Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August ‘1903.
a) bei still liegendem Schiff
2a) T=T,
wobei es keinen Unterschied macht, ob die Wellenbewegung parallel oder in
einem Winkel zur Kielrichtung erfolgt.
b) Bei in Fahrt befindlichem Schiff
ergibt sich T nicht unmittelbar aus der beobachteten Zeit T‘ — nennen wir
sie die scheinbare Periode —, sondern sie wird gefunden aus dieser und der
bereits bestimmten Wellengeschwindigkeit und der Schiffsgeschwindigkeit. Ist
die Geschwindigkeit des Schiffes s, so ist der Beobachtungsstand beim Passieren
des zweiten Wellenkammes in der Zeit T‘ um 8 T‘ in der Bewegungsrichtung
des Schiffes, und um s T’ cos £ in der Bewegungsrichtung der Wellen, wenn diese
mit der ersteren den Winkel ß bildet, verschoben. Die Welle braucht aber zur
Zurücklegung dieses Weges die Zeit 4 oder 5 und die wahre Periode
ist um so viel kleiner oder größer als die scheinbare Periode T‘, je nachdem
das Schiff sich mit oder gegen die Wellenrichtung bewegt, d. h. wenn die
See recht von achtern oder von vorn kommt, ist
‚—8 T' (— wenn die See von achtern kommt,
2 TE {x ® m m » Yorn »
oder, wenn Kielrichtung und Wellenrichtung den Winkel 8 bilden,
mus ST‘ cos ß f— wenn die See achterlich ist,
20 TPM ” » » Vorlich >.
Vorausgesetzt ist dabei, daß das Einvisieren der Wellen parallel den
Wellenkämmen, also senkrecht zur Fortpflanzungsrichtung der Wellen erfolgt.
3. Bestimmung der Wellenlänge.
Wenn die Länge der Wellen kleiner als diejenige des Schiffes ist, so
läßt sie sich dadurch bestimmen, daß durch zwei Beobachter an Bord diejenigen
Stellen festgestellt werden, an denen sich in demselben Augenblicke zwei auf-
einander folgende Wellenkämme befinden, und die horizontale Entfernung beider
Stellen voneinander in der Kielrichtung des Schiffes ausgemessen wird,
Ist diese Entfernung gleich l, so ist, wenn die Wellen parallel der Längs-
richtung des Schiffes ziehen:
3a) L=1I;
wenn Kielrichtung und Fortpflanzungsrichtung der Wellen unter dem Winkel 8
gegeneinander geneigt sind:
3b) L=1 cos ß.
Es gilt dies sowohl für das still liegende wie das in Fahrt befindliche Schiff.
Wenn die Welle länger als das Schiff ist, so läßt sich die vorstehende
Art der Messung nicht anwenden. Die Wellenlänge wird dann am besten aus
der gefundenen Wellengeschwindigkeit und Periode berechnet, nach der Gleichung
83e) L=VT,
oder wenn man anstatt der wahren die scheinbare Periode T‘ benutzen will:
‚ $— wenn die See von achtern kommt,
30) L= VEIT {T er» 2» vom .
für den Fall, daß die Wellen sich parallel der Kielrichtung bewegen, oder
— bei achterlicher See,
36) L = (V-Fscos ß) IT {= „ vorlicher »
wenn Fortpflanzungsrichtung der Wellen und Kielrichtung den Winkel ß mit-
einander bilden.
Die letzten beiden Gleichungen gehen unmittelbar durch Einsetzen der
Werte von T aus Gleichung 2b) und 2c), in Gleichung 36), hervor.
a
Eine weitere Möglichkeit der direkten Messung der Wellenlänge
bei einem in Fahrt befindlichen Schiff bietet das Log, Man werfe das Logbrett
rom Heck über Bord und lasse die Leine auslaufen, bis sich das Heck gleich-