiplizieren
(L = 10cos 8).
Das Verfahren, wenn auch noch wenig angewandt und vielleicht nicht
80 zuverlässig als das oben angeführte, ist doch wert weiter geprüft zu werden.
Nach dem Vorstehenden läßt sich für die Bestimmung der Wellenperiode,
Geschwindigkeit und Länge folgendes kurz zusammenfassen:
Man beobachte die Zeitdauer, welche ein Wellenkamm zum Durchlaufen
einer bestimmten, an Bord abgemessenen Strecke gebraucht (nach 1), sowie die
Zeitdauer, welche zwischen dem Passieren zweier aufeinander folgender Wellenkämme
an einer Marke verfließt (nach 2), und wenn die Länge der Welle kleiner
als die des Schiffes ist, die Entfernung zweier aufeinander folgender Wellenkämme
(nach 3); finde die Geschwindigkeit V je nach den gegebenen Verhältnissen
nach einer der Gleichungen 1a), bis 1d), die Periode T nach 2a), 2b)
oder 2c), und die Länge L nach 3a), oder 3b). Zur Kontrolle empfiehlt es sich,
L noch mit Hilfe von Gleichung 36 zu berechnen.
Ist die Welle länger als das Schiff, so findet die Bestimmung mittels des
Logs statt, oder es tritt an Stelle der direkten Messung die Berechnung von L
nach Gleichung 3e) oder einer der beiden folgenden Gleichungen ‚3d), 3e).
Anstatt T nach einer der Gleichungen 2, und dann L nach Gleichung 3c)
zu berechnen, kann man auch zunächst L nach Gleichung 3d), oder 3e) bestimmen
und darauf T nach Gleichung T = —
Wenn es, wie dies bei schwerem Seegang vorkommen kann, nur gelingt, die
scheinbare Periode T“‘, nicht aber die Geschwindigkeit V zu messen, so läßt
sich bei einem in Fahrt befindlichen Schiff die wahre Periode nach den Gleichungen
2b und 2e nicht mehr feststellen, doch kann man sie unter Zuhilfenahme der
Trochoidengesetze aus der scheinbaren Periode in folgender Weise berechnen:
Setzt man in Gleichung 3e .
. L = (V F scos 8) T'
für L aus Gleichung III den Wert ET? und für V aus Gleichung IV den Wert
EL T ein, so erhält man .
An (A rFs00sß)T, oder
(nn = FT’ 80088.
4 muN\2
4) T = T=)(5) FT s000ß.
V würde dann nach Gleichung IV, L nach III berechnet werden.
Beispiele. .
Auf S. M. S „Gazelle“ wurden folgende Beobachtungen angestellt.
1. Im südlichen Stillen Ozean auf 47° 30‘ S-Br. und 93° W-Lg., Wind
SW Stärke 5 bis 6. Das Schiff lag beim Loten auf Wind und See ohne Fahrt.
Zum Messen der Wellengeschwindigkeit war auf dem Oberdeck eine Entfernung
von 60 m abgemessen. .
Es wurde beobachtet: die Zeit t, die ein Wellenkamm zum Durchlaufen
dieser Strecke gebrauchte: 5 bis 7,5 5°; die Zeit T’, die zwischen dem Passieren
zweier aufeinander folgender Wellenkämme an derselben Marke verfloß: 10 bis 11°*
Daraus ergibt sich
nach 1a) Vı = ® = 12m
60
Va = 75° 8m
Im Mittel V = 10m.
Nach 2a) T="T' = 10,5%k im Mittel,
nach 8e) L==10 > 10,5 = 105 m.